MZV-Serie: Übungsleiter der Woche

„Jeder, der nicht aufgibt, ist ein Sieger“

Sarah Töper (rechts) trainiert die F-Jugend der SGSH Dragons.

Schalksmühle - Trainer und Übungsleiter im Sport: Auf der einen Seite sind da die „Profis“, die in der Bundesliga oder bei Olympia im Rampenlicht stehen und viel Geld verdienen. Auf der anderen Seite gibt es im Sport aber auch unzählige Trainer und Übungsleiter, die ehrenamtlich oder für eine kleine Aufwands-Entschädigung in der Halle oder auf dem Sportplatz stehen.

Handball ist ihre absolute Leidenschaft. Doch nicht nur als Aktive. Seit einigen Jahren hat Sarah Töper das Traineramt für sich entdeckt und spricht im Interview mit Kevin Herzog über ihre Tätigkeit. 

Eigener Wunsch oder die Überredungskunst eines anderen? Was ist der Antrieb für Ihre Übungsleiter-Tätigkeit? Wie sind Sie dazu gekommen? 

Ganz klar eigener Wunsch! Berufsbedingt kenne ich die Arbeit mit Kindern. Dies mit meinem Hobby Handball vereinen zu können und dabei noch die Vereinsarbeit zu unterstützen, ist einfach toll. Viele Vereine haben Probleme Übungsleiter zu finden und dementsprechend hochwertige und ausreichende Bewegungsangebote zu schaffen. Dies ist gerade in Bezug auf die sportliche und koordinative Entwicklung der Kinder im Zeitalter von digitalen Medien ein großes Problem. Dass die Kinder sich bewegen und die Umgangsformen im Mannschaftssport erlernen, ist unabdingbar, und dazu einen kleinen Beitrag leisten zu können, macht Freude. 

Der Faktor Zeit spielt für viele Menschen eine entscheidende Rolle. Viele haben keine Zeit für eine Übungsleiter-Tätigkeit. Wieviel Zeit investieren Sie pro Woche? Und: Wie geht das Umfeld damit um? Gibt es Kritik? 

Mit Vor- und Nachbereitung, kommunikativen Aufgaben und den Einheiten und Spielfesten an sich, komme ich im Durchschnitt auf drei Stunden Arbeit in der Woche, was völlig in Ordnung ist. Kritik war ich deswegen noch nicht ausgesetzt. Klar ist es schade, wenn man an einem Sonntag nicht mit der Familie zum Brunch kann, aber die Überschneidungen halten sich in Grenzen. 

Stichwort Ziele: Geht es Ihnen um konkrete sportliche Ziele bei der Arbeit als Übungsleiter oder eher um gesellige Aspekte?

Die Mischung macht es. Gerade bei der Arbeit mit kleinen Kindern steht der Spaß und die Begeisterung für den Sport im Vordergrund. Dennoch machen ja vor allem Fortschritte und Siege Spaß. Siege müssen allerdings nicht immer gegen andere Mannschaften eingefahren werden. Oft genug geht es dabei einfach darum, etwas besser oder länger zu können, als noch in der Woche davor. Jeder, der nicht aufgibt, ist ein Sieger. Wenn das klappt, dann motiviert dies die Kinder und natürlich auch mich als Übungsleiterin. Allerdings ist auch die Auseinandersetzung mit Misserfolg eine wichtige Lektion für die Kindern und den Übungsleiter. Jeder stößt an seine Grenzen, egal ob körperlich bei den Sportlerinnen und Sportlern oder in meinem Fall didaktisch. Auch damit muss man umgehen können. 

Stichwort Selbstkritik: Als Trainer bzw. Übungsleiter beurteilen Sie Ihre Schützlinge, üben Kritik, um sie zu verbessern. Wenn Sie auf sich selbst schauen, was gibt es denn da zu kritisieren und zu verbessern? 

Das schöne an der Arbeit mit Kindern ist, dass diese schrecklich ehrlich sind. Gefällt ihnen eine Übung nicht, ist sie zu schwer oder auch zu leicht, sagen meine Schützlinge mir dies ganz unverblümt. Dieses ehrliche Feedback erleichtert einem nach einem kurzen Schlucken die Arbeit extrem. An mir selbst würde ich vor allem meine Geduld verbessern wollen. Jeder Sportler und jede Sportlerin braucht eine andere Zeitspanne, um ein Ziel zu erreichen. Sich einfach die Zeit zu nehmen, bis auch das letzte Kind in einer Gruppe von 20 Kindern, mit einer großen Altersspanne von fünf bis neun Jahren die Übung richtig macht, das fällt mir manchmal noch schwer. Aber genau wie die Kinder lernt man als Übungsleiterin in jeder Trainingseinheit etwas dazu. 

Stichwort Coronavirus: Was machen Sie mit der aktuell ungewohnten Freizeit? 

Die viele Freizeit im Moment nutze ich vor allem, um selbst aktiv Sport in der Natur zu treiben. Außerdem probiere ich neue Rezepte aus, die meine Schützlinge sicherlich probieren dürfen, wenn wir uns endlich wiedersehen können. Zudem hat man viel Zeit, um sich weiterzubilden. Ich lese viele Artikel und Zeitschriften zum Thema Bildung, Pädagogik und Handballtraining. Und natürlich nutze ich auch das schöne Wetter, setze mich in die Sonne und genieße die ungewohnte Ruhe.

Sarah Töper, vielen Dank für das Gespräch!

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