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SGSH Dragons: 20 Prozent Einbußen beim Sponsoring

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Im Januar soll die Drittliga-Saison für die SGSH Dragons fortgesetzt werden. Wenn dies nicht der Fall, wird der Drittligist aus Halver und Schalksmühle, die aktuell noch solide aufgestellt ist, die Kosten auf ein Mindestlevel herunterfahren müssen.

Die SGSH Dragons und die Corona-Pandemie: Auch der Handball-Drittligist muss rechnen, sieht sich im Moment aber noch „solide aufgestellt“.

Schalksmühle – Für die SGSH Dragons ist das Sportjahr 2020 praktisch gelaufen. Alle Spiele sind abgesetzt, von der 3. Liga bis zur Kreisliga B und auch beim kompletten Nachwuchs. Und doch wartet noch ein Termin: Die Jahreshauptversammlung, die Anfang November aufgrund des Lockdowns abgesagt wurde, soll nun am 16. Dezember im Online-Format stattfinden. Eine Videokonferenz, zu der die Mitglieder in Kürze eingeladen werden sollen und die auch mit entsprechenden Online-Tools eine ordnungsgemäße Wahl des Vorstandes möglich machen soll.

Über Organisation und Ablauf dieses letzten gemeinsamen Termins – ohne direkten Kontakt – macht sich Mark Schür keine Sorgen. Eher schon darüber, dass es den Dragons wohl nicht gelingen wird, die nach dem Ausscheiden von Mark Wallmann vakante Position in der Geschäftsführung der Spielbetriebs GmbH neu zu besetzen. „Ich denke, da wird Jan Schulz alleine weitermachen müssen“, sagt der 1. Vorsitzende der Dragons, „wir haben einige Gespräche geführt, aber es ist keine gute Zeit, um Leute fürs Ehrenamt zu finden.“

SGSH: 20 Prozent Einbußen beim Sponsoring

Es ist keine gute Zeit fürs Handballspielen, auch nicht fürs Ehrenamt, und auch bei den Planungen für die Zukunft ist Schür dieser Tage etwas zurückhaltend. „Dass Eintracht Hagen mit Valentin Schmidt verlängert hat, habe ich gesehen“, sagt Schür, „ich würde sagen: Wir könnten das im Moment mit einem so wichtigen Schlüsselspieler nicht machen.“ Größere Zusagen und Verpflichtungen für die Zukunft mag die SGSH ob der ungewissen näheren Zukunft nicht eingehen.

Allerdings ist die Not auch nicht groß. Sowohl Drittliga-Coach Mark Schmetz als auch Mark Dragunski als Trainer der Reserve und A-Jugend sind vertraglich noch bis zum Sommer 2022 gebunden. Das Gros der Spieler der 1. Mannschaft ebenfalls. „Wir haben uns angeschaut, mit wem wir sprechen müssen, und werden das auch tun“, sagt Schür – es sind aber überschaubare Planungseinheiten. Immerhin.

Eine gute Nachricht kam zuletzt von der Zuschuss-Front. 14 000 Euro sind der SGSH bei den Corona-Hilfen für den Profisport im Herbst zugeteilt worden. Anders übrigens als im Frühjahr, als die Bedingungen noch andere waren und die SGSH bei den Soforthilfen leer ausgegangen war, weil die Differenz der Erträge gegenüber dem Vorjahr nicht groß genug, die SGSH ergo nicht antragsberechtigt gewesen war. Das Geld tut dieser Tage gut, denn wirtschaftlich war das Corona-Jahr – vorsichtig ausgedrückt – natürlich schwierig. Es ist die Baustelle von Jan Schulz, dem Geschäftsführer der Spielbetriebs GmbH. Wahrscheinlich ist es nicht ganz richtig, nur von einer Baustelle zu sprechen.

10000 Euro fehlen bei den Eintrittsgeldern

„Wenn wir die Rückrunde der Vorsaison und die Hinrunde der aktuellen Spielzeit zusammennehmen, sind uns allein im Sponsoring 20 Prozent der Einnahmen weggebrochen – und wir sprechen da nach der so positiven Entwicklung der vergangenen Jahre von einem anderen Volumen als zum Beispiel beim TuS Volmetal“, sagt Schulz, der allerdings bei der Kalkulation der neuen Saison eigentlich noch sehr viel konservativer gerechnet hatte. Schulz hatte einen Einbruch um ein Drittel befürchtet. So schlimm ist es dann doch nicht gekommen.

„Zum Glück sind uns die größeren Sponsoren alle treu geblieben“, sagt Schulz, „aber wir haben auch viele Gespräche mit kleineren Sponsoren geführt, die ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken mussten oder davor standen, Mitarbeiter entlassen zu müssen. Da kann niemand mit einem reinen Gewissen Geld für den Handball ausgeben, dafür haben wir vollstes Verständnis.“ Schulz sieht das Positive: „Wir sind dankbar für die Treue und Unterstützung der Sponsoren, mit deren Hilfe es überhaupt möglich war, diese Topmannschaft in die Saison zu schicken.“

Zu den Einnahmeverlusten im Sponsoring kommen die Verluste in den Heimspielen. Die Spiele gegen Volmetal als Topeinnahme-Derby der vergangenen Jahre, gegen Aurich, Minden II und Spenge fehlen auf der Zielgerade des Jahres. Vorsichtig kalkuliert sind es allein 10 000 Euro an Eintrittsgeldern, die fehlen, dazu die Erlöse aus dem Catering. Aufgefangen wird dieser Ausfall zumindest zum Teil durch die Corona-Hilfe.

Wenn wir die Rückrunde der Vorsaison und die Hinrunde der aktuellen Spielzeit zusammennehmen, sind uns allein im Sponsoring 20 Prozent der Einnahmen weggebrochen – und wir sprechen da nach der so positiven Entwicklung der vergangenen Jahre von einem anderen Volumen als zum Beispiel beim TuS Volmetal.

Jan Schulz (SGSH Dragons)

Der neue Einnahme-Faktor Sportdeutschland-TV – Fans können hier die Spiele live in Internet sehen und zahlen dafür einen Obolus – schlägt noch nicht wirklich durch. Vielleicht einen Euro pro SGSH-Fan pro Spiel setzte Schulz in der Kalkulation an. Bei einem sehr guten Heimspiel lassen sich davon vielleicht die Schiedsrichterkosten decken, meistens aber wird es selbst dafür nicht reichen. „Heimspiele“, sagt Schulz angesichts fehlender Zuschauer, „sind im Moment allenfalls ein Nullsummenspiel.“ Mögliche Kosten für die neue Corona-Teststrategie in der 3. Liga sind da noch gar nicht eingerechnet.

„Wir haben gut gewirtschaftet und sind aktuell solide aufgestellt“, stellt Jan Schulz trotzdem fest. Beim Blick nach vorne mag er indes nicht zu optimistisch sein. „Wenn die Rückrunde wie im Frühjahr ausfallen sollte, dann werden wir die Kosten auf ein Mindestlevel drücken müssen“, sagt Schulz, „wir sind da auch im ständigen Austausch mit der Mannschaft, die ja auch schon im Frühjahr super mitgezogen hat. Das geht eben nur, wenn alle an einem Strang ziehen.“

Neustart im Januar: moralische Bedenken

Schulz müsste sich den Neustart im Januar wünschen, und das tut er als Geschäftsführer auch, doch es schlagen zwei Herzen in seiner Brust. „Moralisch halte ich das eigentlich nicht für vertretbar“, sagt der Dragons-Geschäftsführer, „zum einen finde ich, dass die Testkapazitäten anderswo besser eingesetzt wären als bei einem Handballspiel. Zum anderen haben wir im Kader keinen einzigen Profi. Der letzte Profi bei uns war Dragan Tubic. Viele Spieler müssen montags wieder arbeiten gehen und bekommen Probleme, wenn sie da ausfallen.“ Was aber passiert, wenn tatsächlich nicht gespielt wird? Bei allen moralischen Bedenken wäre es der SGSH wohl am Ende lieb, wenn sie diese Frage im Frühjahr 2021 nicht beantworten müsste.

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