SGSH: Auf historischen Pfaden

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Im Hinspiel waren Maciej Dmytruszynski (links) und Malte Müller (rechts) beim 27:31 am Löh gar nicht so weit entfernt von einem Erfolg gegen David Oppongs (Mitte) Fredenbecker. Ob am Samstag in der Geestlandhalle etwas geht für die SGSH?

Schalksmühle - Christian Schwarzer, der Weltmeister von 2007, unterschrieb hier mit 17 seinen ersten Profivertrag und war hier eine Zeit lang zu Hause. Zbigniew Tluczynski, ein ehemaliger Weltklassespieler und Torschützenkönig der Bundesliga, auch: Zu Hause waren beide in der „Hölle Nord“, wie die Geestlandhalle einmal genannt wurde, als der VfL Fredenbeck noch als Dorfverein die Bundesliga aufgemischt hat. Eine historische Spielstätte, in der nun am Samstagabend um 19.30 Uhr auch die SG Schalksmühle-Halver zu Gast sein darf. Zu Gast beim Primus der 3. Liga West.

350 Kilometer sind es für die SGSH bis in den Landkreis Stade, bis ins Dorf Fredenbeck, das mit 6000 Einwohnern kleiner ist als Schalksmühle und doch in Sachen Handball eine so große Vergangenheit hat. 1988 stieg der VfL in die Bundesliga auf, 1996 noch einmal, auch beim DHB-Final-Four war der Klub schon einmal dabei.

Heute schicken sich die Schützlinge vom Trainer Andreas Ott an, zumindest wieder den Sprung von der Dritt- in die Zweitklassigkeit zu schaffen. Im Fernduell mit Krefeld schien der VfL so gut aufgestellt – bis er am vergangenen Sonntag beim Schlusslicht in Habenhausen verlor. Nun spricht nur noch der direkte Vergleich für den VfL, die Topteams sind punktgleich. Spannung pur.

„Fredenbeck wird nicht zweimal den selben Fehler machen wollen“, sagt SGSH-Trainer Mathias Grasediek mit Blick auf die Pleite der Spitzenreiters beim Schlusslicht – dem Klassiker unter allen möglichen Formen der Blamage. In die Karten spielt so ein Ergebnis der SGSH nicht. Der Favorit wird doppelt wachsam sein. „Trotzdem zeigt so ein Spiel, dass es nicht unmöglich ist, sie zu schlagen“, sagt Grasediek, „wir können drucklos ins Spiel gehen. Andererseits hilft uns in unserer Situation nur ein Erfolgserlebnis. Deshalb müssen wir alles daran setzen, dass wir in Fredenbeck erfolgreich sind.“

Die Situation, von der Grasediek spricht, das ist die Situation mit zuletzt fünf Niederlagen in Serie und nur noch zwei Punkten Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. Unverhofft in den Abstiegskampf zu geraten, kann noch schwieriger sein als erwartungsgemäß ums Überleben zu kämpfen. Erst recht, wenn das Personal weiter nicht so zur Verfügung steht wie es irgendwann einmal geplant war.

Merhar und Feldmann fallen weiter aus. Todor Ruskov ist eine Woche weiter, vielleicht könnte es sein Comeback geben. Wunderdinge darf man aber nicht erwarten nach so langer Pause. Lutz Weßeling hat unter der Woche flach gelegen. Grippe, Antibiotikum, Sportverbot bis zum Freitag. Florian Diehl hat aufgrund einer Fußprellung auch nicht trainiert am Montag und Dienstag.

„Wir müssen schauen, wie die Optionen sind.“, sagt Grasediek und hofft, dass sich seine Schützlinge über kleine Erfolgserlebnisse das Selbstvertrauen holen, was gegen Leichlingen so sehr gefehlt hat. Darüber hat man gesprochen im Training. Die Laufwege bei den Kreuzungsformen hat man gepaukt, wieder und wieder. Neue Sicherheit zu finden in Zeiten der allgemeinen Verunsicherung ist aber ein schwieriges Geschäft. Schwierig, aber nicht unmöglich. Bangemachen gilt auch in der „Hölle Nord“ nicht. Hier hat einst der THW Kiel vor 2500 Zuschauern nicht nur einmal verloren, sondern sogar zweimal. Warum sollte die SGSH an historischer Stätte nicht selbst als David überraschen? Die Wahrscheinlichkeit ist eine andere, aber unmöglich sind derlei Dinge im Leben eines Handballers keineswegs.

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