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Roland Janson: Ein Handball-Tausendsassa in der Warteschleife

Portrait Handball Funktionär Janson
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„Solange wie der Kopf mitspielt, ich mich fit fühle und solange ich akzeptiert werde, mache ich auch weiter“, sagt Handball-Multifunktionär Roland Janson aus Altena

Ohne ihn läuft im Handballkreis Lenne-Sieg wenig: Roland Janson aus Altena koordiniert als Staffelleiter den Spielbetrieb, bildet Schiedsrichter aus. Nun aber läuft generell im Moment wenig, und so hofft der Multi-Funktionär vor allem auf eines: Normalität.

Altena – Reisen im In- und Ausland, gelegentliche Kurzurlaube mit gutem Essen und Getränken, spontane Fahrten ins Grüne. Genau das ist es, was Roland Janson lebt, liebt und ja, mit seiner Gattin Monika auch zelebriert.

Wer mit dem 67-jährigen Altenaer in sozialen Netzwerken befreundet ist, der durfte schon so oft teilhaben an so manchem Urlaub, an so mancher Tour, an so manchen schönen Ausflügen. Auf anderen Fotos, Texten oder Motiven, die Roland Janson gerne postet oder teilt, geht es um eine andere Welt. Um eine Welt unterm Hallendach.

Um die Welt des Handballs, den Janson nicht weniger liebt als das Reisen. Doch dann ging Anfang 2020 ein Virus um die Welt. Etliche Urlaubsdomizile wurden zu Risikogebieten, Sporthallen geschlossen. Kaum Reisen, kaum Handball. Eine harte Zeit für den Handball-Tausendsassa.

Roland Janson: Ein Handball-Tausendsassa in der Warteschleife

„Ich wünsche mir, lieber heute als morgen in die Sporthallen zurückzukehren“, sagt der in Altena geborene Roland Janson. Der Rentner lechzt nach Normalität, vermisst den Amateurhandball, aber eben auch den persönlichen Austausch mit den Aktiven, den Vereins- und Verbandsfunktionären und Freunden. Das Plaudern und Fachsimpeln, das Diskutieren über strittige Szenen, die Stimmung auf den Rängen – all das, was zum Handball auch dazugehört, ist mit dem zweiten Lockdown wieder weggebrochen. Was für eine Zeit...

Hinter den Kulissen aber gab und gibt es freilich trotz des Lockdowns gut zu tun für den waschechten Sauerländer Roland Janson, der Männerspielwart im Handballkreis Lenne-Sieg, Pokalspielleiter des Kreises und im Handball-Verband Westfalen Schiedsrichter-Lehrwart ist. In all diesen Funktionen hat der Schlosser im Ruhestand mit allen Feinheiten in der Organisation des Spielbetriebs seit Jahren zu tun. Auch in Zeiten der Pandemie, die mit den organisatorischen Hürden „wirklich hart“ ist, wie Janson betont. So hart, dass der HV Westfalen am Dienstag entschied, endgültig die Reißleine zu ziehen und die Saison abzubrechen. Der Verband wird nun – wenn es die Pandemie zulässt – nach den Osterferien eine Aufstiegs- und eine Pokalrunde auf freiwilliger Basis anbieten.

Was bleibt in diesen Wochen, es ist die Gewissheit, dass es auch wieder bessere Zeiten für den Handball und den Sport im Allgemeinen geben wird. Es bleibt aber eben auch reichlich Gelegenheit, um in den Rückspiegel zu schauen. Auf eine Zeit vor Corona, die eine gute Zeit gewesen war in der so vielfältigen Handball-Laufbahn des Roland Janson, der 1995 das Kreisehrenabzeichen des Alkreises Lüdenscheid entgegennahm, 2006 die silberne Ehrennadel des Westdeutschen Handball-Verbandes erhielt und 2015 mit der goldenen Ehrennadel des HVW für seine Verdienste im Schiedsrichterwesen ausgezeichnet wurde. Aber der Reihe nach.

Serie: „Gute Seelen“

Der Spiel-, Turnier- und Wettkampfbetrieb pausiert dieser Tage. Damit er nach dem Lockdown irgendwann wieder reibunglos anlaufen kann, machen sich die Spiel- und Wettkampfplaner in allen Sportarten aber auch jetzt viele Gedanken. Es sind diejenigen, die die Kärrnerarbeit des Sports verrichten – ehrenamtlich, engagiert, zuverlässig und kreativ. In einer Serie stellt die Lokalzeitung diese „guten Seelen“ des Sports im märkischen Südkreis vor. Im zweiten Teil den Schiedsrichter-Lehrwart des Handball-Verbandes Westfalen, Roland Janson aus Altena.

Als die Handballabteilung des TuS Mühlenrahmede 1968 Spieler für die Schülermannschaft suchte, „da bin ich einfach mal dahingegangen. Und bin dann auch beim Handball geblieben“, erinnert sich Roland Janson, dessen Großvater Willi (genannt „Röschen“) nach dem Krieg – zunächst gemeinsam mit dem Rahmeder Turnverein von 1883 – die damalige Handballabteilung des TuS Mühlenrahmede wieder aufgebaut hatte. „Früher war ich lange Kreisläufer, später dann Torwart“, sagt Roland Janson, der in seiner aktiven Laufbahn für den TuS Mühlenrahmede, VfB Altena und TS Evingsen auflief. Im Alter von 40 Jahren beendete Janson, der in der Handballabteilung der TS Evingsen heute Schatzmeister ist, schließlich seine Spielerlaufbahn. „Nach einer Knieverletzung hat meine Frau gesagt: ‘Jetzt ist Feierabend’.“

Rote Karte für Gespannmann Horst Rücker

Feierabend, das galt allerdings nicht für den Unparteiischen Roland Janson. 1983 wurde der Altenaer Schiedsrichter – und zwar ein richtig guter. Zusammen mit Wolfgang Ruth stieg Janson jedes Jahr eine Etage auf, 1990 leitete das Gespann Janson/Ruth Partien in der damaligen Regionalliga. „Wir hatten einen kometenhaften Aufstieg“, erinnert sich Janson. Ab 1991 bildete er dann für die nächsten 20 Jahre zusammen mit Horst Rücker ein Gespann, das bis zum Jahr 2005 im HV Westfalen bis zur Oberliga eingesetzt wurde. Unvergessen war die Art und Weise, wie Janson im Mai 2011 seinen langjährigen Schiedsrichterkollegen schließlich in den Ruhestand verabschiedete.

Im damaligen Landesliga-Duell zwischen dem HTV Sundwig-Westig und Grün-Weiß Emst ließ Janson zehn Sekunden vor Spielende die Zeit stoppen und zeigte Horst Rücker als Zeichen des Abschieds die Rote Karte. Rücker, ebenfalls Altenaer, verließ artig die Spielfläche, begleitet von freundlichen Worten des Hallensprechers, der die Karriere des Burgstädters noch einmal kurz Revue passieren ließ. Rund 300 Zuschauer klatschten damals begeistert Beifall. Während Rücker die Pfeife an den Nagel hing, machte Janson weiter. Begeisterter Schiedsrichter ist der 67-Jährige bis heute. Und ein Fachmann im Schiedsrichterwesen.

Flusskreuzfahrt auf der Donau im Sommer

Die Karriere des Altenaers als Schiedsrichterlehrwart begann 1993 im Kreis, später war er dann Schiedsrichterwart des damaligen Süd-Bezirkes. 2016 stieg Janson schließlich zum Schiedsrichter-Lehrwart in Westfalen auf. Nicht zu vergessen ist der Zeitnehmer Roland Janson, der einst in den höchsten deutschen Spielklassen am Zeitnehmertisch saß und heute noch bei Drittliga-Partien zum Einsatz kommt. Und da wäre ja auch noch die Funktion als Männerspielwart im Handballkreis Lenne-Sieg. Das Aufgabengebiet des Altenaers, es ist ein so vielfältiges wie zeitaufwendiges. Ans Aufhören denkt Janson allerdings noch lange nicht. „Solange wie der Kopf mitspielt, ich mich fit fühle und solange ich akzeptiert werde, mache ich auch weiter“, sagt der 67-Jährige, dessen Gattin ihm für sein Hobby den Rücken frei hält. „Meine Frau macht das zum Glück mit“, sagt der Altenaer, der dann selbst die Brücke zu den Reisen und Urlauben schlägt: „Ich muss meiner Frau ja auch was bieten.“

Damit es direkt wieder losgehen kann, wenn es die Pandemie-Lage zulässt, wurde im Hause Janson schon längst geplant. Im Sommer soll es eine Flusskreuzfahrt auf der Donau geben, danach steht eine Tour zum Nordkap an. Auf schöne Urlaubsfotos in sozialen Netzwerken dürfen sich Jansons Freunde also wieder freuen. Vielleicht ja auch wieder auf Fotos aus heimischen Sporthallen...

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