Saltos in 3 500 Meter Höhe

Die Küste und den Gleitschirm zur gleichen Zeit im Blick: Der Gleitschirmakrobat Marcel Nölle hat keine Höhenangst. In bis zu 3 500 Metern Höhe absolviert der gebürtige Lüdenscheider seine Kunststücke. Mit einer Actionkamera hält er alles im Bild fest.

Lüdenscheid - „Das Fliegen ist mein Leben. Da oben fühlt man sich frei und kann vom Alltag abschalten“, schwärmt Marcel Nölle mit strahlenden Augen. Der gebürtige Lüdenscheider kommt gerade aus dem türkischen Antalya. Dort war er für einen Tagestrip, um seinem großen Hobby nachzugehen: der Gleitschirmakrobatik.

Vor fünf Jahren entwickelte er die Liebe zum Fliegen. „Erste Erfahrungen habe ich mit dem Segelflug, kurze Zeit später mit dem Motorflug gemacht“ erinnert sich der 18-Jährige. Vor zwei Jahren saß er dann erstmals im sogenannten „Gurtzeug“ – dem Sitz, der den Piloten mit dem Gleitschirm verbindet. Innerhalb von zwei Wochen absolvierte er die Ausbildung zum A-Gleitschirm-Schein. Er erlaubt es ihm, rund um den Globus mit dem Gleitschirm in die Höhe zu steigen.

Video: Marcel Nölle in Aktion

Ölüdeniz April 2015 high altitude

Ölüdeniz April 2015 high altitude

Posted by Marcel Nölle on Samstag, 9. Mai 2015

Nach zwölfmonatiger Erfahrungssammlung im „normalen“ Gleitschirmflug fand er im vergangenen Jahr mit dem Acro-Flug seine luftige Bestimmung. „Acro ist die Abkürzung für Akrobatik“, erklärt Marcel Nölle. Beim „Helico“ dreht er sich wie der Rotor eines Hubschraubers um die eigene Achse, beim „SAT“ wird eine Art Steilspirale geflogen, bei der sich aber der Drehpunkt der Flugbahn zwischen Pilot und Gleitschirm befindet.

Der Schirm fliegt weiter vorwärts, während sich der Pilot rückwärts im Kreis bewegt. „Da wirken Kräfte bis zu 6G auf den eigenen Körper.“ Dies entspricht dem sechsfachen der Kraft des eigenen Körpergewichts. „Das ist zwar extrem, aber noch nicht unangenehm“, so der Sportler.

Eine spezielle Ausbildung zum Gleitschirmakrobaten musste der Wahl-Düsseldorfer nicht absolvieren: „Man muss einfach solange üben, bis eine Figur klappt.“ Dafür reist er regelmäßig durch die Welt und steigt bevorzugt in Küstengebieten in bis zu 3 500 Meter Höhe.

Flying Dune

Posted by Marcel Nölle on Dienstag, 14. Oktober 2014

Aber auch die Heimat bietet traumhafte Kulissen: „In Herscheid an der Nordhelle kann man super starten. Im Hochsauerland kann man sich auch problemlos mit der Winde in den Himmel ziehen lassen.“ Auch die Alpenregion in Süddeutschland sei „sehr zu empfehlen“. Im vergangenen Jahr sei er zwischen zehn und 15 Mal mit dem Gleitschirm im Ausland gewesen.

Aber auch beruflich steigt er regelmäßig über die Wolken. Der 18-Jährige ist Techniker bei der Fluggesellschaft Air Berlin in Düsseldorf. „Die beruflichen Auslandsaufenthalte dauern bis zu einer Woche. Zum Gleitschirmfliegen kann ich diese Zeit jedoch nicht nutzen“, schmunzelt er.

Gleitschirmfliegen – Ein Sport für jedermann

In Nölles Augen sei die Gleitschirmflieger-Szene weltweit noch sehr klein, der Sport noch zu unbekannt. „Dabei kann man die Lizenz in nur zwei Wochen erlangen. Kostenmäßig ist mein Hobby wohl etwas günstiger als Motorradfahren. Für weniger Geld kommt man nicht in die Luft.“ Neben den einzigartigen Panoramen schwärmt der junge Flugkünstler vor allem vom lockeren Umgang unter den Gleitschirmfliegern: „Wenn man in ein neues Fluggebiet kommt, lernt man sofort neue Leute kennen, mit denen man einfach direkt auf einer Wellenlänge liegt. Man ist schnell ein fester Teil der Szene.“ Allein bleibe man mit diesem Sport auf gar keinen Fall, egal wo man ihn betreibt. Mit seiner Leidenschaft habe der 18-Jährige sogar bereits Freunde und Arbeitskollegen „infiziert“.

Herrscht gerade einmal kein Wind und Marcel Nölle ist nicht mit der Technik einer Air-Berlin-Maschine beschäftigt, ist er sportlich auf dem Wasser aktiv: „Beim Kitesurfen kann ich einige Elemente aus dem Gleitschirmflug einbringen.“ Eines kommt bei ihm jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit nicht auf – Langeweile am Boden.

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