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Rot-Weiß Lüdenscheid statt Rapid Wien und ein Spiel gegen Julio Iglesias

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Von: Thomas Machatzke

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Der „Mann im Matsch“: Martin Klasen (Mitte), wie man ihn als Torhüter kannte – meistens im weißen Sweater, der nach dem Spiel nicht mehr wirklich weiß war. © Archiv

Der Lüdenscheider Fußball trauert um den früheren Ausnahmekeeper Martin Klasen, der im Alter von 83 Jahren verstorben ist. Ein Nachruf.

Lüdenscheid – Es war die Zeit, in der es noch keine Plastikwiesen gab, sondern Fußball zumeist auf ehrlicher roter Asche gespielt wurde. Die Zeit, an die Bilder in Schwarz-weiß erinnern, die heute immer etwas zu körnig zu sein scheinen und die doch so viel Atmosphäre zu transportieren wissen. Diese Zeit war die große Zeit des Fußballtorhüters Martin Klasen.

Klasen, geboren 1939, war ein Kind des Ruhrgebiets. Seine ersten Vereine waren Adler Osterfeld und der BV Osterfeld in Oberhausen. Talent hatte er. So viel, dass es seinerzeit fast zum großen Wurf gereicht hätte. Klasen hätte zu Rapid Wien wechseln können, als zweiter Torwart. Doch Klasen wollte spielen, er wollte kein zweiter Torwart sein. Er war ein ausgezeichneter Keeper, aber kein geduldiger Mensch.

Also zog es ihn nicht nach Wien, sondern erst zum VfB Bottrop in die Regionalliga – und dann 1964 nach Lüdenscheid zu den Sportfreunden 08. Auch in Lüdenscheid wurde seinerzeit richtig guter Amateurfußball gespielt, die Sportfreunde 08 und der RSV Höh waren die großen Rivalen, die 1971 fusionieren sollten zu Rot-Weiß Lüdenscheid. Klasen spielte erst für die 08er am Jahnplatz und danach für den Erzrivalen an der Höh. Eigentlich verpönt, für Klasen kein großes Ding.

RWL statt Rapid Wien und ein Spiel gegen Julio Iglesias

Martin Klasen stand in dieser Zeit in einem Freundschaftsspiel im Tor gegen Real Madrid, als auf der Gegenseite für die Königlichen ein gewisser Julio Iglesias das Tor hütete, der auch ein talentierter Keeper war, aber wirkliche Karriere erst als Sänger machen sollte. Klasen hielt gegen die Briten aus Burnley. Und er war später nach der Fusion auch noch zweiter Torhüter bei den Rot-Weißen am Nattenberg. Aber das war schon im Herbst einer bemerkenswerten Karriere, die ihn noch für zwei Jahre zu TuRa Brügge bringen sollte.

Wer dabei gewesen ist und heute über Klasens große Zeit erzählt, der erinnert sich an einen „modernen Torwart“ – Klasen war auch ein guter Feldspieler. Als er sich das Schlüsselbein gebrochen hatte und es fürs Tor noch nicht reichte, spielte er für die 08er auch mal im Sturm. Später im Betriebsfußball – Klasen arbeitete als Galvaniseur – gab er auch gerne mal den Libero. Ein Torhüter mit seinem Talent hätte auch heute das Zeug für den Profifußball.

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Schalker ein Leben lang: Martin Klasen im Trikot seines Herzensvereins. © Familie

Der Stadt Lüdenscheid, in der Martin Klasen seine Ehefrau Heike kennengelernt hatte, blieb er mit seiner Familie (Sohn Thomas und Enkel) so treu wie seinem Fußballverein des Herzens, dem FC Schalke 04. Rudi Assauer kannte er persönlich aus der Zeit, als dieser noch Fußballer und nicht der große Manager war, auch Dieter Burdenski. Es war seine Zeit. Bei Rot-Weiß Lüdenscheid verpasste er kaum ein Spiel, er hatte Jugendteams trainiert und betreute später die Reserve. Zum Ehrenmitglied wurde er im Jahr 2015 ernannt.

Im Juni hat Martin Klasen mit seinen Lieben noch seinen 83. Geburtstag gefeiert. Er war nicht mehr bei guter Gesundheit, zuletzt setzte ihm auch noch ein Oberschenkelhalsbruch zu. Am 8. August verstarb Martin Klasen. Beim Landesliga-Auftakt von Rot-Weiß Lüdenscheid spielte die 1. Mannschaft am Sonntag mit Trauerflor, erinnerte Stadionsprecher Chris Desens vor dem Spiel mit einer Schweigeminute an einen Großen des Lüdenscheider Fußballs. Einen aus der Zeit, als der Lüdenscheider Fußball noch größer war als heute. Es war ein andächtiger Moment. Noch einmal war Martin Klasen da ganz präsent bei seinem Verein. Und die gute alte Zeit mit der roten Asche und grobkörnigen Schwarz-Weiß-Fotos auch.

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