Radsport

Christian Maul und Markus Sartory meistern die Everesting Challenge

Christian Maul (links) und Markus Sartory
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Christian Maul (links) und Markus Sartory auf einer der steilen Rampen Richtung Oevenscheid.

„Die letzten drei Runden waren die schönsten“, schwärmt Christian Maul auch fünf Tage nachher noch von den Momenten, als die Sonne am Freitag vergangener Woche über dem Brachtenbecker Tal in Altena langsam unterging und der 51-jährige Ausdauersportler aus Affeln gemeinsam mit seinem ein Jahr älteren Dauertrainingspartner Markus Sartory aus Altena den Gipfel des Mount Everest erklomm.

Natürlich handelte es sich nicht wirklich um das Dach der Welt, sondern um die symbolische Variante namens Everesting Challenge. bei der es gilt, an einem Stück auf dem Rad die 8848 Höhenmeter zu bewältigen, die der Höhe des Berges im Himalaya entsprechen. Und statt in Nepal fand die Aktion im märkischen Sauerland statt, vom Wendehammer am Ende der Bebauung des Brachtenbecker Wegs (238 Meter über NN) führte die Strecke durch den Wald steil bergauf bis kurz vor Oevenscheid (441 m). An einer Ausbuchtung der Straße wurde gewendet.

45-mal rauf und runter

Markus Sartory hatte diesen nur knapp über zwei Kilometer langen Kurs ausgewählt, weil er es erlaubt, die für die Challenge erforderlichen Höhenmeter auf einer Gesamtdistanz von „nur“ 183 Kilometern abzureißen. 45-mal ging es aus dem Tal nach oben, mit Steigungswerten von durchschnittlich 10,8 Prozent, 45-mal wieder nach unten. Der mittlere Abschnitt hat es besonders in sich: Spitzkehren und 90-Grad-Kurven machen den Kurs fahrerisch anspruchsvoll.

In der Hoffnung auf wenig Verkehr hatten Maul und Sartory den Brückentag am Freitag für ihr Unternehmen ausgewählt. „Die Ursprungsidee war, dass ich Markus nur bis zum sogenannten Basislager begleite“, wollte Maul zunächst nur 5200 Höhenmeter absolvieren. „Ab da wollte ich gucken, wie es geht.“

Verpflegung aus dem Kofferraum

Das Auto mit dem mit Proviant vollgepackten Kofferraum wurde an der Talstation abgestellt, die beiden erfahrenen Triathleten bestiegen um 6 Uhr ihre Räder und fuhren los. „Morgens war noch ein wenig Berufsverkehr, aber danach hatten wir die Straße fast für uns alleine“, erwies sich für Maul und Sartory der Freitag als der perfekte Tag, zumal auch das Wetter stimmte und sie in den folgenden 13 Stunden trocken blieben.

Ziel war es, die rund 200 Höhenmeter bis zum Oevenscheid möglichst konstant in 13,5 bis 14 Minuten zu bewältigen, runter ging es dann deutlich flotter in nur drei Minuten. Spätestens auf der ersten Schussabfahrt nach der Einmündung zum Grennigloh war dabei höchste Konzentration und Steuerkunst gefordert. „Im Nachhinen taten mir die Hände und Unterarme am meisten weh, denn man war immer auf der Bremse. Das potenziert sich“, erzählt Maul.

Doch die beiden Pedaleure hatten Vertrauen in die Technik und das nötige Wetterglück: Pannen, Platten oder gar Stürze gab es nicht. Das Material war ebenso sattelfest wie die beiden Sportler selbst.

Immer nach vier Umläufen war eine Pause von maximal vier Minuten zum Flaschenwechsel und zur Verpflegung verabredet. Dann öffnete sich der Kofferraum des Autos und beide griffen zu: „Wasser, Cola, Energiegetränke, Milchreis, geschmierte Brötchen“, beschreibt Christian Maul den Inhalt. Aus jahrzehntelanger Erfahrung wissen beide, was ihnen gut tut und die nötige Energie liefert.

Man muss sich ja in dieser Zeit irgendwelche Sachen selber basteln.

Christian Maul zur Idee der Everesting Challenge während der wettkampflosen Pandemie

Natürlich gab es an einem „echt langen Tag“, so Maul, auch den ein oder anderen mentalen Tiefpunkt, aber „Markus wollte das unbedingt“ und auch Maul selbst motivierte sich nach Erreichen des „Basislagers“, den „inneren Schweinehund“ zu überwinden und bis zum Schluss durchzuziehen.

Euphorisch in den Sonnenuntergang

Gegen Ende wurden beide dann fast schon euphorisch und durften sich gegen 20.30 Uhr als „Finisher“ im Ziel sicher sein, ihrer langen Sportlerlaufbahn ein tolles Erlebnis hinzugefügt zu haben. „Man muss sich ja in dieser Zeit irgendwelche Sachen selber basteln“, war für Maul und Sartory die Everesting Challenge das geeignete Ventil, um sich in der wettkampflosen Coronaphase einmal richtig auszupowern. „Man ist geschlaucht wie nach einem Triathlon, aber von der Muskulatur her haben wir es gut überstanden“, freute sich Maul, der nun gemeinsam mit Markus Sartory den Ironman-Triathlon auf Lanzarote 2022 als nächstes Ziel anpeilt: „Dafür haben wir beide auch schon den Startplatz.“

Nicht weniger freuen würde sich Seriensieger Christian Maul aber auch darüber, wenn es 2022 nach drei Jahren Pause wieder ein P-Weg-Wochenende in Plettenberg geben würde: „Das wäre mein Traum.“

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