Jubel, Tränen und ein Traum, der in Erfüllung geht

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Holte den DM-Titel: Julie Mynou Diederichsmeier.

Balve -  Mylene Diederichsmeier zitterte am Rande des Parcours mit, konnte den finalen Showdown im letzten Umlauf der Deutschen Meisterschaften der Springreiterinnen kaum noch mit ansehen. Sie bibberte mit, presste vor jedem Hindernis, das sich vor ihrer jüngeren Schwester Julie Mynou und dem 13-jährigen Carlucci auftürmte, beide Hände fest zusammen.

Als dann auch die letzte Stange liegen blieb und Julie Mynou einem Tag nach ihrem 36. Geburtstag im Ziel war, da kannte die Freude keine Grenzen mehr. Mylene riss die Arme hoch – und ihre Schwester tat es ihr auf Carlucci, der sie soeben zur Goldmedaille getragen hatte, unter dem Applaus der Zuschauer gleich. Dem ersten Jubel folgten Freudentränchen. Sequenzen des puren Glücks. Die gebürtige Berlinerin Julie Mynou Diederichsmeier ist Deutsche Meisterin. „Ein Traum ist in Erfüllung gegangen“, sagte sie wenig später mit wackliger Stimme. Sichtlich überwältigt von ihrem Triumph.

In der ersten DM-Wertungsprüfung am Freitag war das Geburtstagskind mit Carlucci fehlerfrei durch den Parcours gekommen, ging knapp vor Weltmeisterin Simone Blum aus dem oberbayerischen Zolling in die entscheiden zwei Umläufe am Samstag. Neben Diederichsmeier und Blum waren acht weitere Paare fehlerfrei durch den Parcours geritten, was große Spannung versprach für die Entscheidung. Zu diesen fehlerfreien Paaren hatten auch Lokalmatadorin Elisabeth Kruse und die Arnsbergerin Kathrin Müller gezählt. Zwei Sauerländerinnen also, die im Orletal aufs Treppchen hoffen durften.

Bei „Püppi“ Kruse, die auf Hengst Spimex eine insgesamt tolle DM ritt, ging dieser Traum in der ersten Runde des Samstags aber mit einem Fehler am Wassergraben fast schon baden, während Müller ihre Hoffnungen nährte. Allerdings nicht auf Conan, mit dem sie am Freitag „Null“ geritten war, sondern mit Felitia, mit der sie am Freitag vier Strafpunkte kassiert hatte. Am Samstag aber blieb dieses Duo fehlerfrei, gewann sogar die Prüfung und landete dank Patzer der Konkurrentinnen im Gesamtklassement auf Rang drei. Es war nach Silber im Jahr 2012 ihre zweite DM-Medaille in Balve

 „Ich bin super glücklich, hier auf dem Treppchen stehen zu können“, sagte die für den ZRFV Voßwinkel startende Reiterin: „Ich habe hier in Balve viele Freunde im Publikum, die mir die Daumen gedrückt haben.“ Und mit diesen Freunden wurde freilich noch gefeiert.

Feiern, das durfte auch die in den Niederlanden lebende Sophie Hinners, die nach ihrem Null-Fehler-Ritt am Freitag mit Vittorio im zweiten Durchgang wegen Zeitüberschreitung einen Fehler kassierte und sich im dritten Umlauf dann schadlos hielt.

Weltmeisterin Simone Blum patzte derweil auf ihrem Nachwuchspferd Cool Hill im verkorksten zweiten Umlauf. Auch bei anderen Paaren fielen Stangen, sodass Hinners – mit 22 Jahren die Jüngste im Feld – vor der letzten Runde der Führenden Julie Mynou Diederichsmeier mindestens Silber sicher hatte. Die 36-Jährige aber behielt die Nerven und erfüllte sich ihren Traum vom DM-Sieg. Im Gesamtklassement war Diederichsmeier die einzige Reiterin ohne Strafpunkt. Eine hochverdiente Meisterin, für die das neue Lebensjahr nicht schöner hätte beginnen können.

„Ich habe am Freitag zu Carlucci gesagt, dass er mir doch bitte heute einen fehlerfreien Ritt schenken soll“, sagte die 36-Jährige. Ihr vierbeiniger Kumpel erfüllte diesen Wunsch – und Balve war Zeuge.

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