Michael Dregger kritisiert FLVW-Haltung

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Der Vorstandssprecher von Rot-Weiß Lüdenscheid Michael Dregger ärgert sich über den FLVW.

Lüdenscheid - Der Sport hat es dieser Tage nicht immer leicht. Was vielfach als ambitioniertes Hobby gemeint ist, wird von den Behörden behandelt wie ein normales Arbeitsfeld. Jüngst war es der neue Mindestlohn, nun beschäftigt die Übernahme von Strafen, Ordnungsgeldern und Gerichtsgebühren die Vereinsverantwortlichen.

Von Thomas Machatzke

Die Übernahmen, sagt der Vorstandssprecher von Rot-Weiß Lüdenscheid Michael Dregger, können Steuer- und Sozialversicherungspflicht auslösen und zudem Schwierigkeiten für die Gemeinnützigkeit des Vereins bedeuten. Es ist wahrscheinlich nicht einmal eine rechtliche Grauzone, eher schon ein Bereich, der so fernab der normalen Gedankenwelt liegt, dass ihn der Verband in der Realität einfach ausklammert. Am 23. November hatte sich Dregger mit einer Anfrage an den Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen gewandt. Seine Anliegen: Wie schätzt der Verband die Rechtslage ein? Und: Wie kann der Verband die Vereine in dieser Thematik mit Rat und Tat unterstützen?

Am 10. Dezember erhielt Dregger Antwort von Dieter Ostertag. Ostertag ist hauptamtlicher Justiziar des FLVW. Seine Botschaft war: Ja, die Problematik ist dem Verband bekannt. Und: Nein, der Verband wird sich nicht weiter damit befassen. Darauf mochte es der Funktionär aus Lüdenscheid nicht beruhen lassen, er erneuerte seine Bitte. So befasste sich das Präsidium des FLWV am 9. Januar mit der Thematik.

"Das ist ein starkes Stück" 

In der Stellungnahme nun stützen Präsidium und Ostertag die ersten Aussagen. Sie sehen die Problematik. Aber der Verband sagt: Das Vorgehen ist gängige Praxis in den Verbänden. Zudem schreibt Ostertag: „Die sich daraus gegebenenfalls ergebenden Konsequenzen und Fragestellungen müssen die Vereine gegebenenfalls vor Ort mit ihren zuständigen Stellen – Finanzamt, Sozialversicherungsträger und andere – klären. Belastbare Informationen liegen uns hierzu nicht vor.“

„Das ist ein starkes Stück“, sagt Michael Dregger verärgert, „es geht mir um Rechtssicherheit, aber der Verband verweigert eine Hilfestellung.“ Das Problem bei Übernahme von Strafgeldern und Gerichtsgebühren ist vielschichtig: Übernimmt der Verein, der dies in gesamtschuldnerischer Haftung ja muss, die Strafen des Spielers, so bedeutet dies rein rechtlich die Bevorteilung eines einzelnen Mitglieds – und dies gefährdet die Gemeinnützigkeit des Vereins.

Dazu kommt, dass bei Übernahme von zum Beispiel 500 Euro Gerichtskosten und Strafen womöglich bei den Aufwändungen für den Spieler die Grenze eines Minijobs überschritten wird. Das wiederum ruft dann Finanzamt und Sozialversicherungsträger auf den Plan. In letzter Konsequenz könnte sich dann auch wieder die Mindestlohnfrage stellen.

Wie bekommen Vereine die Strafen zurück?

„Wir müssen uns die Strafen wiederholen“, sagt Dregger, wohl wissend, wie schwierig das mitunter sein kann, „aber was ist ein ausreichender Versuch, sich die Strafen zurückzuholen? Eine Rechnung? Ein Mahnbescheid? Der Verband sagt dazu nichts.“ Dregger hätte einen einfachen Weg, die Vereine aus der drohenden Behörden-Gefahr zu nehmen: Wenn die gesamtschuldnerische Haftung laut Satzung abgeschafft würde, wären die Vereine aus dem Schneider. Das allerdings will der Verband natürlich nicht – dann müsste er sich selbst an die Vereinsmitglieder wenden und den Sportlern die Kosten in Rechnung stellen.

„Der Verband verlegt die Arbeit von den Hauptamtlichen auf Ehrenamtliche“, sagt Dregger, „er benutzt die Vereine als Inkassostelle. Er schafft uns das Problem, lässt uns aber mit der Lösung allein.“ Bei RWL ist es gelebte Praxis, dass sich der Verein die Strafgelder bei z.B. seinen Rotsündern zurückholt. Nun arbeitet der Klub mit seinem Steuerberater an einer Lösung, die ihm Rechtssicherheit verschafft. Wie sie aussieht, das ist offen. Nur auf Hilfe des Verbandes – das ist nun wohl klar – wird Rot-Weißen nicht zählen können.

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