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SGSH: Nach dem Sommertheater zurück zur sportlichen Normalität

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Von: Thomas Machatzke

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SGSH Saisonbild alle Spieler 2022 2023
Der Kader der SGSH Dragons für die neue Spielzeit im Überblick (hinten von links): Brian Gipperich, Oliver Perey, Christopher Börner, Tobias Schetters, Jonas Molz (Neuzugang HSG Krefeld), Denyz Nikulichev (HC Donbas Donezk/Ukraine), Jan König, Florian Diehl, Finn Schnepper (eigene Reserve), (Mitte von links) Julia Egen (Kaufmännische Leiterin), Katja Meschik (Physiotherapeutin), Maciej Dmytruszynski (Cheftrainer), Mark Dragunski (Sportlicher Leiter), Matthias Reckzeh (Torwarttrainer), Mathias Perey (Manager und Geschäftsführer), Sascha Wistuba (Athletiktrainer), (vorne von links) Kai Lüsebrink (eigene Reserve), Erik Blaauw (Hurry-up/NED), Michal Gorlas, Luca Jannack (HSG Menden Sauerland Wölfe), Hendrik Halfmann (HC Burgenland), Pius Hablowetz (eigene Reserve), Vladislav Yorgow (HC Lokomotiv G. Oryahovitsa/Bulgarien) und Nico Jannack (eigene Reserve). Auf dem Foto fehlt der zuletzt verpflichtete Neuzugang Bogdan Criciotoiu (zuletzt vereinslos). © SGSH

68 Mannschaften in fünf Staffeln, nur zwei Aufsteiger, dafür 17 Absteiger: Die Geschäftsbedingungen für die Drittliga-Spielzeit 2022/23 im Deutschen Handball-Bund sind festgezurrt. Nun werden die Aktiven rund um dieses noch sehr theoretische Gerüst Geschichten schreiben.

Schalksmühle – Auch die SGSH Dragons, die in der West-Staffel auf 13 Gegner treffen, die allesamt aus Nordrhein-Westfalen kommen, nur die Nachbarn aus Ferndorf und Gummersbach (U23) sind nicht dabei. Die spielen gen Süden. Für die SGSH wird es so eine Spielzeit ohne Derbyreize.

Sei’s drum: Die Staffel sollte auch ohne Derbys in Südwestfalen eine attraktive sein. Vorfreude ist aber noch aus einem anderen Grund erlaubt. Vor einem Jahr ging es vor dem Start in die Saison in den Diskussionen oft um Hygienekonzepte, Corona-Beschränkungen und allgemeine Skepsis. Würde sie gelingen, die Spielzeit mit den extrem kleinen Staffeln? Nun sind es wieder 14 Teams pro Staffel – und die Diskussionen bestimmen die sportlichen Parameter. Wer sind die Favoriten? Wer muss sich Sorgen machen?

Die SGSH ist als Vizemeister der Saison 21/22 in ihrer Staffel und einer durchaus beachtlichen Aufstiegsrunde trotzdem nicht automatisch zu den Topteams der neuen West-Staffel zu rechnen. Dafür ist in Halver und Schalksmühle zu viel passiert seit dem letzten Aufstiegsrundenspiel in Krefeld. Abschied von Chefcoach Mark Schmetz, in der Folge auch Abschied von den Leistungsträgern Ante Vukas, Philipp Dommermuth, Moritz Frenzel, Christopher Klasmann und Fabian Hecker – die SGSH hat, wenn man so will, die erste ganz große Geschichte der Saison 22/23 geschrieben. Die Konkurrenz hat sie mit Verwunderung gelesen.

Nach dem Sommertheater zurück zur sportlichen Normalität

Für den nach dem Abstieg von Menden und Volmetal einzig verbliebenen Verein der Region wird die Spielzeit so zur Wundertüte. Es gibt noch Leistungsträger des besten Jahres der Vereinshistorie (Schetters, Diehl, Gipperich, König). Es gibt auch die geplante Spielmacher-Verstärkung Erik Blaauw von Hurry-up aus den Niederlanden. Doch daneben ist eben vieles fraglich. Der Bulgare Vladislav Yorgow soll die rechte Außenbahn beackern und dafür auch viel Talent mitbringen. Aber er hat noch kein einziges Spiel gemacht bisher, weil keine Spielberechtigung vorgelegen hat. Genauso der junge Ukrainer Denyz Nikulichev für den linken und der erfahrene Rumäne Bogdan Criciotoiu für den rechten Rückraum. Es sind neue Spieler mit guten Referenzen, aber sie sind bisher Versprechen für die Zukunft. „Es wird noch Zeit brauchen bis alles zusammenpasst“, sagt auch SGSH-Manager Mathias Perey, der gleichwohl überzeugt ist von dem Kader, der nun mit den finalen Transfers doch noch zusammengekommen ist.

Im Tor wird Ante Vukas, der als möglicherweise bester Drittliga-Keeper der Vorsaison gilt, keinesfalls zu ersetzen sein. Das Gespann Luca Jannack (jung, Stallgeruch, zuletzt Menden) und Hendrik Halfmann (erfahren, im weitesten Sinne aus der Region, zuletzt Burgenland) ist ein vorzeigbares, auch wenn beide mit ihren letzten Teams gerade einen Drittliga-Abstieg hinter sich haben.

Vor den beiden Keepern hat der Kader das Potenzial, eine starke 6:0-Abwehr zu formieren. Schetters, Gipperich, Criciotoiu und allen voran als Leader der Kapitän und Co-Trainer Florian Diehl – das ist vielversprechend. Und auch vorne gibt der Kader nun viele Handlungsoptionen her. Zu den zwei Linkshändern Gipperich und Schnepper haben sich noch zwei weitere gesellt (Criciotoiu und Yorgow). Im linken Rückraum hat der neue Chefcoach Maciej Dmytruszynski nun sogar vier bis fünf mögliche Kandidaten (Börner, Nikulichev, Molz, Diehl und König). König kann auch Erik Blaauw als Spielmacher vertreten. Und er muss im Zweifel auch Tobias Schetters auf der linken Außenbahn vertreten, denn für Schetters gibt es kein Back-up.

Die Rolle des Cheftrainers ist komplizierter geworden

Am Kreis hatte die SGSH auch noch nachbessern wollen nach dem Dommermuth-Abschied. Es war ausdrücklicher Wunsch von Maciej Dmytruszynski gewesen, doch einen Kreisläufer hat der Markt nicht mehr ausgespuckt. So stehen hier nominell Oliver Perey und Nico Jannack auf dem Papier, in der Praxis setzte Dmytruszynski in der Vorbereitung aber auch hier und da auf Florian Diehl auf dieser Position. Eine Option ist dies.

Die Rolle des neuen Chefcoaches ist auch keine unkomplizierte. Zum einen, weil Dmytruszynskis Vorgänger Mark Schmetz extrem erfolgreich und zumindest im Team und bei den Fans auch extrem beliebt gewesen ist. Einen guten Draht zur Mannschaft hat auch der polnische Ex-Nationalspieler, der inzwischen seit 2013 im Verein ist, sehr erfolgreich in der Jugend gearbeitet hat (und mit seiner D-Jugend noch arbeitet) und auch alle Trainer-Qualifikationen mitbringt. Doch die Aufgabe ist eine große: Dmytruszynski muss nach einem Frontalcrash, den er nicht zu verantworten hat, etwas ganz Neues aufbauen. Ob die Dinge zusammenpassen werden, weiß noch niemand.

Das alleine wäre eine Herausforderung. Nach der öffentlich geführten Diskussion des Sommers indes kommt eine weitere hinzu: Die Erwartungshaltung der Vereinsführung ist jene, dass die jungen Spieler aus dem eigenen Verein ihre Chancen erhalten sollen – mehr als bisher. Der Kader ist nicht arm an Eigengewächsen: Christopher Börner, Nico Jannack, Kai Lüsebrink, Finn Schnepper, Luca Jannack, auch wenn Letzterer inzwischen als gestanden gelten darf. Wenn man es so will, haben sich Vereinsführung und Erfolgstrainer Schmetz zuletzt in genau dieser Frage auseinandergelebt. Was macht das mit dem Nachfolger? Es dürfte das Auswechseln und die Verteilung der Spielanteile zumindest zu einer kniffligen Angelegenheit werden lassen, weil nun nicht mehr allein der eigene Gedanke zählt, sondern im Hinterkopf auch immer die Erwartungshaltung des Umfeldes mitschwingt.

Kurzum: Es gibt keinen Mangel an spannenden Aspekten vor dieser Drittliga-Saison 22/23 in Halver und Schalksmühle. Ein Ziel für das komplett neu formierte Team? Die 2. Bundesliga ist es nicht mehr, der Klassenerhalt klingt für einen Vizemeister des Vorjahres mit vier neuen Gastspielern aus ganz Europa dann aber auch ein wenig nach Understatement. Aber braucht es nach der Geschichte des Sommers überhaupt ein Ziel? Manchmal ist einfach der Weg das Ziel. Ganz besonders, wenn es ein neuer Weg ist.

Sieben Siege in zwölf Partien gegen Auftaktgegner Longerich

Zwölfmal haben die SGSH und der Longericher SC in der Drittklassigkeit bereits gegeneinander gespielt. Am Samstagabend wartet ab 19 Uhr in der Halle der Carl-von-Ossietzky-Gesamtschule im Stadtteil Longerich Duell Nummer 13. Sieben der bisherigen zwölf Spiele gewann die SGSH, viermal siegte der LSC, nur ein Unentschieden gab es. Die Tendenz indes zuletzt: In Köln mussten sich die Dragons dreimal in Folge geschlagen geben. In der vergangenen Saison setzte es ohne Ante Vukas die erste Niederlage der Spielzeit, die gleichzeitig die erste Niederlage der Ära Schmetz war.

Der Longericher SC belegte in der vergangenen Saison – mit viel Vorschusslorbeeren gestartet – nach zähem Saisonstart am Ende noch Rang drei. Das Team von Chris Stark hat mit Linkshänder Daniel Koenen einen wichtigen Spieler verloren. Dafür ist Stammtorwart Valentin Inzenhofer nach langer Verletzungspause wieder im Kader. Angeführt wird das Team von Ex-Zweitliga-Spieler Benni Richter und Kapitän Christopher Wolf, der seit Jahren eine feste Größe im Team (vor allem in der Defensive) ist. Gerade die 6:0-Abwehr der Kölner gilt als eine der besten (und robustesten) der Liga.

Bei der SGSH ist die große Frage vor dem Start, welche späten Neuzugänge noch die Spielberechtigung erhalten. Bei Vladislav Yorgow ist Manager Mathias Perey zumindest vorsichtig optimistisch. Bei Denyz Nikulichev und Bogdan Criciotoiu sah es zuletzt nicht so vielversprechend aus.

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