Nattenberg-Stadion

Scharfe Kritik am Bautz-Festival: "Sport nur noch Nebensache..."

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Tausende feierten beim Bautz-Festival am Nattenberg. Das hinterließ Spuren.

Lüdenscheid – Bautz und die Sportvereine im Nattenberg-Stadion: Während Lüdenscheid das Musikfestival feierte, sind die Vereine, die im Stadion zu Hause sind, mit der Nachbereitung der entstandenden Schäden gar nicht zufrieden.

Am Montagabend nutzte der Vorstandssprecher von Rot-Weiß Lüdenscheid, Michael Dregger, die Jahreshauptversammlung des Vereins, um klare Töne anzuschlagen. Seine Kritik geht nicht an den Veranstalter, wohl aber an die Stadt Lüdenscheid. Es geht unter anderem um die entstandenen Schäden.

„Wir arbeiten eng mit den anderen Nutzern des Stadions aus dem Sportbereich zusammen. Wir tauschen uns aus und versuchen, mit einer Stimme zu sprechen. Wir haben immer gesagt, dass es keinem darum geht, Veranstaltungen im Stadion zu verhindern. Aber wenn das Gefühl aufkommt, dass Sport nur noch zur Nebensache wird, dann sind wir verpflichtet, unsere Interessen zu vertreten. Und nichts anderes machen wir“, stellte Dregger eingangs seiner Rede fest. 

Das sagt Michael Dregger:

Zum Veranstalter: „ Wir können dem Veranstalter nicht vorwerfen, dass er versucht, seine Interessen zu vertreten und durchzusetzen. Aber wir können von der Verwaltung erwarten, dass sie alle Interessen würdigt. Und vor allem sollten wir erwarten können, dass die Sportstätte so erhalten bleibt, dass der Sportbetrieb weiter gewährleistet ist.“

Michael Dregger übte Kritik an Rat und Verwaltung der Stadt.

Zu den Rücklagen: „Wir haben immer gesagt, dass die Sportflächen geschützt werden müssen. Das wurde für das vergangene Festival weitestgehend versprochen. Von Rücklagen war die Rede. Diese Rücklagen gibt es nicht. Dank des guten Wetters ist der Rasen nur durch die LKW-Fahrspur in Mitleidenschaft gezogen. Aber eine kurzfristige Instandsetzung hat nicht stattgefunden. Im November wurde Gras gesät, um die Flächen wieder aufzuforsten. Das wird aber bis ins Frühjahr brauchen. Das kann so nicht sein. Der Rasen ist über Monate nicht vollständig nutzbar. Für das kommende Festival haben wir weitere Maßnahmen gefordert. Ein Schutz der Rasenfläche wird aus Kostengründen nicht dabei sein.“

Zur Terminfindung für 2020: „Die Terminfindung für das Festival 2020 war wieder eine spannende Angelegenheit. In einem ersten Termin haben wir den Rahmenterminplan vorlegen können. Am 16. August 2020 wird der überkreisliche Spielbetrieb beginnen. Bereits kurz nach dem Festival wurde in der Zeitung der 29. August als neuer Termin genannt. Dieser wurde jedoch von den Veranstaltern nicht bestätigt. Ganz im Gegenteil. Wir bekamen die Aussage, dass zu dem Zeitpunkt noch kein Gespräch hierüber stattgefunden habe. Dies wurde sogar schriftlich versichert. Es ist nur schlecht, wenn aus dem Umfeld der Veranstalter einzelne schon vor den Gesprächen diesen Termin im Freundeskreis ausplaudern oder mit Agenturen Kontakt aufnehmen. ... Derzeit sind wir uns nicht mehr sicher, an welcher Stelle nun die Entscheidungen zur Nutzung der Anlagen der Stadt Lüdenscheid getroffen werden. Die Sportverwaltung ist aus sportlichen Gründen kein Befürworter des Veranstaltungsortes. Die Gespräche über die Termine wurden ohne Anwesenheit der Stadt Lüdenscheid geführt. ... 

Ein schwieriges Unterfangen scheinen die terminlichen Abstimmungen zu sein. Und gerade dies ist bei größeren Schäden unerlässlich. Wir empfehlen, bereits vorhandene Schäden festzuhalten, um den Verursacher im Nachgang auch haftbar machen zu können. Auch wäre eine schriftliche Vereinbarung zur zeitlichen und sachlichen Vorgehensweise bei Schäden empfehlenswert. Beispielsweise wurden einige Instandsetzungen erst in den letzten 14 Tagen angegangen. Geforderte Rückbauten sind noch nicht erfolgt. Und so kam es dann zum abschließenden Gespräch zwischen der LSM und uns. Es wurde verkündet, dass auch ein Kompromissvorschlag unsererseits nicht möglich sei, da man sonst einen bestimmten Künstler nicht verpflichten könne. Wir haben – dieser Not gehorchend – den Termin hingenommen, und zwei Bedingungen formuliert. Der Rasen wird abgedeckt und geschützt und künftige Festivals müssen vor dem Beginn der Meisterschaften im Jugendspielbetrieb stattgefunden haben.

Bautz 2021 am 21. und 22. August

Die LSM hat bestätigt, dass das Musikfestival „Bautz“ in 2021 am 21./22. August stattfinden wird, um die Interessen des Jugendsports zu unterstützen. Zitat: ‘Ich habe damit kein Problem, da ja auch noch nichts gemacht wurde und genügend Vorlauf ist.’ So der Geschäftsführer der LSM im Gespräch. Für die zukünftigen Veranstaltungen kann dies noch nicht festgelegt werden. Wir werden dazu jedoch am Ball bleiben. Wir nehmen dies bereits jetzt wohlwollend zur Kenntnis.“

Zu den Kosten: „Die LSM hat klar verkündet, dass sie die Abdeckung finanziell nicht leisten kann. Es bestand aber Einigkeit, dass wir unsererseits weiter darauf bestehen werden. Am Schluss gibt es eine Instanz, die die Verantwortung trägt: die Verwaltung mit der Politik. Diese muss entscheiden, in welcher Form Veranstaltungen stattfinden. Diese sind es später schließlich auch, die die Gelder für eine Instandsetzung freigeben müssen. Und die können – im Extremfall – auch sehr hoch sein. Von vielen Seiten hört man derzeit unterschiedliche Dinge. Es wird berichtet, die Politik und Verwaltung hätten alle Zahlen vorliegen. Aus der Politik hört man das Gegenteil. Die eine Seite sagt, die Flächen können aus Kostengründen nicht ausreichend geschützt werden. Aus der Politik hört man, dass das nicht bekannt sei und man vom Gegenteil ausgehe.“

Zu einem entgangenen Spiel: „Wichtig auch die Erkenntnis: ‘Der Rasen muss immer so in Schuss sein, dass jederzeit größere Spiele ausgetragen werden können.’ Im November haben wir ein U15- Nationalmannschaftsspiel absagen müssen. Uns lag eine telefonische Voranfrage des DFB vor.“

Zu Rat und Verwaltung: „Es entsteht der Eindruck, dass sich die Verantwortlichen in Rat und Verwaltung hier wegducken. Es ist wichtig, dass alle Verantwortlichen wissen, welches Risiko eingegangen wird. Wir wollen eins vermeiden: Sollte es zu größeren Schäden als bisher – und die hat es gegeben wie beispielsweise bei Flutlicht und Laufbahn – kommen, soll sich später keiner mehr rausreden können mit ‘Das habe ich nicht gewusst.’ Ein Satz, der in diesem Zusammenhang in den letzten Monaten häufiger zu hören gewesen ist.“

Zum Stadion: „Das Stadion wird scheinbar sein Aussehen stark verändern. Es wird geprüft, das Marathontor einschließlich der Naturtribüne auf der Gegengerade zu entfernen, um so eine größere Fläche für Fluchtwege und Bühne zu schaffen. Natürlich verändert das das gewohnte Bild. Wir glauben aber, dass dies ein Kompromiss sein kann, der dem Sport hilft. Entsteht dort eine tragfähige Fläche, könnte bei möglichen Großereignissen dort eine mobile Tribüne aufgebaut werden. Auch würde dann eine Belastung der Sportflächen durch den Schwerlastverkehr nicht mehr entstehen. Das ist ein guter Gedanke und wäre selbstverständlich zu begrüßen und im Sinne des Sports.

Eine Stadionmauer in den Farben der Stadt

Die Folge wäre jedoch auch, dass es Veränderungen am Eingangsbereich geben müsste. So steht beispielsweise eine Mauer zur Disposition. Sicher auch nicht schlimm, wenn das Loch dann fachmännisch mit einem richtigen Zaun oder Tor geschlossen wird. Die Gesamtmaßnahme soll nicht ganz kostengünstig sein. So dass dem Vernehmen nach zusätzliche Mittel zu den bereits genehmigten, diesmal jedoch aus dem Schul- und Sportetat, herangezogen werden könnten. Dies wäre eine dauerhafte Maßnahme und sicher günstiger als die vollständige Erneuerung der Sportflächen.

Bereits vor ca. zwei Jahren haben wir bei der Stadt angefragt, die Mauer in Stadtfarben zu streichen. Gerade nach dem Festival sehen wir einen Anstrich als sehr dringlich an. Wir haben daher in diesem Jahr kurz nach dem Festival eine Anfrage gestartet mit dem Angebot, nicht nur den Anstrich, sondern auch die Pflege für fünf Jahre kostenfrei für die Stadt zu übernehmen. Dies wurde nun letzte Woche abgelehnt, da es sich um eine Werbefläche handelt, die dem Festival- Veranstalter wieder zur Verfügung gestellt werden soll. Dies lässt uns die Stirn runzeln, wenn wir die Überlegungen über einen möglichen Abriss hinzuziehen.“

Zu Spielen auf Naturrasen: „Mit dem Bau des Kunstrasenplatzes haben wir gemeinsam mit dem Sportamt entschieden, unsere Spiele in der Bezirksliga zunächst nur noch auf dem Kunstrasen auszutragen. In den Zeiten knapper Kassen haben wir gemeinsam nach einer Lösung gesucht, die Stadtkasse zu entlasten. Wir haben den Platz also nicht verschmäht, sondern unseren Beitrag zur Kosteneinsparung geleistet. Dass dieses von einzelnen Personen nun verzerrt dargestellt wird, verwundert. Der Rasen wird durch neue Sportarten und den Ausbau auch unseres Jugendbereiches intensiver genutzt, so dass der Pflegeaufwand grundsätzlich erhöht werden muss. Auch haben wir Vorschläge unterbreitet – beispielsweise die Anschaffung von Rasenrobotern –, den Kostenaufwand bei besserer Beschaffenheit des Untergrundes eventuell sogar noch senken zu können. Daher wollen wir dem Wunsch vieler Mitglieder und Freunde entsprechen und versuchen, so viele Heimspiele der 1. Mannschaft wie möglich auf dem Naturrasen auszutragen.“

Zu Kunstrasen-Sorgen: „Unsere größte Sorge gilt allerdings dem Kunstrasenplatz. Wir hatten Glück, dass beim diesjährigen Festival nichts passiert ist. Wenn dieser den Belastungen nicht standhalten würde, käme das einer Katastrophe gleich. Die Kunstrasenplätze in Lüdenscheid sind derzeit zu 90 Prozent ausgelastet. Wo sollen denn unsere Mannschaften dann untergebracht werden? Selbstverständlich haben wir die Frage gestellt, wie das denn geregelt würde. Im Vorfeld wurde berichtet, darüber wären alle informiert. Unsere aktuelle Rückfrage ergab jedoch, dass sich bis heute keiner Gedanken darüber gemacht hat, was denn dann wohl wäre. Wir halten zumindest einen Notfallplan bzw. die Einbeziehung eines solchen in die Überlegungen für unerlässlich. Es hat uns erschrocken, dass scheinbar darüber bis jetzt nicht nachgedacht wurde.“

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