„Deshalb bin ich mit euch kein Meister geworden“

Helmut Kremers, Rüdiger Abramczik, Peter Großmann, Klaus Fischer und Erwin Kremers (v.l) im Kulturhaus. -  Foto: Daniel Schröder

Lüdenscheid - In den 1970er- Jahren mischten Erwin und Helmut Kremers, Klaus Fischer und Rüdiger Abramczik gemeinsam im königsblauen Trikot die Bundesliga auf, am Dienstagabend traten sie gemeinsam als „Die Viererkette“ auf die Kulturhausbühne.

Gemeinsam mit rund 100 Zuschauern, von denen sich ein großer Teil mit blau-weißer Kluft als S04-Anhänger zu erkennen gab, erinnerten sie sich unter der Moderation von ARD-Mann Peter Großmann an ihre Aktivenzeit, verglichen den damaligen Fußball mit dem der heutigen Zeit und diskutierten über Hüftprobleme und andere Blessuren eines Fußball-Rentners.

Damals galt „Flankengott“ Abramczik als Sturmpartner und Vorlagengeber von Klaus Fischer. Und auch in der Runde, die von Anekdote zu Anekdote gesprächiger wurde, gab er die entscheidende Vorlage, die bei Fischer für Erleuchtung sorgte und ihn eine Vermutung aufstellen ließ, weshalb er niemals gemeinsam mit seinen drei weiteren Ex-Mitspielern Deutscher Meister werden konnte. „Damals war das Sportlerleben ein ganz anderes. Heute können sich die jungen Fußballer doch gar nichts mehr erlauben, ohne dass es im Internet landet“, so der gebürtige Gelsenkirchener Abramczik. Mit trockenem Ruhrpott-Humor erinnerte er sich im Bezug auf diese These an die Zeit, in der „ein Großteil des Teams“ vor jedem Meisterschaftsspiel auf der Toilette verschwand, um „ein kleines Fläschchen Zielwasser“ zu trinken. „Als der Trainer dann die ganzen leeren Flaschen auf dem Klo fand, hat er uns erlaubt, in der Kabine zu trinken. Das hatte er kaum ausgesprochen, da kam Charly Neumann schon mit einer Flasche Asbach um die Ecke.“ Nach dem Spiel ging es „auf die Piste“, wo der Bundesliga-Profi von gestern dann auch mal gern „bis nach fünf Uhr irgendwo versackt ist“.

Fischer vorm Tor aktiver als an der Trinkerfront

Erinnerungen, bei denen Klaus Fischer, der damals vor dem Tor wohl aktiver war als an der Trinker-Front, die Hände vors Gesicht schlug: „Jetzt erklärt sich mir auch, weshalb ich mit euch kein Deutscher Meister geworden bin!“ An Niederlagen gegen den Erzrivalen aus Dortmund kann die meisterschaftslose Zeit, zumindest dem Empfinden der Zwillingsbrüder Erwin und Helmut Kremer nach, nicht gelegen haben: „Gegen die haben wir nämlich meistens gewonnen. Und wenn nicht, dann war der Schiri schuld!“

Was sich in den Augen der Viererkette nicht geändert hat, sei das hohe Niveau des FC Bayern München: „Wenn Franz Beckenbauer und Gerd Müller vor deinem Strafraum ein Zusammenspiel aufbauen konnten, wusste sogar unser Busfahrer, dass die Hütte brennt! Das ist heute mit Spielern wie Arjen Robben ähnlich“, so Klaus Fischer.

Die Schalker bewiesen, dass sie nicht nur in ihrer Sportart Spezialisten sind, sondern auch in der Unterhaltung eines Publikums.

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