Spaß auf dem Volksfest, gute Leistung auf dem Eis

Michael Wolf (rechts) durfte von Straubings Geschäftsführerin Gaby Sennebogen den Pokal für Platz zwei beim „Gäubodenvolksfest-Cup“ in Empfang nehmen. Die Siegertrophäe ging nach dem 2:1 im Endspiel nach Klagenfurt, hier KAC-Kapitän Thomas Koch.

ISERLOHN - Straubing war zu oft keine Reise wert für Eishockey-Teams aus dem Sauerland – meist nicht des Gegners, sondern der eigenen Unzulänglichkeiten wegen. Das vergangene Wochenende war ähnlich und doch vollkommen anders. Wer es kritisch mag, der wird an der Abschlussschwäche herummäkeln. Wer aber den Gesamteindruck betrachtet, muss Manager Karsten Mende ein Kompliment machen.

Platz zwei beim „Gäuboden-Volksfestcup“ nach dem 2:1 gegen die Gastgeber am Freitag und dem 1:2 gegen Klagenfurt am Sonntag stellt unter Beweis, dass der ehemalige Nationalspieler ein wirklich interessantes Team zusammengestellt hat, das auch die sportlich Verantwortlichen überrascht – auch, wenn erst eine Trainingswoche und nur zwei Spiele hinter dem neuen Team vom Seilersee liegen.

Stichwort Teambuilding: Es liegt in der Natur des Profisportlers, zu Saisonbeginn nichts negativ Angehauchtes über die eigene Mannschaft in der Öffentlichkeit verlauten zu lassen. Deshalb fragt man als Journalist die, die nicht heucheln müssen: „Charakter einwandfrei, das aber sagen wir jedes Jahr. Trotzdem ist irgendetwas anders, vertrauter und mit dem intensiven Wunsch verbunden, füreinander einzutreten“, sagt Charly Kirchhoff, seit über 20 Jahren Mannschaftsleiter am Seilersee. Die Urgesteine Lasse Kopitz und Collin Danielsmeier beschreiben es ganz ähnlich.

Stichwort Leistungsfähigkeit: Bei Vorbereitungsturnieren in der Ferne erlebt man selten aufsteigende Tendenzen. Heißt: Das erste Spiel eines Wochenendes weiß meist noch zu überzeugen, danach steht mehr die Bierseeligkeit als der sportliche Anspruch im Mittelpunkt. In diesem Jahr war es anders. Trotz Spaß und guter Laune war die Leistung hervorragend. Was schon Freitag gegen den Gastgeber und DEL-Konkurrenten aus Straubing gefiel – Tempo, körperliche Einsatzbereitschaft, Zusammenhalt, Torwartleistung – steigerte sich am Sonntag, trotz einer gemeinsamen Nacht auf dem Volksfest gegenüber der Eissporthalle zu einem Beinahe-Erfolg gegen eine der besten europäischen Mannschaften.

Dem Millionenteam aus Kärnten, Österreichs Rekordmeister aus Klagenfurt, verlangten die Roosters alles ab, waren teils die bessere Mannschaft, zumindest immer gleichwertig. „Wenn die beiden Unterzahlgegentore gegen eine wirklich eingespielte Truppe nicht gewesen wären, wir hätten alle Chancen gehabt, gegen den KAC zu gewinnen“, so Mende.

Stichwort Einzelkritik: Kein einziger Spieler hat am Wochenende die Erwartungen nicht erfüllt. Ob Dieter Orendorz, der im Sommer an Tempo und Cleverness hinzugewonnen hat, Bobby Raymond, der in der DEL wirklich ein hervorragender Offensivverteidiger werden kann, Brent Raedeke, der mehr kann als vierte Reihe, Collin Danielsmeier, der sich schon in Testspielen in Schüsse wirft, Mike Brennan, der als eisenharter Verteidiger mit „Pitbull-Charakter“ zum Liebling des Publikums avancieren kann oder die Wolfs, Yorks, Carons, die schon jetzt wieder ihr Leistungsträgerimage vollauf erfüllen.

„Ich bin stolz auf diese Mannschaft, wie sie gekämpft, sich aufgerieben und füreinander gearbeitet hat – sie wird uns sehr viel Spaß machen“, sagt Cheftrainer Doug Mason. Er unterdrückt Euphorie, denn noch gibt es keinen Grund dafür. Aber Spaß am neuen Team, den darf man schon empfinden.

Von Mirko Heintz

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