Fußball

RWL-Retro: Klaus Eick mehr als 20 Jahre eine Konstante

RWL-Funktionäre auf der Bank
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Skeptische Gesichter auf der Bank der Lüdenscheider Rot-Weißen (von links): Klaus Eick, Trainer Günter Luttrop, Dr. Wietfeld und Paul Scheermann.

Die Saison 80/81 war die vierte und zugleich letzte Zweitliga-Saison für die Fußballer von Rot-Weiß Lüdenscheid.

Lüdenscheid – Mehr als ein Dutzend Trainer kamen und gingen bei Rot-Weiß Lüdenscheid von 1978 bis 2000, dazu Hunderte von Spielern. Doch eine Konstante in diesem Zeitraum gab es bei den Bergstädtern: Klaus Eick. Der gebürtige Lüdenscheider fungierte als Fußball-Obmann, zu Zweitligazeiten offiziell als Lizenzspieler-Obmann.

Der heute 75-Jährige kam zum Fußball, wie es damals eben üblich war: „Von der Schule nach Hause, Mittagessen – und dann ab auf den Bolzplatz.“ Sein Talent, das gibt er unumwunden zu, hielt sich allerdings in den Grenzen: „Im Schülerbereich habe ich beim RSV Höh gekickt, das war es aber schon.“

Die Verbindung zum RSV Höh aber blieb bestehen, und als 1967 die damalige Geschäftsführerin zurücktrat, wurde nach dem Motto „Wer kann lesen und schreiben?“ ein Nachfolger gesucht. Klaus Eick sagte ja, trat damit im zarten Alter von 21 Jahren seinen ersten Job als Funktionär an. Das blieb er bis 1971, wurde nach der Fusion des RSV Höh mit den Sportfreunden 08 zu RW Lüdenscheid in diesem Jahr auch Geschäftsführer der Rot-Weißen.

RWL-Retro: Klaus Eick mehr als 20 Jahre eine Konstante

Ein Jahr später wurde das Nattenberg-Stadion mit einem Spiel gegen den SSV Hagen vor rund 10 000 Zuschauern eingeweiht, fußballerisch ging es Stück für Stück voran, ehe in der Saison 1976/77 der langersehnte Aufstieg in die 2. Liga gelang, woraufhin in der Stadt die Bürgersteige rot-weiß angemalt wurden.

„Eigentlich hätten wir schon ein Jahr vorher aufsteigen müssen“, denkt Eick an denkwürdige Spiele zurück. Ein 2:3 am letzten Spieltag gegen den SV Holzwickede, der dadurch nach Punkten mit RWL gleichzog, machte ein Entscheidungsspiel um die Staffelmeisterschaft nötig, und auch das gewann Holzwickede mit 3:2.

Aber wie gesagt, ein Jahr später war es so weit, Eick hingegen legte im Verlauf der ersten Zweitliga-Spielzeit sein Amt als Geschäftsführer aufgrund vereinsinterner Querelen nieder. Während dieser „Auszeit“ kümmerte er sich um die Belange der Reserve, begann mit dem Hausbau in Oberbrügge, wo er heute noch wohnt, ehe im Winter 1978 das Comeback folgte. „Es gab Diskussionen, ob die 2. Liga finanziell weiter machbar ist. Der damalige Vorstand sah das eher nicht so, auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung wurde jedoch gegen einen möglichen Rückzug votiert, woraufhin der Vorstand zurücktrat. Und die Nachfolger fragten mich dann, ob ich wieder einsteigen würde“, so Eick, der dies dann als Lizenzspieler- bzw. Fußball-Obmann auch tat – und es mehr als 20 Jahre bleiben sollte.

„Gerade die Zweitliga-Zeit bis Ende der Saison 80/81 war ungemein zeitintensiv“, hatte Eick neben seinem Beruf als Postbeamter quasi einen weiteren Fulltime-Job, „was aufgrund des großen Verständnisses meines Arbeitgebers aber auch möglich war.“ In Kürze: Wofür es heute Teammanager, Sportdirektoren, Scouts und Spieler-Datenbanken gibt, war Eick in Personalunion zuständig. Spieler verpflichten und verkaufen, Trainersuche, Hotelbuchungen, Organisation von Trainingslagern, Sponsorensuche und -pflege und und und – „die Tage damals“, so Eick, „waren prall gefüllt.“

Erzählen könnte er stundenlang, einige Geschichten aber bleiben unvergesslich. „Speziell waren zu damaligen DDR-Zeiten immer die Auswärtsspiele bei den Berliner Vereinen. Mit dem Bus nach Hannover, von dort mit dem Flieger nach Tempelhof, Spiel und Übernachtung und das Ganze retour, Das hatte schon was. Oder wenn ich an die Vorbereitung für die Saison 79/80 denke. Wir waren abgestiegen, hatten alle Planungen für die neue Oberliga-Saison abgeschlossen. Und dann erfahren wir im Autoradio auf dem Weg ins Trainingslager nach Bad Berleburg. dass Zweitligist Westfalia Herne nach dem ersten Spieltag aufgrund des Konkurses seines Hauptsponsors die Lizenz zurückgeben musste und wir nachrücken können. Unglaublich.“

 Insbesondere zu Zweitliga-Zeiten galt für uns als kleinem Verein unter vielen großen die Devise, möglichst günstig Spieler zu holen und möglichst teuer zu verkaufen.

Klaus Eick

Bezüglich Spielerverpflichtungen baute sich Eick ein umfassendes Netzwerk auf, galt irgendwann als „personifizierte Spieler-Datenbank“. „Denn insbesondere zu Zweitliga-Zeiten galt für uns als kleinem Verein unter vielen großen die Devise, möglichst günstig Spieler zu holen und möglichst teuer zu verkaufen. Und wenn es um Verträge ging, hat man Auge in Auge mit den Spielern zusammengesessen und hat es nicht wie heute nur noch mit deren Beratern zu tun.“

Gerne erinnert sich Eick auch an seinen ersten Kontakt mit dem 2019 verstorbenen Rudi Assauer. Der war 1979 Manager bei Werder Bremen, wollte mit Hans-Jürgen Offermanns Lüdenscheids besten Torschützen der Vorsaison (13 Treffer) verpflichten. „Es gab einen Schlüssel, wonach sich die Ablösesumme berechnen ließ. Wir sind auf 150 000 Mark gekommen, Assauer wollte nur 120 000 zahlen, sein zweites Angebot betrug gar nur noch 100 000. Letztlich hat das Sportgericht entschieden: RWL bekommt 140 000 Mark, dazu aus einem Ablösespiel garantierte weitere 10 000. Außerdem wurden die weiteren Einnahmen aus dem Spiel halbiert, sodass letztlich sogar mehr herausgekommen ist, als wir wollten.“ Was Eick auch damit sagen will: Die vermeintlichen großen Vereine versuchten zu dieser Zeit immer wieder mal, RWL über den Tisch zu ziehen.

Der aussichtslose Kampf um den Klassenerhalt in der Spielzeit 80/81 war dann schließlich der Schlussakkord von RWL in der 2. Liga, „auch weil wir finanziell einfach nicht mithalten konnten und an unsere Grenzen gestoßen sind. Vollprofitum wie bei vielen anderen Konkurrenten war hier einfach nicht möglich, bei uns hatten die Spieler eigentlich durchweg noch einen Beruf, haben dann nach Feierabend im Schnitt viermal pro Woche trainiert. Von daher waren vier Jahre Zweitliga-Fußball in Lüdenscheid schon eine tolle Sache, was damals auch von den Zuschauern honoriert wurde.“

Fortan waren Ober- undVerbandsliga bis 2006 das neue Zuhause von RWL, Eick selbst zog im Jahr 2000 auch noch als Folge des Steuerskandals von 1996 bei den Bergstädtern seinen persönlichen Schlussstrich als Fußball-Obmann. Heute ist er passionierter Jäger, nachdem er 2002 in Pension gegangen war. Den Weg von Rot-Weiß verfolgt er nichtsdestotrotz mit Herzblut und auch öfters direkt vor Ort weiter. Und dazu gehören auch immer noch viele Telefonate und Treffen mit ehemaligen Weggefährten.

Beachtliches 1:1 gegen Hannover 96 im drittletzten Zweitliga-Spiel

Es war ein Nachholspiel vom 25. Spieltag, das Rot-Weiß Lüdenscheid am 12. Mai 1981 bestritt. Zu Gast im Nattenberg-Stadion war an diesem Dienstagabend Hannover 96, für die Gastgeber war es zugleich das vorletzte Heimspiel sowie drittletztes Saisonspiel und drittletztes Zweitligaspiel ihrer Historie. Im Duell Tabellen-20. gegen den Rangfünften reichte es für die Bergstädter noch einmal zu einem Achtungserfolg – nach 90 Minuten hieß es 1:1. Vor nur noch 700 Besuchern im weiten Nattenberg-Rund brachte Uwe Helmes die Mannschaft von Trainer Günter Lutt-rop in Front (26.), ehe Norbert Bebensee nach gut einer Stunde für die Niedersachsen ausglich.

Gecoacht wurden die Gäste damals von Diethelm Ferner, der noch in den 1980er-Jahren zweimal beim FC Schalke 04 anheuerte, in der Folge fast durchweg in Zypern und im afrikanischen Raum tätig war. Im Tor stand Jürgen Rynio, vorne lehrte der damals noch nicht so bullige Dieter Schatzschneider die Gegenspieler das Fürchten. Beide Akteure halten bis heute noch Rekorde: Während „Schatz“ mit 154 Treffern noch immer Nummer eins in der ewigen Torschützenliste der 2. Liga ist, schaffte Rynio das zweifelhafte Kunststück, mit gleich fünf Vereinen aus der 1. Liga abzusteigen. Ku

Rot-Weiß Lüdenscheid – Hannover 96 1:1 (1:0)

RWL: Wegner – Busch, Oehler, Steinhauer, Alfes – Holtkamp, Wischniewski, Wrede, Helmes – Hadifar (60. Petkovic), Lopatenko – Trainer: Günter Luttrop

Hannover: Rynio – Scholz, Kleppinger, Anders, Bebensee – Winskowsky, Surmann, Mrosko, Kosien – Schatzschneider (42. Kinkeldey), Hayduk – Trainer: Diethelm Ferner

Schiedsrichter: Wuttke (Oberhausen)

Tore: 1:0 (26.) Helmes, 1:1 (61.) Bebensee

Zuschauer: 700

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