Breitensport vor dem Restart?

Bei Vereinen im Lenne-Volme-Turngaus überwiegt die Vorsicht

Der letzte Wettkampf der Gaupokalliga fand im März 2020 statt.
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Noch kein Wettkampf in Sicht: Wann es für die jungen Turner in Einzelwettbewerben oder der Gaupokalliga weitergehen wird, steht noch in den Sternen. Klar ist, dass vor dem Herbst in dieser Richtung nichts passieren wird im Lenne-Volme-Turngau.

Die Inzidenzen sinken, landesweit könnte die 100er-Marke schon am Wochenende fallen, und auch im Märkischen Kreis nähert sich der Wert der Neuinfizierten pro 100.000 Einwohnern stetig dem zweistelligen Bereich. Zeit also, in der Sportvereinen darüber nachzudenken, wann und wie man den Übungsbetrieb wieder aufnehmen könnte, wann vielleicht sogar Wettkämpfe wieder möglich sind.

Kreisgebiet - Im Bereich des Lenne-Volme-Turngaus, dessen Vereine ihr größtenteils breitensportliches Angebot weitgehend in Sporthallen durchführen, überwiegt zurzeit aber noch eine Mischung aus Unsicherheit und Skepsis, wie die Wortmeldungen beim 2. virtuellen Stammtisch deutlich machten.

So rechnet der Gauvorsitzende Thorsten Gödde (TuS Jahn Ohle) bei gleichbleibend positiver Tendenz in der Pandemiebekämpfung mit einer Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs erst nach den Sommerferien, Wettkämpfe kann er sich vor den Herbstferien nicht vorstellen. „Es macht noch keinen Sinn, sich jetzt darüber Gedanken zu machen“, will auch Eckhard Matzner vom TSV Kierspe, Fachwart für das männliche Leistungsturnen, noch nicht in die konkrete Wettkampfplanung einsteigen.

Und weil vor einem Wettkampf zunächst einmal eine längere Trainingsphase stehen sollte, gilt das Hauptaugenmerk derzeit der Wiederaufnahme des Übungsbetriebs. Hierbei sehen sich die Vereinsvertreter aber vielfach noch allein gelassen, vermissen umsetzbare Konzepte. Jan Jarnuczak vom TV Grünenthal warf die Frage in die Runde, ob man eine Öffnung offensiv oder doch lieber eher defensiv angehen sollte. Defensiv hieße, gerade in Gruppen der Älteren zunächst einmal nur geimpfte, genesene und negativ getestete Sportler zuzulassen. „Aber das Nachhalten wird schwierig“, befürchtet Jarnuczak, dessen Verein, dem Bewegungsdrang der Aktiven zum Trotz, zunächst einmal noch nicht öffnen möchte.

Wir brauchen eine schlüssige Verordnung, Konzepte des Landessportbundes. Der Tenor im Westfälischen Turnerbund lautet Abwarten.

LVG-Vorsitzender Thorsten Gödde

Dass die Probleme mit der Nachverfolgung auf die Vereine verlagert werden, vermutet auch Thorsten Gödde: „Wir brauchen eine schlüssige Verordnung, Konzepte des Landessportbundes. Der Tenor im Westfälischen Turnerbund lautet Abwarten. Outdoorsport wird in Kürze wieder möglich sein, aber für den Indoorsport sind noch einige Bretter zu bohren.“

„Wir nutzen zu 99 Prozent städtische Sportanlagen, also gibt die Stadt die Bedingungen vor“, sieht Prof. Michael Wiek vom Lüdenscheider TV 61 die Kommunen in der Pflicht, den Vereinen die Rückkehr in die Hallen zu ermöglichen.

„Auch wir sind gespannt auf die Lösungen von oben“, wies Sonja Eppmann vom TV Jahn Plettenberg darauf hin, dass es ja keine Impfpflicht gebe und es deshalb schwierig sei, Nichtgeimpften die Ausübung des Sports zu versagen. Angesichts der Erfahrungen seit Beginn der Pandemie rät auch sie dazu, abzuwarten und darauf zu hoffen, dass es bald wieder weitergeht. Eppmann sparte allerdings nicht mit Kritik: Sie sei „erschreckt und fassungslos, dass es in 14 Monaten kein richtiges Konzept“, sondern nur „Kraut und Rüben“ gegeben habe. Wettkämpfe kann sich auch Eppmann in naher Zukunft nicht vorstellen.

Peter Seyfried vom TuS Oberbrügge berichtete von einem gut laufenden Übungsbetrieb in „den Telko-Gruppen wie Zumba und Bodyforming“, würde auch die Regelung mit Fünfergruppen im Outdoorsport gern umsetzen, doch habe die Stadt Halver die Sportanlage gesperrt, weil sich andere Nutzer dort nicht Corona-konform verhalten hätten. Da Halver mit einer Inzidenz von über 200 noch zu den lokalen Hotspots im MK zähle, könne man nur „höflich an die Stadt herantreten“ und müsse weiter Überzeugungsarbeit leisten. „Regeln einhalten und ernst nehmen, dann können wir erfolgreich mit dem Virus umgehen“, sagte Seyfried, der die Stimmung in seinem Verein als „ganz relaxed“ bezeichnete.

„Nicht jeder Verein hat die Möglichkeit, nach draußen zu gehen, aber gerade der Outdoorsport kann ein sehr intensiver Sport sein, bei dem sich auch richtig Leistung abrufen lässt“, findet Thorsten Gödde, verhehlte aber nicht, dass die Übungsleiter „einen deutlich größeren Aufwand betreiben“ müssten, beispielsweise mit der Verpflichtung zur Vorlage eines aktuellen negativen Testergebnisses. „Haben wir die Übungsleiter, die das machen wollen?“, fragt sich der Gauvorsitzende.

Seine Ehefrau Dagmar, Oberturnwartin des LVG, hat an einem Stammtisch des WTB zum Thema Outdoorsport teilgenommen, bei dem auch viel über Kindergruppen gesprochen worden sei. Sie stellt den Vereinen die Präsentation „10 Praxis-Tipps für euren Wiedereinstieg“ bereit. „Da sind ganz nette Ansätze dabei“, findet Dagmar Gödde.

Hilfreich für die Trainingsplanung, aber auch zur Vorbereitung von Vorstandssitzungen, seien auch Programme wie wasstarten.de, doodle.de oder die Spieler Plus App, regte Jan Jarnuczak an. Beim TV Grünenthal würden diese kostenlosen Online-Portale schon seit Jahren genutzt.

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