Handball

„Das Optimum war das noch nicht“

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Schalksmühle – Seit dreieinhalb Jahren trägt Alexandre Brüning das Trikot der SG Schalksmühle-Halver in der 3. Liga. Mit seiner ruhigen, positiven Art auf dem Spielfeld kam der heute 26 Jahre alte Brüning im Sauerland gut an, wurde unter Trainer Stefan Neff bald zum Kapitän der Mannschaft. Nun überraschten die Dragons und Brüning in der Vorweihnachtszeit mit der Nachricht, dass der Kapitän im Sommer 2020 von Bord gehen will. Brüning will sportlich kürzertreten, dem Beruf den Vorrang geben und deshalb beim Mittelrhein-Oberligisten HC Gelpe/Strombach anheuern. In der Weihnachtspause sprach Sportredakteur Thomas Machatzke mit Brüning über dessen Beweggründe, über seine Zeit in Halver und Schalksmühle und über den bisherigen Saisonverlauf.

Alexandre Brüning, Sie sind 26 Jahre alt, mithin das beste Handballer-Alter. Sie sind Kapitän des Handball-Drittligisten SGSH Dragons. Wie kommt es da zu dem Entschluss, im Sommer kürzer treten zu wollen? 

Im Endeffekt ist es eine Entscheidung zwischen Profihandball und Beruf. Entweder ist man Profi oder Amateur. Ich will schauen, was nun im Beruf geht. Natürlich bin ich auch traurig, weil ich den Verein sehr mag. Es ist in den vergangenen vier Jahren immer aufwärts gegangen. Im ersten Jahr haben wir gegen den Abstieg gespielt. Aber wir haben ein ordentliches Team aufgebaut, und das Team hat die Leistung gebracht. Handball war schon immer meine Leidenschaft und mein Hobby. Da ist es nicht leicht, kürzer zu treten, aber nun habe ich mich für den beruflichen Weg entschieden. Ich spiele seit 20 Jahren Handball, irgendwann wird es für den Kopf schwierig, jeden Tag in der Halle zu stehen, immer 100 Prozent zu bringen. Gerade wenn man in Vollzeit arbeitet. 

Sie sind vor dreieinhalb Jahren gekommen – im selben Sommer wie seinerzeit Stefan Neff. Gibt es für Sie seitdem einen schönsten Moment, den Sie bei den Dragons erlebt haben? Der schönste Moment? 

Ich hatte eine Oberschenkel-Verletzung und war eigentlich nicht eingeplant für das Derby gegen den TuS Volmetal. Aber dann hat es Marvin Schreyer geschafft, mich für das Spiel fit zu bekommen. Ich habe gespielt, ein gutes Spiel gemacht, und wir haben gewonnen. Das war ein Moment, an den ich gerne denke. Ich habe immer gerne gegen Volmetal gespielt, die Derbys waren immer etwas ganz Besonderes. Da geht es um die Region, das sind die schönsten Spiele. 

Sie sind in diesem Jahr mit 6:0 Punkten gestartet und haben sich dann als Team gegen Trainer Stefan Neff ausgesprochen. Sie mussten das als Kapitän nach Außen vertreten. Das ist eine Geschichte, die man nicht unbedingt erleben muss, oder? 

Das war auf jeden Fall eine mental sehr anstrengende Zeit. Das möchte ich nicht noch mal erleben, nein. Ich bin mit Stefan eigentlich gut klargekommen, aber ich habe die Interessen und die Meinung der Mannschaft vertreten. Auf jeden Fall haben viele Spieler danach viel befreiter aufgespielt, und das ist im Handball nicht unwichtig, diesen Extradruck nicht zu haben. Für mich war es keine schöne Zeit, aber eine wichtige Erfahrung. 

Wie zufrieden sind Sie denn nun 14 Spieltage später mit der Halbserie? 

Ein bisschen mehr ist immer drin, aber trotzdem bin ich auf jeden Fall zufrieden. Wir stehen vor der Konkurrenz aus der Region, aus Hagen, Volmetal und Menden. Ziel ist es, das zu bestätigen. Klar, in Ahlen hätte man nicht verlieren müssen. Da waren ein, zwei Aussetzer dabei. Das müssen und wollen wir in der Rückrunde besser machen. Trotzdem sind alle sehr, sehr zufrieden und würden gerne noch einen Schritt weiterkommen. 

Wie fällt Ihr persönliche Bilanz aus, nachdem Sie lange krankheitsbedingt nicht dabei waren? 

Ich hatte Probleme nach einer Erkältung, die ich nicht richtig auskuriert habe, und bin dann komplett ausgefallen. Die Lehre daraus: Man sollte auf seinen Körper hören. Ich wollte der Mannschaft helfen, aber das war falsch. Jetzt bin ich auf dem Weg der Besserung. Aber Lukas Hüller macht das im Moment auf der Mitte sehr gut. So habe ich weniger gespielt, aber da kann ich nichts sagen – der Erfolg stimmt. Also ist alles gut. 

Schauen wir weiter zurück: Sie sind im vierten Jahr bei der SGSH. Wie fällt da die Gesamtbilanz aus? 

Ich hatte schon vorher ein Jahr in der 3. Liga gespielt, davor in Frankreich. Die vier Jahre nun haben mir so viele Erfahrungen gebracht, haben mich sehr weitergebracht. Kapitän war ich auch in Gummersbach schon in der 3. Liga, aber hier war das eine Riesenehre. Es ist etwas anderes, Kapitän einer Mannschaft zu sein, die daheim immer vor einer vollen Halle spielt. Da ist der Druck ein ganz anderer als bei einer 2. Mannschaft wie in Gummersbach. Das hat mich auf jeden Fall weitergebracht. Insgesamt habe ich die vier Jahre genossen. Das Umfeld bei der SGSH ist super. Ich habe zum Beispiel höchsten Respekt vor den vielen Helfern bei den Heimspielen. Das findest du in der 3. Liga nicht so oft. Ich habe mich immer sehr wohl gefühlt und mit der Mannschaft viel Spaß gehabt. Deshalb bin ich natürlich auch etwas traurig, aber die Entscheidung für den Sommer steht! Und da stehe ich auch hinter.

Wenn Sie auf die SGSH Dragons schauen, welche Prognose würden Sie wagen? Welche Perspektiven hat der Verein? War die Vizemeisterschaft in der vergangenen Spielzeit schon das Optimum oder geht es irgendwann in die 2. Bundesliga? 

Nein, das Optimum war das noch nicht. Es ist jetzt vier Jahre stetig bergauf gegangen. Aber der Weg nach oben ist weit. Die 2. Bundesliga ist noch mal ein Fass. Der Verein wird Zeit brauchen. Aber die Möglichkeit hat er sicherlich mit diesem Umfeld. Gerade, weil so viele Leute dahinter stehen und helfen. Da hat Schalksmühle einen großen Vorteil gegenüber anderen Vereinen. Deshalb halte ich die 2. Bundesliga durchaus für möglich, gar keine Frage! 

Alexandre Brüning, vielen Dank für das Gespräch!

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