Inline-Skaterhockey

Zwei Highlander um den EM-Titel

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Mit der Nationalmannschaft zur Europameisterschaft in die Schweiz: Sven Rotheuler (links) und Jiri Svejda.

Lüdenscheid - Die Vorfreude ist riesengroß: Wenn Sven Rotheuler und Jiri Svejda am Donnerstag den Zug in Richtung Schweiz besteigen, dann ist es für die beiden Akteure der Highlander Lüdenscheid die bislang wohl größte Erlebnis ihrer Inline-Skaterhockey-Karriere: Die beiden „Schotten“ sind Teil der Deutschen Nationalmannschaft, die bis Sonntag bei der Europameisterschaft im schweizerischen Rossemaison um die erfolgreiche Titelverteidigung kämpft.

Für die beiden Highlander-Akteure ist es ein saisonaler Nachschlag der ganz besonderen Art. Der letzte „Höhepunkt“ war ein negativer, mit einer gehörigen Portion Frust wurde das Saison-Aus gegen die Crash Eagles Kaarst besiegelt. Svejda erhielt nach dem Spiel sogar noch die Rote Karte, wird den „Schotten“ in den ersten fünf (!) Begegnungen der kommenden Spielzeiten fehlen.

Internationaler Saisonnachschlag

Die Bundesliga-Spielzeit 2018, sie ist jedoch endgültig abgehakt, der Blick der beiden Highlander ist jetzt voll auf die EM in Rossemaison gerichtet. Um 8 Uhr setzt sich der Tross der Deutschen Nationalmannschaft vom Kölner Hauptbahnhof gen Schweiz in Bewegung. Um 19 Uhr beginnt die offizielle Eröffnungszeremonie, eine Stunde später folgt die Zusammenkunft der Teammanager.

Der Startschuss für das Deutsche Team im Forum Biwi, der erst 2016 fertiggestellten und eingeweihten Multisporthalle und sportlichen Heimat des SHC Rossemaison, fällt am Freitagmorgen um 9 Uhr: Dann trifft die Truppe um Kapitän Paul Fiedler (Duisburg Ducks) gleich zum EM-Auftakt auf die Ukraine. Um 14 Uhr folgt der Vergleich gegen Dänemark, bevor es am Samstag mit drei Duellen gegen Österreich (9.40 Uhr), Großbritannien (14.40 Uhr) und dem Mitfavoriten schlechthin, Gastgeber Schweiz (19.40 Uhr), in die Vollen geht.

Am Sonntag steigt die Endrunde, gegen 17.30 Uhr soll das erste Final-Bully fallen. Dann hoffentlich mit deutscher Beteiligung. „Alle sprechen nur über die Schweiz“, sagen Svejda und Rotheuler unisono, wenn sie nach dem härtesten Konkurrenten auf dem Weg zum Titel gefragt werden. Um alle hinter sich zu lassen, hat das Trainerteam um Chef-Trainerfuchs „Manni“ Schmitz die „Creme de la creme“, wie Rotheuler sagt, versammelt. Aber: „Es muss alles passen“, weiß Jiri Svejda, „der Trainer sagt immer‚ wir brauchen keine Topscorer, sondern eine Mannschaft.“

Sven Rotheuler ein Spätstarter

Gefühlsmäßig passt das Gefüge aber gut zusammen, „das sind alles gute Jungs“, so Rotheuler, der wie Svejda über das Tempo bei den Vorbereitungslehrgängen überrascht war. „Die wollen sehen, was du kannst.“ Der Goalie ist mit Daniel Schneider (Samurai Iserlohn) und Richard Steffen (Kaarst) Teil des Torhüter-Trios bei der EM. „Bei den Beiden wusste ich schon im ersten Lehrgang, dass sie dabei sein werden“, hat der Iserlohner allergrößten Respekt vor seinen beiden Goalie-Kollegen. Dass er selbst einmal dabei sein würde, damit „habe ich nie gerechnet.“

Trotz frühen Karrierebeginns in der Schülerklasse bei den Miners Oberhausen zählte für den 26-Jährigen lange Zeit nur der Eishockey-Sport, „Skaterhockey diente nur als Hobby, war da, um mich fit zu halten.“ Nach seiner Zeit in Oberhausen und einem Kurzzeit-Engagement in Iserlohn war es ausgerechnet Robert Simon, der „Eule“ mit zu den Highlandern Lüdenscheid zog. Doch auch unter dem damaligen Highlander-Coach, den er aus seiner Eishockey-Zeit in Unna kannte, „habe ich erst einmal gesessen. Robert hat mir aber immer gesagt: ‚Deine Zeit wird kommen‘.“ Simon sollte Recht behalten. Erst löste Rotheuler 2016-Europameister Mohr im Highlander-Tor, jetzt auch im Nationaltrikot ab.

Dabei war auch der Weg in die Nationalmannschaft für Rotheuler ein ungewöhnlicher. „Bis zum Duisburg-Spiel in dieser Saison hatte man mich gar nicht auf dem Schirm“, berichtet der äußerst umgängliche Ballfänger. Seine Trainer Lang und Fonso mussten schon große Überzeugungsarbeit leisten, bis Schmitz und Torwarttrainer Mario Säß aufmerksam wurden.

„Dreifachchance“ für Jiri Svejda

249 Spiele seit 2007, 471 Tore, 416 Assists – auf den ersten Blick mag die Nominierung von Highlander-Stürmer Jiri Svejda kaum verwundern. Dabei erhielt der inzwischen 33-Jährige erst 2016 die deutsche Staatsangehörigkeit – und hätte prompt seinen ersten EM-Titel feiern können. Svejda war schon für die Europameisterschaft vor zwei Jahren vorgesehen, musste aber wegen der Geburt seiner Tochter passen.

Jetzt also die nächste, die erste und wahrscheinlich auch die letzte Chance für Goalgetter, einen internationalen Titel zu feiern. Dabei schwingt beim Schalksmühler vor der EM-Teilnahme dennoch so etwas wie Wehmut mit. „Ich habe mir immer gewünscht, einmal mit Leuten wie Fettinger, den Weisheits, Neumann oder Linke zusammen zu spielen, weil ich immer nur gegen sie gespielt habe“, so Svejda. „Jetzt sind sie nicht mehr dabei, aber dafür ich.“

Gemeinsam mit Paul Fiedler bildet der gebürtige Tscheche eine Sturmreihe, komplettiert vom Krefelder Verteidiger-Gespann Dustin Diem und Max Zillen. Der Altersunterschied zu seinen mittlerweile viel jüngeren Kollegen ist dabei auch Svejda nicht entgangen, vor allem in Anbetracht des kurzen Spieltakts. „Ich habe Angst davor, die EM nicht zu überleben“, lacht er, um wesentlich ernster nachzuschieben: „Ich setze mich mehr unter Druck als jeder andere. Ich habe den Trainern gesagt, dass ich nicht weiß, ob ich noch fit genug bin. Sie haben mir aber den Rücken gestärkt.“

Am Montag gegen 17 Uhr rollt der Zug wieder am Kölner Hauptbahnhof ein. An Bord sollen dann zwei weitere Europameister der Highlander sein.

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