Tennis, Platzmann-Sauerland-Open

Sauerländer Regenwetter stellt die Tennisspieler auf eine Geduldsprobe

Grune Plane beim Tennis
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Der Regen als ungebetener Gast am Lüdenscheider Stadtpark: Am zweiten Tag der Platzmann-Sauerland-Open ging nach dem so sonnigen Auftakt am Sonntag fast nichts. Nur die vier letzten Einzel der Qualifikation gingen – mit viel Mühe – über die Bühne.

Am zweiten Tag der Platzmann-Sauerland-Open am Lüdenscheider Stadtpark ging fast nichts. Nach den Vormittagsspielen in der 2. Runde der Qualifikation bremste der Regen die Tennisspieler aus.

Lüdenscheid – Im Klubhaus des Lüdenscheider Tennisvereins von 1899, in dem sich noch am Sonntagnachmittag die VIPs, also die „besonders wichtigen Gäste“ der Turniertage der Platzmann-Sauerland-Open, zu einem Amuse Gueule oder einem kühlen Bierchen getroffen und von der sonnigen Terrasse auf den Centre-Court hinabgeschaut haben, herrscht am Montagnachmittag auch wieder reger Betrieb. Aber niemand schaut auf den Centre-Court, denn außer einer grünen Plane und einer digitalen Anzeigetafel, die mangels sportlicher Aktivitäten nur die Uhrzeit anzeigt, ist dort nichts zu bewundern.

Sportliche Appetithappen Fehlanzeige. Im Klubhaus sitzen nun die Turnier-Organisatoren und diskutieren, nebenan trinken die Ballkinder eine heiße Schokolade. Im Pavillon auf dem Platz, in dem sie eigentlich auf ihre Einsätze warten, ist ihnen merklich kalt geworden. VIPs gibt’s an diesem Nachmittag auf der Anlage ohnehin nicht – also sind die Ballkinder kurzfristig zur VIPs aufgestiegen...

Keine Frage: Der zweite Tag des ATP-Challenger-Turniers steht ihm Zeichen von echtem Lüdenscheider Wetter. Nichts geht. Am späten Vormittag finden noch drei Spiele der 2. Runde in der Qualifikation statt. Dann betreten um kurz vor 13 Uhr der Chilene Nicolas Jarry und der Slowake Lukas Klein den Centre-Court. Der 25-jährige Jarry ist der Enkel des chilenischen Tennisspielers Jaime Fillol und hat mal in Bastad ein ATP-Turnier gewonnen.

Sauerländer Regenwetter stellt die Tennisspieler auf eine harte Geduldsprobe

Das war im Sommer 2019. 38. der Weltrangliste war er damals, doch Anfang 2020 bremste ein positiver Doping-Test den chilenischen Daviscup-Spieler aus. Nun ist er als Nummer 263 der Weltrangliste nach Lüdenscheid gekommen. Jarry trägt am Stadtpark Mundschutz und Stirnband, als er auf den Centre-Court kommt, sein slowakischer Gegner auch. Doch noch vor dem ersten Ballwechsel beim Aufwärmen öffnet der Himmel die Schleusen. Erst sachte, dann immer heftiger. Bald verzieht sich statt der Wolken die Hoffnung, dass es schnell weitergehen könnte.

Dominik Mertgens, Anlagenwart des LTV 99 und in der Turnierwoche der „Hans Dampf in allen Gassen“ auf der Anlage am Stadtpark, zieht mit einem Helfer die grüne Plane über den Platz, Jarry und Klein ziehen sich derweil wieder in die Tennishalle zurück. Hier verbringen die Tennisprofis den Tag. Die Halle ist dafür mit Ruhebereichen und auch Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben (Kicker, Flipper, Dart) ausgestattet worden. Hier ist die ATP-Challenger-Familie unter sich.

André Begemann trifft viele gute Bekannte

André Begemann zieht es nicht in die Tennishalle, er schlägt im Klubhaus auf. Begemann will „Hallo“ sagen, mit Turnierdirektor Rogier Wassen verbindet den Lipperländer eine Freundschaft, auch mit Wassens langjährigem Trainer, Geert Quaedvlieg, der in Lüdenscheid als Co-Turnierdirektor immer dabei ist und sich nun sichtlich freut, Begemann zu sehen. Sowohl Wassen als auch Quaedvlieg haben Begemann auch mal auf der Tour gecoacht. Und als am Stadtpark die neue Tennishalle eröffnet worden ist im Jahr 2016, da ist Begemann gekommen und hat gegen Wassen ein Showmatch gespielt. Gerne hat er das gemacht.

André Begemann (rechts, hier mit Geert Quaedvlieg) hat eine besondere Beziehung zur Anlage am Stadtpark.

„Hier in Lüdenscheid habe ich auch mein erstes Senioren-Mannschaftsspiel in der Oberliga bestreiten dürfen“, erzählt Begemann im Klubhaus am Rande, „wir waren damals mit Lemgo hier beim LTV 99 zu Gast, und ich durfte im Doppel mitspielen…“ So etwas vergisst man nicht. Begemann hat bald für Lemgo nicht nur im Doppel gespielt, sondern wurde schnell die Nummer eins des Herrenteams. Und dann ist er Profi geworden. In seiner Vita stehen vier Turniersiege auf der ATP-Tour im Doppel, dazu 26 Doppeltitel auf der ATP-Challenger-Tour. Er hat für Deutschland im Daviscup gespielt und war mal die Nummer 36 in der Doppel-Weltrangliste. In Lüdenscheid will er nun gemeinsam mit dem Franzosen Albano Olivetti um den Turniersieg mitspielen. Mit Olivetti hat er im November 2020 in St. Ulrich in Gröden (Italien) das ATP-Challenger-Turnier gewonnen.

Der Regen am Stadtpark bleibt ein lästiger Gast an diesem Nachmittag. „Wahrscheinlich erst am Mittwoch“, sagt Begemann, als er auf seinen ersten Turniereinsatz angesprochen wird. Der Blick aus dem Fenster nährt keine Hoffnungen, dass es im Turnierplan am zweiten Tag große Fortschritte geben wird. Also dürfte sich alles ein Stück weit verzögern.

Macaluso muss bei der Planung improvisieren

Auch der Turniereinstand von Mischa Zverev für den Montagabend ist gedanklich früh vom Tisch. Zverev hat am Mittag auf einem Nebenplatz ein paar Ballwechsel gespielt und ein bisschen mit den Lüdenscheider Tennisfans geplauscht. Er ist am Montag eigentlich für das vierte und letzte Match auf dem Centre-Court vorgesehen, doch um 15 Uhr hat nicht einmal das zweite begonnen. Zverev, der wie Begemann auch schon für Deutschland im Daviscup gespielt hat und zuletzt in Tokio als Eurosport-Co-Kommetator den Olympiasieg seines jüngeren Bruders Sascha live erleben durfte, zieht sich ins Mercure-Hotel zurück. Ein bisschen Ruhe. Bei Lüdenscheider Regenwetter verpasst er nichts.

So gut haben es Mino Macaluso und Ion Geanta nicht. Der Sportwart des LTV 99 plant gemeinsam mit dem Tennis-Urgestein aus Rumänien die Einsätze der Stuhlschiedsrichter und Linienrichter bei den Sauerland-Open. Geanta (71) hat lange Hendrik Dreekmann trainiert und inzwischen eine Tennis-Academy in Gladbeck. Er bringt viel Erfahrung von den Gerry-Weber-Open in Halle/Westfalen mit, die praktische Koordination aber überlässt er dann doch Macaluso, der gerade für den geplanten früheren Beginn am Dienstag die entsprechenden Linienrichter besorgen muss, und Ballkinder natürlich auch. Das Wetter ist an diesem Tag nicht nur kein Freund der Profis, auch die ehrenamtlichen Helfer leiden darunter, sind ganz besonders gefordert.

„Es sind 20 Linienrichter in dieser Woche im Einsatz, 18 brauchen wir an jedem Tag. 13 davon hat der DTSV, also der Deutsche Tennis-Schiedsrichter-Verband gestellt. Das sind Leute, die kennen sich alle schon von vielen Turnieren. Manche touren das ganze Jahr wie die Spieler durch die Welt und verdienen sich so ihren Lebensunterhalt“, sagt Macaluso, der in der Turnierwoche trotz der DTSV-Spezialisten hier und da improvisieren muss. Auch er hat sich als „lokaler Linienrichter“ zur Verfügung gestellt, ebenso wie Moritz Winter. Am Dienstag kommt vom LTV 99 auch noch Tim Schiepek dazu.

Isabell Seefried als leitende Stuhlschiedsrichterin

Pro Einzel sind drei Linienrichter und dazu ein Stuhlschiedsrichter im Einsatz. Wobei es am Stadtpark eine leitende Stuhlschiedsrichterin gibt. Isabell Seefried ist seit 2019 als „German Female Officiating Ambassador“ Ansprechpartnerin für das deutsche Schiedsrichterwesen. Sie tourt durch die Welt, ist Trägerin des „Silver Badge“, der zweithöchsten Auszeichnung im Schiedsrichterwesen der Tenniswelt.

Seefried trifft erst am Montag in der Bergstadt ein. Am Sonntag noch hat die Dame aus Baiersbronn, die schon einmal in Paris bei einem French-Open-Match zwischen David Ferrer und Jaime Munar viereinhalb Stunden auf dem Stuhl gesessen hat, als Schiedsrichterin das Finale des ATP-Challenger-Turniers in Meerbusch zwischen dem Chilenen Barrios und dem Argentinier Cerundolo geleitet. Cerundolo verlor, nun ist auch er wie Seefried in Lüdenscheid eingetroffen und wundert sich über den Regen, der nicht aufhören will. Daran ändert sich bis zum Abend nichts. Nach 18 Uhr hört es kurz auf, nieselt nur noch leicht und klart später auf. So versuchen die Organisatoren, zumindest noch die allerletzte Partie der Qualifikation zwischen Nick Hardt und Filip Cristian Jianu irgendwie über die Bühne zu bringen.

Es gelingt nicht ganz – nach fast zwei Stunden muss das Match im dritten Satz wegen einbrechender Dunkelheit abgebrochen werden. So lässt der zweite Tag die Verantwortlichen mit der Erkenntnis zurück, dass sich die Open auf dem Weg zu einem großen Finale am Sonntag viele Tage wie diesen nicht erlauben können. Nicht nur, weil die Bratwürstchen, Steaks, Champignons und Bratkartoffeln am Grillstand keine Abnehmer finden.

Die Ergebnisse vom Montag und die Ansetzungen für den Dienstag

Qualifikation, 2. Runde: Javier Barranco Cosano (Spanien) – Jonas Forejtek (Tschechien) 6:1, 7:6; Matteo Martineau (Frankreich) – Dayne Kelly (Australien) 6:2, 6:3; Genaro Alberto Olivieri (Argentinien) – Bogdan Bobrov 6:1, 6:2; Nick Hardt (Dominikanische Republik) – Filip Cristian Jianu (Rumänien) 3:6, 6:1, 2:4, Abbruch wegen einsetzender Dunkelheit

Am Dienstag hoffen die Veranstalter auf besseres Wetter. Sollte sich dies einstellen, dann geht es bereits ab 10 Uhr auf vier Plätzen zur Sache. Dann dürfte es ein langer Tennistag am Stadtpark werden. TM

Der Turnierplan der Sauerland-Open für den Dienstag

Centre-Court: 10 Uhr: Julian Lenz (Deutschland) – Shintaro Mochizuki (Japan); anschließend: Pablo Andujar (Spanien/1) – Mirza Basic (Bosnien); anschließend: Mischa Zverev (Deutschland) – Julien Cagnina (Belgien); anschließend (nicht vor 17 Uhr): Daniel Altmaier (Deutschland) – Qualifikant

Court 7: 10 Uhr: Jelle Sels (Niederlande) – Constant Lestienne (Frankreich/9); anschließend Nick Hardt (Dominikanische Republik) – Filip Cristian Jianu (Rumänien); anschließend: Nicolas Jarry (Chile) – Lukas Klein (Slowakei); anschließend: Robin Haase (Deutschland/8) – Roberto Cid Subervi (Dominikanische Republik); anschließend Rudi Molleker (Deutschland) – Qualifikant

Court 3: 10 Uhr: Adrian Menendez-Maceiras (Spanien) – Roman Safiullin (Russland/7); anschließend Roberto Caballes Baena (Spanien/3) – Nicolas Kicker (Argentinien); anschließend Camillo Ugo Carabelli (Spanien) – Pedro Martinez (Spanien/2); anschließend Marvin Möller (Deutschland) – Qualifikant

Court 1: 10 Uhr: Tristan Lamasine (Frankreich) – Evgeny Karlovskiy (Russland); anschließend Duje Ajdukovic (Kroatien) – Evan Furness (Frankreich); anschließend Juan Manuel Cerundolo (Argentinien/6) – Michael Vrbensky (Tschechien); anschließend Facundo Mena (Argentinien) – Qualifikant

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