Roosters ziehen Saisonbilanz

Mende: "Dieses Team hat Unglaubliches erreicht"

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Die Iserlohn Roosters lieferten sich mit den Hamburg Freezers im Viertelfinale der DEL-Playoffs eine spektakuläre, teils dramatische Serie, mussten aber am Ende mit einer 0:1-Heimniederlage das Aus quittieren.

Iserlohn - Trotz des Playoff-Aus' erkannte man Zufriedenheit in den Gesichtern von Jari Pasanen und Karsten Mende, Trainer und Manager der Iserlohn Roosters. Der Grund ist Bestätigung. Das, was beide zum Saisonstart der Deutschen Eishockey Liga (DEL) erhofften, hat sich am Ende doch bewahrheitet. Ihre Mannschaft hat die Erwartungen erfüllt.

Die Gerüchte rund um die Roosters sprießen

Mirko Heintz hat sich mit beiden nach dem Ende der Saison zusammengesetzt und über eine spannende Spielzeit gesprochen, die für die Iserlohner erst im sechsten Viertelfinal-Spiel gegen die Hamburg Freezers mit einer 0:1-Niederlage endete.

Karsten Mende, hat wenige Tage nach Saisonende der Stolz die Enttäuschung über das Aus gegen Hamburg vertrieben?

Karsten Mende: Das steht außer Frage. In diesem Jahr 2014 waren wir die beste Hauptrundenmannschaft der DEL. Ich bin stolz auf diese Mannschaft und sie selbst darf es ebenfalls sein. Dieses Gefühl wird sich auch bei den Jungs in den kommenden Tagen durchsetzen.

Jari Pasanen: Mir geht es genauso. Wie hart diese Jungs gearbeitet haben! Ich als Spieler, aber auch als Trainer habe keine Mannschaft gesehen, die so hart zu arbeiten bereit war. Es gab Tage, da mussten wir die Jungs bremsen und das sagt viel über den Willen aus, den dieses Team uns geschenkt hat. Karsten Mende hat im vergangenen Sommer einen hervorragenden Job gemacht. Wegen des Charakters den er eingekauft hat, haben wir so eine tolle Saison erlebt.

Was hat die Mannschaft zu dem Erfolg getragen?

Mende:  Ich habe schon früh in dieser Saison gesagt, dass ich glaube, dass diese Mannschaft vieles erreichen kann. Den Ausschlag hat der Charakter gegeben. Dieses Team hat auf bemerkenswerte Weise zusammengestanden und so Unglaubliches erreicht. Ein Beispiel: Hamburg war größer, hatte in der Breite gesehen mehr Talent und dennoch haben wir alle gesehen, was mit Teamgeist möglich ist. Der Hauptrundenerste hat deshalb gewackelt.

Hat am Ende die Tiefe, die Körperkraft gefehlt?

Karsten Mende

Mende:Das ist so. Wir haben es vermieden, über unsere Verletzten zu sprechen, jetzt darf man das natürlich tun. Connolly war nicht dabei, Jares hat uns gefehlt, Mike York. Das sind Spieler, die nicht zu ersetzen sind. Hinzu kam, dass Lange und Ersberg verletzt waren, trotzdem gespielt haben. Hinzu kamen die kurzen Pausen, insbesondere zwischen den Pre-Playoffs und dem Viertelfinale. Was wäre gewesen, wenn wir nach unserem München-Trip ein paar Tage Erholung hätten genießen können? Fakt ist, dass die Jungs wirklich eine Menge Schmerz für diesen Erfolg ertragen haben, eigentlich jeder hatte eine Blessur – das ringt mir Hochachtung ab.

Pasanen: Insbesondere die Torhütersituation war schwer für uns, denn wir konnten nicht kommunizieren, was wirklich passiert ist. Ich hatte Angst um Mathias, wusste aber, dass Erik nicht fit ist. Die Entscheidung, Lange rauszunehmen, war wichtig, um ihn später in der Serie wieder einsetzen zu können. Ich bin froh, dass wir zwei Torhüter mit Topcharakter hier in Iserlohn gehabt haben.

Herr Pasanen, als die Mannschaft im November, einen Monat, nachdem Sie Cheftrainer geworden waren, noch immer keine Erfolge eingefahren hatte, waren Sie nahe dran, die Playoffs abzuschreiben.

Pasanen:  Du gibst als Trainer, auch als Spieler nie den Glauben auf. Solch eine Serie hätte ich aber nicht für möglich gehalten. Es hat lange gedauert, bis wir alles auf den richtigen Weg gebracht haben und das war auch mein Fehler. Ich hätte viel früher das System komplett umstellen sollen, statt es Stück für Stück einzuführen. Nach dem Spiel Weihnachten in Hamburg hatten wir endgültig unsere Taktikumstellung perfektioniert, Mannheim wurde unser erster Erfolg. Das hätten wir noch ein wenig früher haben können. Den Zeitpunkt muss ich mir ankreiden lassen, aber wir haben ja die Kurve bekommen.

Die Mannschaft war die beste der vergangenen Jahre, ist das auch ein Erfolg für Karsten Mende? Schließlich haben Sie das Team zusammengestellt.

Mende:  Natürlich ist es so. Allerdings erinnere ich an die Rahmenbedingungen. Wir hatten früh unseren Etat, konnten agieren. Das sind die Möglichkeiten, die ich mir in jedem Jahr wünsche. Chris Connolly kam erst im Dezember – er brachte uns aber die Tiefe, die wir brauchten. Viele Leute haben allerdings eines vergessen: Wir haben immer gesagt, dass 15 neue Spieler zu integrieren Zeit braucht, auch das hat sich bewiesen.

War diese Mannschaft am Ende ein komplettes Pasanen-Team oder steckte auch noch ein wenig Doug Mason in ihr?

Mende:  Als Jari das Team übernommen hatte, war es schon eine andere Mannschaft. Ich habe ganz andere Impulse gesehen – und das ist ganz klar ein Verdienst von Jari Pasanen und ab Dezember auch von Jamie Bartman. Man darf seine Rolle nicht unterschätzen. Er hat die Kommunikation in der Kabine auf ein anderes Niveau gebracht. Er selbst ist zwar sehr ruhig, sehr analytisch, dennoch hat er seine Akzente gesetzt, auch beim Videocoaching. Er war sicherlich ein Puzzleteil, das uns gefehlt hat.

Jari Pasanen

Pasanen:Jamie Bartman hat unglaublichen Einfluss gehabt auf diese Mannschaft. Wir gemeinsam haben an unserer Taktik gearbeitet, uns ausgetauscht, sie perfektioniert, weil wir uns gut verstanden haben. Er hat die Verteidiger ganz schnell unter seine Fittiche genommen und ihnen zum Jahreswechsel unsere Taktik eingebläut und plötzlich waren unsere individuellen Fehler verschwunden. Das war teils System, teils Jamie. Die Spieler haben sich auf jeden Fall viel besser unterstützt gefühlt.

Einige Spieler wollen bleiben, andere werden gehen, wie sieht die Arbeit der sportlich Verantwortlichen in dieser Woche aus?

Mende:  Ich habe schon mit Jari und Jamie zusammengesessen, unser Fazit ist gezogen. Jetzt werden wir die Einzelgespräche mit den Spielern führen und vielleicht können wir noch vor der Abschiedsfeier am Freitag einige Details bekannt geben. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass wir zahlreiche zentrale Spielerpersönlichkeiten behalten können. Wir stehen in regem Kontakt mit den Agenten, jetzt ist ein wenig Geduld und harte Arbeit gefragt.

Zum Abschluss: Lasse Kopitz hat seine Karriere beendet – nach dem letzten Playoff-Spiel. Er gehörte lange zum Team am Seilersee. Haben Sie mit ihm ein paar Tränen verdrückt? 

Mende:  Lasse kann stolz sein auf seine vergangene Saison und wir sind es auch, sehr sogar. Er hat alles gegeben, sein Spiel noch einmal auf ein anderes Niveau gebracht. Mich freut es, dass er mit seinem Verein noch einmal in den Playoffs war.

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