Handball

„Torhüter glauben nur Torhütern“

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„Torhüter glauben nur Torhütern. Die Trainer haben doch nie in der Kiste gestanden. Die wissen doch gar nicht, was da vor sich geht“, sagt Matthias Reckzeh (links), hier mit SGSH-Neuzugang Julian Borchert.

Für die Vorbereitung der Torhüter bei der SGSH ist in diesem Jahr Matthias Reckzeh verantwortlich. Der neue Torwarttrainer der Dragons kam vom Erstliga-Absteiger VfL Gummersbach, spielte selbst zwei Jahrzehnte lang in der 1. und 2. Bundesliga. Sportredakteur Thomas Machatzke sprach mit dem Hünen über das Torwartspiel im Allgemeinen und die SGSH-Keeper im Besonderen.

Matthias Reckzeh, es heißt, Torhüter und Linksaußen hätten immer eine Macke. Sie waren Torhüter und trainieren nun Torhüter. Dürfen wir uns dies schwierig vorstellen? 

Es ist tatsächlich die Wahrheit, dass Torhüter einen Lattenschuss oder eine Macke haben. Aber im positiven Sinne… Nein, aber im Ernst. Das klappt gut. Ein ehemaliger Mitspieler von mir hat mal gesagt: Torhüter glauben nur Torhütern. Die Trainer haben doch nie in der Kiste gestanden. Die wissen doch gar nicht, was da vor sich geht. Der Mitspieler, der das gesagt hat und heute ein guter Freund von mir ist, das war Andreas Thiel… 

Dann haben Sie Ihren Trainern auch nie geglaubt. 

Doch, im Jugendbereich schon noch. Und ich habe auch später noch aufgenommen, was meine Trainer mir gesagt haben. Aber ich mir auch immer ein eigenes Bild gemacht. Und das war meistens anders als das des Trainers. 

Zuschauer, die ein Handballspiel schauen, würden wohl als Allerletztes ins Tor wollen bei der Wucht der Würfe. Wie sind Sie denn ins Tor gekommen? 

Ich habe als Feldspieler angefangen und war da auch gar nicht so unbegabt. Ich war ja groß. Als dann beim Training der Torwart fehlte, haben wir gesucht. Oft stellt man dann die Lauffaulen in die Kiste. Aber ich hab’s freiwillig gemacht. Und ich fand’s geil. Als Torhüter stehst du im Mittelpunkt, kannst ein Spiel entscheidend beeinflussen. Ich habe dann schnell begriffen: Torwart, das ist die wichtigste Position. Außerdem waren in meiner Familie alle Torhüter – entweder beim Handball oder aber beim Fußball. 

Sie haben noch eine Sportschule in der DDR besucht. Hat Sie das geprägt? Gibt es Dinge, die Sie heute davon mitnehmen? 

Ich bin mit 14 Jahren ins Internat nach Berlin gekommen. In der DDR war ja alles in Sportschulen untergebracht. Dafür habe ich ein Stück meiner Kindheit aufgegeben, aber für den sportlichen Werdegang war das gut. Mit 17 hatte ich meinen ersten Erstliga-Vertrag. Das hätte ich ohne die Sportschule niemals geschafft. Wo unsere Sportschule stand, ist heute „Füchse Town“ für den Nachwuchs der Füchse Berlin. Natürlich ist das Sportschul-Modell nicht 1:1 umzusetzen, aber das System, das es heute hier gibt, ist gut und kommt dem nahe… 

Sie trainieren nun die Torhüter der SGSH Dragons. Wie ist Ihr erster Eindruck? 

Sehr gut. Sie sind willig, arbeiten gut mit. Ante Vukas kenne ich schon aus Essener Zeiten. Damals machte Mark Dragunski, mein bester Freund, die 1. Mannschaft, da habe ich die Keeper trainiert. Ante kennt mein System. Auch Julian Borchert habe ich schon trainiert – da spielte ich in Rheinhausen in der 3. Liga, und Julian war gerade 13, 14 Jahre alt. 

Und Luca Jannack? 

Er ist auch sehr willig. Er ist noch jung, hat noch nie so ein Torwarttraining gehabt. Luca hat Nachholbedarf im Stellungsspiel. Aber er nimmt alles gut an, versucht, die Dinge umzusetzen. Er macht das sehr gut. Darum geht es ja, deshalb trainiere ich auch die Torhüter der 2. Mannschaft und der A-Jugend. Bei der 1. Mannschaft wollen wir versuchen, in der Vorbereitung eine Reihenfolge der Keeper zu erarbeiten. 

Sie kommen einmal pro Woche und zu den Spielen: Wie sieht die Arbeit aus? 

Es geht natürlich nicht nur ums Training. Es geht auch um die Vorbereitung aufs Spiel, die Betreuung vor dem Spiel. Wir besprechen dann Wurfbilder der Schützen. Und natürlich geht es darum, den Torhüter während des Spiels besser zu machen. Sei es, ihm einen Ratschlag zu geben, wie er beim nächsten Ball stehen soll. Sei es, ihn zu beruhigen oder zu pushen. 

Beruhigen? Pushen? 

Ja, wenn es nicht läuft, muss der Torwart die Ruhe bewahren, darf nicht nervös werden. Dabei kann man helfen. Aber es gibt auch Torhüter, die ganz ruhig werden, wenn sie keine Hand an den Ball bekommen. In Gummersbach hatte ich mit Carsten Lichtlein einen Torwart, der sehr stark über Emotionen ins Spiel kam. Wenn es nicht lief, musste man ihn pushen, die Emotionen zurückbringen. Natürlich geht es auch darum, dem Trainer zu signalisieren: Jetzt ist der Torwart im Loch, jetzt sollten wir mal wechseln. Es geht immer darum, das Bestmögliche herauszuholen. Das wollen wir gemeinsam versuchen.  

Matthias Reckzeh, vielen Dank für das Gespräch!

 

 

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