Sichtweisen einer Roten Karte

Eine Szene, mehrere Perspektiven: Schiedsrichter Alessio Murrone zeigte VfB-Akteur Mete Firat die Rote Karte. VfB-Trainer Fitim Zejnullahu (rechts), Verantwortliche und Zuschauer hatten die Hinausstellung anderer Spieler erwartet. Foto: Schwarze

Altena - Das Spitzenspiel der Fußball-Kreisliga A zwischen dem VfB Altena und Tabellenführer TuS Herscheid war beim Stande von 0:4 aus Burgstädter Sicht längst entschieden. Die Gastgeber schienen die Überlegenheit der TuS-Akteure akzeptiert zu haben und die Partie anständig über die Bühne bringen zu wollen, als 14 Minuten vor dem Abpfiff die Emotionen doch noch einmal hochkochten und es zur Rudelbildung kam.

Den Anlass für die erhitzten Gemüter lieferte der Lüdenscheider Schiedsrichter Alessio Murrone mit der Hinausstellung gegen den eingewechselten VfB-Akteur Mete Firat. Wie der Unparteiische mitteilte, hatte er „einen versuchten Tritt beim Spieler Firat in Richtung eines Herscheider Spielers“ beobachtet und diesen als Tätlichkeit gewertet. Spieler, Verantwortliche und Anhänger beider Seiten zeigten sich verwundert über diese Entscheidung, da sie mit einem Platzverweis für Nikolaides (VfB) und Fuhrländer (TuS) gerechnet hatten. Diese beiden hatten sich ein Wortgefecht geliefert, in dessen Anschluss es auch nach Darstellung von der Zuschauertribüne mindestens zu einem Ellbogenschlag gekommen sein soll.

Firat stand zu diesem Zeitpunkt relativ unbeteiligt - wie andere Spieler auch - in einer Spielertraube in Nähe des zankenden Duos und wusste nicht, wie ihm geschah, als Schiedsrichter Murrone die Rote Karte gegen ihn aussprach. „Ich habe doch gar nichts gemacht“, beteuerte Firat auf dem Platz und auch noch einmal nach Spielende.

Murrone erläuterte seine Entscheidung mit dem Verweis, dass sich ein Großteil der Verantwortlichen und Zuschauer auf die Auseinandersetzung zwischen Nikolaides und Fuhrländer konzentriert und den Aussetzer von Firat nicht bemerkt hätten. Eine Regelwidrigkeit der beiden Streithähne hatte indes der Lüdenscheider Schiedsrichter nicht gesehen. „Diese Rote Karte ist ein Witz“, ärgerte sich VfB-Trainer Fitim Zejnullahu. Sein Pendant auf Herscheider Seite meinte: „Ich habe die Szene nicht genau gesehen, hatte aber den Eindruck, dass sich der Spieler, der ,Rot’ bekam, nicht mitten im Geschehen befand“, so TuS-Coach Christopher Birkelbach.

Einmal mehr zeigte sich, dass die Perspektive auf das Geschehen die Einschätzung der Situation beeinflusst. Während die Zuschauer und Verantwortlichen einigermaßen freie Sicht auf die Szenerie hatten, musste Schiedsrichter Murrone durch eine Spielertraube blicken und hatte einen anderen Blick auf die Abläufe, die zumindest einen faden Beigeschmack bei einem zuvor weitgehend fair geführten Spitzenspiel hinterlassen.

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