Später Lohn der großen Qual für Markus Gärtner

„Die Laufstrecke war unerträglich. Ich habe mir manchmal gesagt: scheiß drauf, brich das Ding hier ab“, so Markus Gärtner. Teamkollege Michael Reinecke (r.) motivierte ihn zum Weitermachen.

Herscheid - Er hat’s wirklich gepackt und seinen eigenen Traum wahr werden lassen. Der Herscheider Triathlet Markus Gärtner nimmt am bekanntesten Triathlon der Welt, dem Ironman auf Hawaii teil.

„Es war der härteste Wettkampf, den ich je erlebt habe“, schildert Gärtner auch Tage nach seiner Rückkehr seinen Wettkampf mit Begeisterung wie einen Film.

Dass die mehr als 3000 Triathleten ohne Neoprenanzug das Schwimmen absolvieren mussten, war bereits zuvor bekannt. „Damit war meine Vorgabezeit von 1:05 Stunden schon mal dahin, aber ich habe gedacht, dass ich nicht mehr als fünf Minuten dadurch verliere. Als ich aus dem See stieg und 1:14 auf meiner Uhr hatte, dachte ich: Gärtner, jetzt musst du Gas geben“, so der der fünftbeste Deutsche seiner Altersklasse.

Dementsprechend fuhr der Herscheider bei Temperaturen von bis zu 42 Grad an seinen körperlichen Grenzen die 178 Kilometer auf dem Rad. „Ich habe immer versucht, einen Schnitt von 40 Km/h zu halten“, so Gärtner, der letztendlich mit 38,15 Durchschnittskilometern pro Stunde nur unwesentlich langsamer war, als die vor ihm gestarteten Profis.

Hinzu kam das Handicap, dass sein Tacho mit Wattzähler plötzlich defekt war. „Mein Trainer hatte mir vorgegeben, mich an Wattzahlen zu halten. Dies war nun nicht mehr möglich, also habe ich mich nach der Uhr gerichtet“, schildert Gärtner seine improvisierte Radtaktik, die vor allem in der zweiten Radrunde von den heißen Bedingungen geprägt war.

„Du hattest das Gefühl, als bläst dir einer mit einem Fön ins Gesicht, keine Abkühlung, einfach nur heiß“, so der Hawaii-Qualifikant. Die Bedingungen gingen an die Substanz: „Es hat mir sicherlich geholfen, dass ich mich tierisch quälen kann. Zudem habe ich mich immer motiviert, wenn ich einen aus meiner Altersklasse überholt habe“, so der Fitnesstrainer.

„Ich kann mich nicht erinnern, dass mich auf dem Rad einer überholt hat“, so Gärtner stolz, aber auch mit Glück, das sein Rad hielt, denn auf einem Teilstück mit Pflastersteinen hatte er sein Päckchen mit Ersatzteilen verloren. Eine Panne und alles wäre dahin gewesen.

„Wie willst du gleich noch einen Marathon laufen“, dachte sich die Nummer eins von TriSpeed Herscheid noch kurz vor der Wechselzone zum Laufen. Mit der fortgeschrittenen Zeit, und vor allem auf der Laufstrecke, waren aber auch die Erfrischungen an den Versorgungsständen keine Erfrischung mehr. „Alles, was gereicht wurde, war nur noch warm.“ – „Wo ist Rob mit seinem Eiswagen?“, rief Gärtner mit letzten Humorreserven den über 30 mitgereisten Familienmitgliedern und Freunden zu, meinte damit Rob Fattorell aus der Herscheider Eisdiele.

„Die Laufstrecke war unerträglich. Ich habe mir manchmal gesagt: scheiß drauf, brich das Ding hier ab. Als ich erst zwei von vier Bändern hatte, war es richtig hart, denn es lag noch so viel vor mir“, schilderte Gärtner den Hitze- und Kraftakt im Frankfurter Zentrum.

„Mein Trainer Michael Krell gab mir vor, den Kilometer 20 Sekunden langsamer zu laufen als geplant, damit ich hinten raus noch Körner habe. Diese Taktik hat sich bewährt, denn gerade auf den letzten beiden Runden sind viele eingebrochen“, so der Herscheider, der nach 9:45:51 Stunden die Ziellinie am Römer überquerte. „Als ich nur noch eine Runde hatte, dachte ich, hier biegst du gleich ab. Das gab noch einmal Auftrieb“.

Im Ziel stand dann neben der Zeit mit Platz 77 im Gesamtfeld einschließlich von 55 Profitriathleten auch Platz 13 in der Altersklasse fest. Vorerst zu wenig, denn nur zehn Plätze waren für Hawaii zu vergeben. Doch das war zu diesem Moment nebensächlich.

„Die hatten hinterm Ziel ein Abkühlbecken aufgebaut. Ich habe die Beine nicht über den Rand gebracht. Die mussten mich reinheben“, schilderte Gärtner die unwahrscheinlich harte Beanspruchung an den Körper. Nach dem Duschen traf er dann auf seine Familie. „Da kamen alle Emotionen raus“, gestand Gärtner ein.

Aber was war mit Hawaii? Bei der Siegerehrung am Montag war der Herscheider mitfiebernd anwesend, denn mit jeder Absage eines vor ihm platzierter Athleten rutschte er Platz um Platz nach vorne. Und so war es. „Als mein Name aufgerufen wurde und ich ja sagte, kam ein irrer Jubel auf, im ganzen Zelt.“ Für Gärtner späte Belohnung für einen bedingungslosen Kampf.

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