Vom Nattenberg nach Doha

Am Nattenberg trainierte die gebürtige Lüdenscheiderin Simone Lüth damals selbst regelmäßig. Der letzte Besuch war am vergangenen Samstag zum Leichtathletik-Kehraus der LG Lüdenscheid. Ende Oktober geht es zur Behinderten-WM in Doha. - Foto: Daniel Schröder

Lüdenscheid - Ende Oktober geht es für die gebürtige Lüdenscheiderin Simone Lüth nach Doha. Bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft der Behinderten ist sie dort Teil des Trainerteams der Nationalmannschaft.

Verwundert liest Simone Lüth die Hinweistafel am Nattenbergstadion, die mitteilt, dass die Sportstätte erst ab 16 Uhr geöffnet ist und genutzt werden kann. Mittlerweile wohnt die gebürtige Lüdenscheiderin in Bochum, arbeitet als Trainerin beim TV Wattenscheid am Olympiastützpunkt in Bochum – den Nattenberg besucht sie daher nicht mehr regelmäßig. Ende Oktober reist sie für rund eine Woche ins knapp 5000 Kilometer entfernte Doha (Katar). Dort betreut sie die Leichtathleten des Nationalteams bei der Behinderten-WM.

Glücklicherweise ist sie an diesem Tag nur wegen eines Fototermins vor Ort und somit nicht an feste Öffnungszeiten gebunden – „früher habe ich zwischen vier und fünf Stunden halbtags gearbeitet. Vor der Arbeit ging es eineinhalb bis zwei Stunden zum Training hierher. Damals konnte man hier noch rund um die Uhr trainieren“, erinnert sich die 46-Jährige.

Mit dem Erwerb der Trainer-A-Lizenz wagte Simone Lüth zunächst den Schritt in die Selbständigkeit als Leichtathletik-Trainerin: Sie betreute in ihrem Spezialgebiet Wurf Nachwuchsathleten in Weinheim, Viernheim und Mannheim, machte darüber hinaus auch Fußballern und Kampfsportlern mit Koordinations- und Sprintübungen Beine.

„So falsch kann meine Arbeit nicht sein“

Über alte Verbindungen knüpfte Simone Lüth die entscheidenden Kontakte zum TV Wattenscheid, um den Traum von der hauptberuflichen Trainerlaufbahn auf sichere Beine zu stellen. Schnell wurde auch das Nationalteam auf die Trainerin aufmerksam: „In Wattenscheid haben viele Athleten unter meiner Regie einen echten Leistungssprung gemacht – viele haben ihre langjährigen Bestleistungen überboten. Da muss sich der Bundestrainer Willi Gernemann wohl gedacht haben, dass meine Arbeit so falsch nicht sein kann“, berichtet sie mit einem Schmunzeln im Gesicht.

Gemeinsam mit der ehemaligen Weltklasse-Speerwerferin Steffi Nerius betreut sie in rund einem Monat 21 Athleten bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaften der Behinderten in Doha. Unter ihren „Schützlingen“: Markus Rehm, der Goldmedaillengewinner im Weitsprung bei den Paralympics 2012 in London.

Am 19. Oktober startet der Airbus vom Frankfurter Flughafen in Richtung Katar: „Dann haben wir zwei Tage Zeit, um uns zu akklimatisieren.“

In Katar wird der normale Trainingsalltag vor den Wettkämpfen zwei Einheiten umfassen: „Jeweils nach dem Frühstück und der Mittagspause.“ Während des jeweiligen Wettkampfes beschränkt sich die Arbeit Simone Lüths, die in Doha vor allem mit den Kugelstoßern und Sprintern arbeiten wird, auf das Anfeuern der eigenen Athleten: „Jeder Sportler hat einen Guide, der beispielsweise einem Sehbehinderten Anweisungen zuruft, wie die Strecke verläuft“, erklärt Lüth.

Die Arbeit mit behinderten Sportlern sei wesentlich aufwändiger: „Ich bin erst drei Jahre in diesem Bereich tätig und habe zuvor keinerlei Erfahrungen mit Behinderten gemacht. Die wichtigste Voraussetzung ist jedoch, dass man sich in den Athleten hineinversetzen kann. Daher werden viele gemeinsame Gespräche geführt.“ Trotz des enormen Trainingsaufwandes bereiten ihr die Behindertensportler viel Freude: „Da freut sich jeder über seine eigene Leistung – egal, ob Treppchenplatzierung oder nicht. Viele ‘normale’ Sportler können in den eigenen Augen ja gar nicht gut genug sein, das gibt es bei Behinderten nicht. Man merkt, dass sie mit viel Freude bei der Sache sind. Das bereitet einem selbst natürlich noch mehr Spaß an der Arbeit“, erklärt Lüth.

In Doha seien zahlreiche Medaillen und Titel drin: „Zudem geht es um Plätze für die Paralympics im kommenden Jahr in Rio de Janeiro.“

„Stadion-Atmosphäre ist umwerfend“

Zur Vorbereitung auf die Wettkämpfe in Doha geht es am 30. September für Simone Lüth mit ihren National-Athleten noch in ein Vorbereitungs-Trainingslager nach Portugal. In Doha freut sie sich ganz besonders auf die Atmosphäre im Stadion: „Das ist dort nicht wie auf dem kleinen Sportplatz, bei dem die Großeltern zum Zusehen kommen. Man agiert dort vor einem umwerfenden Publikum in einem Riesenkessel. Der gesamte Rahmen ist einfach erstklassig und wirklich besonders!“

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