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Sport-Weihnacht: Hoffnung in vielen Schattierungen unterm Christbaum

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Von: Thomas Machatzke

nachdenkliche Frau vor Weihnachtsbaum
Unter dem Christbaum der Sportlerinnen und Sportler liegt der Weihnachtswunsch nach Normalität. © Bernd Feil/M.i.S.

Weihnachten 2020, Weihnachten auch für die Sportlerinnen und Sportler im Corona-Jahr. Zeit zum Innehalten? Die wird in diesem Jahr nicht benötigt... Ein Kommentar

Weihnachten – das ist auch oder vielleicht gerade im Corona-Jahr 2020 das Fest der Hoffnung. Für den Sport gilt dies wie für eigentlich sämtliche Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Dass Sportler an Weihnachten hoffen, das ist nicht neu. Aber das Hoffen, diese emotionale Erwartungshaltung, ist in Zeiten der Pandemie anders. Es geht nicht um das Hoffen auf Meisterschaften, Aufstiege oder Nicht-Abstiege. Die Hoffnungen sind viel grundsätzlicherer Natur.

Fasst man all diese Hoffnungen zusammen, so kommt auch unter Sportlerinnen und Sportlern in letzter Konsequenz die Hoffnung auf die Rückkehr zur Normalität heraus. Die Hoffnung darauf, den Status quo vor der Krise wieder herzustellen. Je nach Blickwinkel, stecken in diesem großen kollektiven Weihnachtswunsch viele unterschiedliche Detailwünsche.

Die Hoffnung des Einzelnen darauf, in der Gruppe beim Bewegen Spaß zu haben, etwas für die Gesundheit und den eigenen Körper zu tun, Geselligkeit und Zusammenhalt zu erleben, soziale Kontakte zu pflegen. All dies ohne die Angst, sich im Kontakt mit anderen zu infizieren. Es ist die Hoffnung auf einen unbeschwerten Umgang miteinander, auch im Sport.

Hoffnung in vielen Schattierungen unterm Christbaum

Es gibt auch die Hoffnung des Vereinsfunktionärs, dass sein Klub gut durch die Krise kommen möge. Dass die Mitglieder dem Verein nicht den Rücken kehren, dass die wirtschaftliche Basis nicht wegbricht, sondern solide bleibt. Die Hoffnung, dass die Jungen und Mädchen in der Pandemie keine Freizeitalternativen gefunden haben, die sie dauerhaft dem Sport abspenstig machen. Die Hoffnung, dass bei den Talenten und Leistungsträgern, die bis zur Pandemie so hart und fokussiert gearbeitet haben, die Motivation am Ende einer so langen Durststrecke nicht verlorengegangen ist.

Andersherum aber auch die Hoffnung bei jenen Talenten und Protagonisten des Sports, dass ihr Verein in schwierigen Zeiten wirtschaftlich gesund bleibt und mit Hilfe zugewandter Geldgeber weiter Leistungssport finanzieren kann. Denn schwierige Zeiten werden es auch nach der Pandemie sein, wenn die Gesellschaft und eben auch viele Leistungsträger die Zeche bezahlen müssen für all das, was der Staat dieser Tage an Subventionen bereitstellt, um den Menschen die Folgen der Lockdowns etwas erträglicher zu machen.

Entlässt die Pandemie wieder in den alten Status quo?

Keine Frage: Die Pandemie hat auch mit dem Sport etwas gemacht. Sie hat ihn Demut gelehrt, hat den Aktiven vor Augen geführt, dass nichts selbstverständlich, dass auch unbeschwertes Sporttreiben ein Geschenk ist – jede einzelne Trainingseinheit, die der Aktive vielleicht vor Corona auch gerne mal ausgelassen hat und die er nun so schmerzlich vermisst. Entlässt die Pandemie die Sportler am Ende tatsächlich wieder einfach so in den alten Status quo? Und vor allem: Wann ist wieder Normalität in Sicht?

Zurück zum Weihnachtsfest – im Sport war dieses Fest in der Regel eine Zeit des Innehaltens im so rasanten Betrieb, in der allgemeinen Terminhatz zwischen Sommerferien und Jahreswende. 2020 braucht der Sport kein Innehalten – er hat es über Monate geprobt. Hoffnung – dieser Begriff ist verwandt mit dem mittelniederdeutschen Wort hopen. Es bedeutet: hüpfen, vor Erwartung unruhig springen, zappeln.

In dieser Bedeutung schwingt die Ungeduld mit, die den Kern des Denkens der sportlich Aktiven nicht besser treffen könnte. Aber eben auch Vorfreude und Optimismus. Die Zuversicht, dass alles gut werden wird, unterscheidet die Hoffnung von der Illusion oder dem Wunschtraum. Diese Hoffnung dürfen und müssen die Sportler an Weihnachten haben. Das Gegenteil der Hoffnung ist die Verzweiflung. Für sie ist kein Platz unter dem Christbaum. Auch nicht im Corona-Jahr 2020.

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