Drei Generationen und eine große Leidenschaft

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Die Begeisterung für Pferde und die Leidenschaft für den Reitsport eint die Familie Ossenberg-Engels (von links): Joana, Ralf, Jolina, Jonas, Claudia, Martin und Edith.

Kreisgebiet - Drei Generationen, eine Familie, 20 Pferde und eine Leidenschaft: Bei Familie Ossenberg-Engels aus Dahle dreht sich alles um den Reitsport. Äußerst erfolgreich.

Von Lydia Machelett

Draußen lädt Jolina Ossenberg-Engels gerade Aram vom Anhänger ab. Die 18-Jährige ist zurück vom Bundeskaderlehrgang der Voltigierer. Derweil herrscht in der Stallgasse der Reitanlage reger Betrieb. Die 20-jährige Joana Ossenberg-Engels marschiert mit ihrem Lord Nobel zur Springstunde in die Halle. Jonas und Ralf Ossenberg-Engels schleppen die Hindernisse und Oma Edith backt Waffeln. „Bei uns ist immer was los. So richtig zur Ruhe kommen wir eigentlich nie“, sagt Claudia Döller-Ossenberg-Engels, während sie gerade Sättel und Decken aus der Sattelkammer holt. Die 54-Jährige ist nicht nur Mutter, sondern auch so etwas wie die Familienmanagerin. Morgens hilft sie in der Firma und danach ist sie Trainerin, Hofmanagerin und Mutter.

Vor gut drei Jahren erfüllte sich die Familie ihren Traum und baute eine eigene Reitanlage in Neuenrade-Küntrop. Mittlerweile ist auch die Firma von Evingsen dorthin umgezogen. „Die Pferde verbinden uns. Aber natürlich ist es nicht leicht, wenn man als Familie den ganzen Tag zusammen ist“, erklärt Jonas Ossenberg-Engels. Vater Ralf ergänzt schmunzelnd: „Wir streiten uns ständig.“ Das liege vor allem daran, dass alle fünf Ahnung vom Sport haben und äußerst erfolgreich sind. Drei bis vier Stunden verbringen sie täglich im Sattel – und das neben Arbeit, Schule oder Studium. „Ich glaube, das alles ist nur möglich, weil eben die ganze Familie dahinter steht. Ohne die Unterstützung unserer Eltern und Großeltern wäre das gar nicht möglich“, sagt Joana. Die Studentin sieht auch die Probleme: „Kritisch wird es immer dann, wenn es darum geht, auch einmal außerhalb des Sports etwas zu machen. Denn immer muss man sich darum kümmern, dass die Pferde versorgt sind. Das sind ja keine Sportgeräte.“

Dabei, so sind sich alle einig, sind gerade Auszeiten ohne die Familie wichtig. „Ich genieße beispielsweise die Zeit mit den Freunden von der Uni. Da redet man auch mal über andere Dinge. Man muss auch mal raus“, sagt der 22-jährige Jonas. Grundsätzlich sei aber Disziplin gefragt. Das weiß vor allem Jolina Ossenberg-Engels. Die 18-Jährige ist die Jüngste in der Familie. Sie reitet nicht nur Springen bis zur Klasse M, sondern ist auch als Voltigiererin äußerst erfolgreich, nimmt an internationalen Turnieren und Meisterschaften teil. Nach der Schule geht es für die Gymnasiastin direkt zum Training, die Schule leidet dennoch nicht. Im nächsten Jahr macht sie ihr Abitur, will danach Medizin studieren. Den entsprechenden Numerus clausus wird sie wohl mühelos schaffen. „Ich lerne beispielsweise auch auf einem Turnier. Ich denke aber, dass Sport auch die Leistung in der Schule fördert. Körper und Geist haben eine ganz andere Verbindung.“

Unter Druck wird bei Ossenbergs niemand gesetzt. Natürlich gibt es Ehrgeiz, aber auch der hat seine Grenzen. Jonas beispielsweise wollte als Kind lieber Fußball spielen. Erst später erkannte er, dass er Talent auf dem Pferd hat. Fußball spielt er nicht mehr, verfolgt aber noch die Spiele des BVB. Dafür reitet er erfolgreich Springen bis zur Klasse S. „Es ist wichtig, auch einen Ausgleich zu haben. Jolina und ich nehmen beispielsweise noch Gesangsunterricht“, erklärt Joana Ossenberg-Engels.

Einen Ausgleich brauchen auch die Eltern Claudia und Ralf. Neben der Leitung der Firma, dem Stall und der Organisation des Trainings und der Turniere bleibt wenig Zeit für Zweisamkeit. „Wir müssen uns bewusst Auszeiten schaffen, um uns selbst nicht zu verlieren. Wichtig sind uns regelmäßige Urlaube, die dann auch ohne Pferd“, erklärt Claudia Döller-Ossenberg-Engels.

Gut, dass es im Hintergrund noch Edith und Martin Ossenberg-Engels gibt. Auch die beiden Senioren lieben Pferde und unterstützen die Familie, so gut es geht. Martin Ossenberg-Engels ist es beispielsweise ein Anliegen, das Voltigieren zu fördern. Er stellt der ersten Mannschaft des Reitvereins Altena sein Pferd Dragoner zur Verfügung. „Mein Schwiegervater achtet auch darauf, dass wir alle realistisch bleiben. Holt uns immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Er ist unser größter Fan, aber auch Kritiker. Das ist wichtig, solche Menschen braucht man“, sagt Claudia Döller-Ossenberg-Engels. „Oma Edith“ ist derweil die gute Seele. Versorgt in stressigen Zeiten alle mit Kuchen und ist immer zur Stelle, wenn sie gebraucht wird.

Für das kommende Jahr haben sich die Ossenberg-Engels viel vorgenommen. Alle vier Reiter wollen Erfolge im Springparcours bis zur Klasse S feiern. Jolina Ossenberg-Engels peilt derweil als Voltigiererin die Deutsche Meisterschaft und diverse internationale Championate an.

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