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Plettenberger Jung-Schiedsrichter Leonhard Wolff setzt Aufstieg fort

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Von: Michael Jeide

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Schiedsrichter Wolff zeigt die Rote Karte.
Regelsicher und konsequent: Leonhard Wolff bei einem A-Ligaspiel im Oestertal. Hier zückt er „Rot“ nach einer Notbremse. © Volker Halbhuber

Vor knapp fünf Jahren, am 22. September 2016, hat Leonhard Wolff im Alter von 14 Jahren seine Schiedsrichterlaufbahn begonnen. Jetzt, mit 19, hat er schon ein beeindruckendes Ziel erreicht: Der für den TV Rönkhausen pfeifende Plettenberger wurde für die kommende Saison in den Pool der Schiedsrichterassistenten der Junioren-Bundesligen berufen.

Plettenberg/Rönkhausen - „Dieses Jahr habe ich gar nicht mehr damit gerechnet, weil ich das Pech hatte, dass mir durch Corona zweimal die Chance zum Aufstieg genommen wurde“, sagt Wolff, der im vergangenen Jahr am Plettenberger Albert-Schweitzer-Gymnasium sein Abitur machte und seit März in Düsseldorf Wirtschaftspsychologie studiert, dort auch inzwischen in einer WG wohnt.

In der Landeshauptstadt ist Wolff zwar nun räumlich entfernt von seinem üblichen Betätigungsfeld in Südwestfalen, aber gerade für Einsätze in der Junioren-Bundesliga West ist Düsseldorf sogar förderlich.

„Ich werde aber versuchen, weiterhin Bezirksligaspiele zu leiten und die Assistenteneinsätze in der Landes- und Westfalenliga wahrzunehmen. Ob es auch für jedes Kreisligaspiel klappt, muss man sehen“, sagt Wolff, der sich momentan an der Uni in einer Prüfungsphase befindet, aber mit Beginn der Saison 21/22 wieder auf heimischen Sportplätzen anzutreffen sein dürfte. „Mein Ziel ist es auf jeden Fall, weiter als Schiedsrichter voranzukommen“, sagt Wolff, der im Plettenberger Ortsteil Siesel groß wurde und schön früh den Schritt vom aktiven Fußballer (bis zur D-Jugend beim TuS Plettenberg) zum Schiedsrichter wagte. Beim TV Rönkhausen – vom Siesel kaum weiter entfernt als das Lennestadion – und im Fußball-Kreis Olpe fühlte er sich von Anfang an gut aufgehoben und wurde gefördert.

Thorben Siewer als Pate und Vorbild

Unterstützt von Zweitliga-Schiedsrichter und Vorbild Thorben Siewer als Pate sammelte Leonhard Wolff seine ersten Erfahrungen in C- und D-Jugend-Spielen. Im Mai 2017 stand er dann, gerade 15 Jahre alt geworden, zum ersten mal als Assistent in der Landesliga an der Linie. Im Förderpool des FLVW-Kreises Olpe, in dem die talentiertesten Schiedsrichter gebündelt werden, kümmerten sich neben Siewer auch Regina Gerigk und der Vorsitzende des Kreisschiedsrichterausschusses, Marco Cremer, intensiv um den jungen Plettenberger. Auch in der Pandemiezeit riss die Verbindung nicht ab. „Ich habe ja seit Oktober 2020 nicht mehr auf dem Platz gestanden, aber man blieb über die monatliche Online-Schulung und Zoom-Meetings in Kontakt“, blickt Wolff zurück.

Auch knifflige Spiele gemeistert

Seine Ausbilder hat Wolff bislang ausnahmslos überzeugt. „„Leonhard ist ein hochtalentierter, junger Schiedsrichter, der bislang alle ihm vorgesetzten Aufgaben hervorragend gemeistert hat“, sagte Marco Cremer beispielsweise, als Wolff für die Saison 19/20 für die Bezirksliga nominiert wurde, wo er in der Partie FC Altenhof gegen VfR Rüblinghausen debütierte. Seither sind diverse Highlights hinzugekommen, so das Westfalen-Pokalspiel RSV Meinerzhagen gegen TuS Haltern als Assistent oder Einsätze beim Hallen-Masters des Kreises Olpe – mit einem hitzigen Halbfinale zwischen dem FC Lennestadt und der SG Finnentrop/Bamenohl, das Wolf aber souverän über die Bühne brachte. Nicht nur in vollen Hallen, auch auf den Sportplätzen im Freien konnte Wolff alle kniffligen Situationen meistern, behielt stets einen kühlen Kopf.

Leonhard Wolff
Steiler Aufstieg in nur fünf Jahren: Leonhard Wolff. © FLVW-Kreis Olpe

Neben der Berufung als Schiedsrichterassistent in die Junioren-Bundesligen hat der Verbandsschiedsrichterausschuss ihn nun auch in das Perspektivteam des Verbandes aufgenommen, wo er eine noch intensivere Förderung genießen darf.

Noch einmal Marco Cremer: „Wir sind uns absolut sicher, dass er trotz seines jungen Alters mit seinen Leistungen Spieler und Offizielle überzeugen wird.“

Entscheidungen bei der EM werden diskutiert

Und was macht ein Schiedsrichter während der laufenden Europameisterschaft: „Man versucht, so viele Spiele wie möglich zu sehen“, tauscht sich Leonhard Wolff anschließend mit Schiedsrichterkollegen in Whatsapp-Gruppen über strittige Szenen aus.

In der aktuellen Diskussion über eine Altersgrenze für Schiedsrichter im Fall Manuel Gräfe hat er eine geteilte Meinung: „Einerseits finde ich, dass man die Spiele unabhängig vom Alter leiten sollte, so lange die Fitnesstests bestanden werden, aber ich kann auch den DFB verstehen, der den Nachwuchs fördern will. Und weil es nicht so viele Schiedsrichter im Pool gibt, muss irgendwer darunter leiden.“

Ob man Leonhard Wolff demnächst auch beim Sauerlandcup in Plettenberg als Unparteiischen sehen wird – bei dem A-Juniorenturnier, das sein Vater Thorsten mehrere Jahre verantwortlich organisierte – vermag der Jungschiedsrichter nicht zu beurteilen („Über die Ansetzung entscheidet ja der Fußball-Kreis Lüdenscheid“), zuzutrauen wäre ihm die Aufgabe aber allemal. Zunächst aber wartet er gespannt auf die Ansetzungen für die Junioren-Bundesligen – die Topteams aus dem Jugendbereich wird er dort ohnehin zu sehen bekommen.

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