Schach

"Schach dem Virus" auch in der neuen SB Sauerland Online Arena

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In der Corona-Krise sitzen sich die Schachspieler nicht am Brett gegenüber - gespielt wird im Internet.

Kreisgebiet – Im Schachbezirk Sauerland hat die schachfreie Corona-Zeit ein Ende: Am Wochenende finden gleich zwei Online-Turniere statt. Damit folgen die Schachspieler der Region einem Trend.

Während weltweit der Sport innehielt, fand in Jekaterinburg in Russland noch bis zum Mittwoch das Kandidatenturnier im Schach statt, in dem acht Super-Großmeister den Herausforderer Weltmeister Magnus Carlsen ermitteln sollten. Das hat sich nun: Nach der Hinrunde hat die FIDE das Turnier unterbrochen – Russland macht die Grenzen dicht, die Super-Großmeister verließen quasi im Eiltempo das Land. 

Kein Schach mehr auf der Weltbühne, kein Schach in der Region. So ganz stimmt das natürlich nicht dieser Tage. Eigentlich das genaue Gegenteil der Fall. Schach wird gespielt, aber nicht mehr am Brett, sondern im Internet. Internet-Training und Internet-Turniere boomen. Auch die Schachspieler haben vielfach ganz viel Zeit in der Corona-Krise und den großen Vorteil, dass sie ihren Sport auch von zu Hause aus betreiben können. 

Der Schachbezirk Sauerland ist gewiss kein Vorreiter – und doch steht der nun auch vor einer Premiere: Am Wochenende bitten die Initiatoren Christian Midderhoff und Vasileios Lanaras von den SF Neuenrade alle interessierten Spieler des Bezirks in die „Schachbezirk Sauerland Online Arena“ ein, die auf dem Internet-Portal lichess.org frisch eröffnet worden ist. Am Samstag und am Sonntag finden gleich zwei Turniere statt, angesetzt jeweils auf zwei Stunden. Gesucht werden die ersten Online-Champions des Bezirks. 

Beim Schachverein Hemer war man schon am vergangenen Freitag so weit. Ebenfalls auf diesem Portal fand das erste Online-Turnier statt. Die Spielzeit wird bewusst nicht zu lang gewählt – zu lange Spielzeiten würden den Spielern daheim die Möglichkeit erhöhen, sich irgendwelcher Hilfsmittel zu bedienen. Beim Blitzen und Schnellschach ist die Gefahr kleiner – außerdem soll es einfach Spaß machen. Linda Becker, U14-NRW-Meisterin aus Plettenberg, war am Freitagabend beim Turnier des SV Hemer dabei und ließ am Montag direkt den Start bei der vierten und letzten Vorrunde der Deutschen Internet-Meisterschaft, die unter dem Dach des Deutschen Schachbundes auf dem Internet-Portal chessbase.de stattfindet, folgen. Da war natürlich „dabei sein“ alles – Platz 249 stand am Ende zu Buche. Nicht schlecht in einem Feld von 349 Spielern – ein neuer Rekordwert in der Geschichte der Titelkämpfe -, das Nationalspieler Matthias Blübaum vor mehr als 50 anderen Titelträgern gewann. 

Punkt fünf in der Anleitung: "Spaß haben"

Die Deutsche Internet-Meisterschaft begann am 10. März noch mit 177 Teilnehmern beim ersten Turnier. Seitdem stiegen die Zahlen. Der Deutsche Schachbund sammelt zudem andere Aktivitäten unter der Rubrik „Schach dem Virus“. Da gibt es eine hessische Quarantäne-Liga und einen bayrischen Internet-Grandprix. Und die Online-Arenen stehen in St. Pauli, Köln oder Freiburg. 

Und nun auch im Sauerland. Am Samstag um 17 Uhr steigt die Premiere: Bedenkzeit sieben Minuten plus drei Sekunden pro Zug in jeder Partie. Christian Midderhoff, der im Netz unter dem Namen „Chess-Terminator“ firmiert, weiß noch nicht, wie groß die Resonanz sein wird. Aber Potenzial dürfte das Angebot haben, auch in einem kleinen Bezirk wie dem heimischen. 

Am Sonntag folgt direkt das zweite Turnier. Startzeit: 15 Uhr, nun soll die Bedenkzeit 10 Minuten pro Spieler pro Partie betragen. Midderhoff erklärt in der Anleitung fünf Schritte, wie sich ein Schachspieler auf lichess.org anmelden kann und in die Sauerland-Arena findet. Wer den vierten Schritt geschafft hat, hat eigentlich alles erledigt, denn unter fünftens schreibt Midderhoff nur noch: „Spaß haben“. Zwei Worte, die schwierigen Zeiten trefflich zusammenfassen, worum es den Verantwortlichen geht. Wenigstens für 120 Minuten soll der Virus nicht die Hauptrolle im Leben spielen…

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