Ein Rennen, das alles andere ist als ein Snack

+
„Ohne Skilanglauf würde mir etwas fehlen“, sagt der 48-jährige Balver André Zahn.

Kreisgebiet - Birkebeinerrennet – das mag nach skandinavischem Hustensaft klingen, ist aber ein ebenso anspruchsvolles wie beliebtes Skilanglaufrennen mit Start im norwegischen Rena und Ziel in Lillehammer. Die 54 Kilometer lange Strecke muss im klassischen Stil absolviert werden und hat es aufgrund mehrerer Hundert Meter Höhenunterschied durchaus in sich. Ein Rennen, das alles andere ist als ein Snack.

Für André Zahn ist der Traditionslauf in Norwegen ein Leckerbissen, den er sich nicht entgehen lassen will. Am 17. März ist der Balver, der für die Skiabteilung des TuS Neuenrade startet, beim Birkebeinerrennet dabei. Die Vorfreude steigt. Wenn sich die Aktiven in Rena auf die Strecke machen, dann wird André Zahn gut vorbereitet sein.

Einige Trainingskilometer im Hochsauerland stehen für den 48-Jährigen bis dahin noch auf dem Programm, etliche hat er in diesem Winter allerdings auch schon hinter sich gebracht – inklusive mehrtägigem Trainingslager im Wintersport- und Höhenluftkurort Reit im Winkl im vergangenen Dezember. „Der Birkebeiner gehört zu den anspruchsvollen Läufen, da es die ersten 20 Kilometer nur bergauf geht. Dazu kommt, dass die Langläufer einen 3,5 Kilogramm schweren Rucksack mitnehmen müssen. Das zu überwindende Hochplateau ist für seine Wetterkapriolen bekannt“, verdeutlicht Zahn, „für die großen Skimarathons ist daher eine gute Vorbereitung sehr wichtig“.

Der Balver befindet sich inzwischen mitten in der Skilanglauf-Wettkampfsaison. Am 4. Februar startete er zum fünften Mal beim König-Ludwig-Lauf in Oberammergau. Dort standen 45 Kilometer über die klassische Technik auf dem Programm. Nach 2:36 Stunden kam Zahn auf Rang 218 im Feld der rund 700 Starter ins Ziel und erreichte damit den 38. Platz in seiner Altersklasse.

Auch beim 16. Siuerlänner Skiloap war Zahn kürzlich am Start. „Mangels Schnee konnte der Wettkampf jedoch nicht auf der Originalstrecke von Bad Fredeburg-Rimberg nach Grafschaft-Schanze ausgetragen werden. Wie schon im vergangenen Jahr wurde kurzerhand der Lauf nach Girkhausen verlegt“, berichtet Zahn, der bei gutem Wetter und auf einer bestens präparierten nach einer Stunde und 37 Minuten ins Ziel kam. Als guter Fünfter seiner Altersklasse.

Der Skilanglauf, er ist für den Balver, der auch begeisterter Triathlet, Schwimmer und Volleyballer ist, ein großes Hobby. „Ohne Skilanglauf würde mir etwas fehlen“, sagt der 48-Jährige, der diese Sportart schon jahrelang ausübt. „Alles fing an mit dem exotischen Wettkampf Wintervierkampf. Der TuS Neuenrade richtete in den 80er Jahren die Westdeutschen Meisterschaften aus und nahm an Deutschen Meisterschaften teil, die in Bayern ausgetragen wurden. Neben Volleyball, Schwimmen und Riesenslalom mussten jeweils sechs des aus insgesamt acht Sportlern bestehenden Teams auch im Skilanglauf an den Start gehen. Zu diesem Team gehörte auch ich“, erklärt André Zahn, „den Wintervierkampf gibt es heute leider nicht mehr, aber die Skilangläufer von damals haben fast alle noch Spaß an diesem Sport.“

Spaß, der gehört in der Loipe einfach auch dazu. Zahn hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Skimarathons mit großer Freude, aber eben auch mit dem nötigen sportlichen Ehrgeiz absolviert. „Höhepunkt war der weltweit wohl berühmteste Skimarathon, der Vasalauf in Schweden über 90 Kilometer klassische Technik, den ich 2015 bewältigt habe“, so der Balver.

Die Wettkämpfe bestreitet er in der Regel zusammen mit seinem Kumpel und Ex-Neuenrader Jürgen Moch, der seit einigen Jahren in Regensburg wohnt. Trainieren muss aber jeder für sich. In den Sommermonaten hält sich der ehemalige Triathlet Zahn in erster Linie mit Radfahren und Schwimmen fit, ab August ist er dann auf Skirollern unterwegs. „In diesem Jahr habe ich mich auf die recht flache Strecke rund um den Sorpesee versteift“, sagt der 48-Jährige, der bis zu dreimal wöchentlich auf den Skirollern steht und pro Einheit zwischen 20 und 30 Kilometer absolviert. Freiwillig und gerne, wohlgemerkt.

„Zwischendurch geht es dann mal in die Berge, um Schneekilometer zu sammeln. Aktuell ist die Schneelage im Hochsauerland recht gut“, betont André Zahn, der bis zu dreimal in der Woche nach Westfeld bei Schmallenberg fährt. „Dort hat man vor einigen Jahren ein Skilanglaufzentrum gebaut, auf dem Kunstschnee produziert wird und zumeist eine 1,5 Kilometer lange Strecke zur Verfügung steht“, verdeutlicht Zahn, der auch für das Masters-Team des TuS Neuenrade an Schwimmwettkämpfen an den Start geht. „Vor allen Dingen für die Arme ist das Schwimmtraining optimal für die spätere Skilanglaufsaison“, sagt der Balver.

André Zahn ist aber nicht „nur“ erfolgreicher Sportler, sondern auch Trainer. Vor rund eineinhalb Jahren übernahm er die Trainingsarbeit bei den Volleyballerinnen des VfK Balve, in der auch seine Tochter Lisa spielt. Aus diesem Team formte Zahn eine Einheit, die in der Kreisliga Hagen/Märkischer Kreis in dieser Saison nicht zu stoppen war und ist und vor knapp zwei Wochen vorzeitig Meisterschaft und Aufstieg in die Bezirksklasse perfekt machte.

„Es ist ein junges, ein tolles und harmonisches Team – und ein erfolgreiches“, sagt André Zahn, der einst selbst Liga-Volleyballer war und für den TuS Neuenrade unter anderem in der Bezirksliga aufschlug. Heute ist er noch in der Balver Hobbymannschaft aktiv.

Die Aufmerksamkeit des 48-Jährigen gilt nun aber in sportlicher Hinsicht seinem Start beim Birkebeinerrennet in Norwegen. „Die Anspannung vor den Wettkämpfen ist immer noch so groß wie vor 30 Jahren. Aber sobald man das Ziel erreicht hat, fragt man sich schon, was man als nächsten Wettkampf machen möchte“, sagt Zahn mit einem Augenzwinkern. Das dürfte wohl auch nach dem Birkebeinerrennet so sein...

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare