Fußball-Oberliga

RSV Meinerzhagen: Einnahmeverluste um die 15 Prozent

Fußballer im Zweikampf
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Das DFB-Pokal-Erstrundenspiel im September in Fürth – unser Bild zeigt Raphael Gräßer (l.) im Laufduell mit U21-Nationalspieler David Raum – bescherte dem RSV Meinerzhagen eine Brutto-Einnahme von rund 90 000 Euro.

Er ist das Fußball-Flaggschiff der Region und bewegt als ambitionierter Oberligist einen dementsprechend hohen Etat. Der Corona-Lockdown hat ihn zahlreiche Heimspiele und vor allem die daraus resultierenden Einnahmen gekostet – wie hart trifft den RSV Meinerzhagen in finanzieller Hinsicht das Pandemie-Jahr?

Meinerzhagen – Das zentrale Positivum verkündet er ziemlich zu Beginn des Gesprächs: „Liquide sind wir noch“, sagt Frank Lüttel. Der 63-Jährige ist beim RSV der Herr der Zahlen. In anderen Vereinen ist vom Schatzmeister oder Kassenwart die Rede, beim bald 100 Jahre alten Traditionsklub heißt das Amt etwas sperrig Vorsitzender des Finanzausschusses. Die Größenordnung der Gelder, die dieser bewegt, hat in der jüngeren Vergangenheit beträchtlich zugenommen; nach drei Aufstiegen in Folge spielt der RSV seit dem Sommer 2019 in der Oberliga, wo sich der jährliche Etat inzwischen auf etwa 500 000 Euro beläuft.

Fünf Wochen vor dem Jahresabschluss beziffert Frank Lüttel die Verluste des Vereins im Corona-Jahr 2020 auf „rund zehn bis 15 Prozent“. Einen großen Teil davon machen die Einnahmen aus, die dem Verein aufgrund ausgefallener Partien durch die Lappen gegangen sind. Elf Heimspiele der 1. Mannschaft fielen anno 2020 dem Lockdown zum Opfer – sieben in der vergangenen, vier in der momentan unterbrochenen aktuellen Saison. Legt man pro Spiel Einnahmen in Höhe von 3500 Euro zu Grunde, fehlen allein dadurch schon fast 40 000 Euro. Hinzu kommt: Bei den vier Heimauftritten des Oberliga-Teams im Sommer und im Herbst war die Zuschauerzahl Corona-bedingt auf 300 gedeckelt, und beim darin inbegriffenen Westfalenpokal-Halbfinale gegen den Regionalligisten SV Rödinghausen hätten die Meinerzhagener sicherlich eine Rekordkulisse generiert.

RSV Meinerzhagen: Einnahmeverluste um die 15 Prozent

Auf der anderen Seite laufen die Kosten unvermindert weiter, müssen die Zahlungen an Versicherungen, Verband und Berufsgenossenschaft weiterhin entrichtet werden. „Zwar besteht die Möglichkeit, Gelder zu stunden“, sagt Frank Lüttel, „aber bezahlen muss man letzten Endes ja so oder so.“

Mit dem zunehmenden sportlichen Erfolg hatte der RSV Meinerzhagen natürlich auf weitere Mehreinnahmen durch Sponsoring gesetzt. Dass diese in Corona-Zeiten jedoch ausblieben, liegt auf der Hand. Als umso erfreulicher bewertet es Finanzchef Lüttel daher, dass praktisch alle bisherigen Unterstützer dem Oberligisten treu geblieben sind, auch wenn der eine oder andere nicht umhin kam, sein Engagement etwas zu reduzieren.

Dass der RSV Meinerzhagen am Jahresende 2020 finanziell trotzdem noch recht gut dastehen wird, hat im Wesentlichen drei Gründe. So bescherte die Teilnahme an der 1. DFB-Pokal-Hauptrunde dem Verein rund 90 000 Euro, die sich steuerbedingt freilich noch um etwa 30 Prozent reduzieren werden. Zudem ist da die Bereitschaft der Oberligamannschaft, auf 30 Prozent des ursprünglich vereinbarten Gehalts zu verzichten – „durchgängig seit dem Frühjahr“, wie Frank Lüttel nochmals betont. Last but not least führt der Finanzausschussvorsitzende noch an, dass man an der Oststraße in den zurückliegenden sechs Jahren ganz einfach gut gewirtschaftet habe. Im Dezember 2014 hatten unter anderem der jetzige 1. Vorsitzende Dirk Rebein sowie Mehmet Aydin und eben Lüttel Vorstandsämter übernommen, und „seitdem ist es uns gelungen, ein kleines Polster aufzubauen, das uns jetzt zugute kommt“.

Corona beschäftigt uns seit März. Wir Sportvereine müssen erst einmal gucken, wie wir auf Dauer zurechtkommen

Frank Lüttel (RSV Meinerzhagen)

So positiv sich all das anhört, so weit sind die RSV-Verantwortlichen indes weit davon entfernt, Entwarnung zu geben. Den vielversprechenden Meldungen in Sachen Impfstoffentwicklung zum Trotz ist ein Ende der Pandemie schließlich noch nicht abzusehen. „Corona beschäftigt uns seit März. Wir Sportvereine müssen erst einmal gucken, wie wir auf Dauer zurechtkommen“, lautet Lüttels Schlusswort...

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