Flüchtlinge: Stadt um Lösungen für Sportler bemüht

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150 Flüchtlinge werden in der Kreissporthalle am Lüdenscheider Raithelplatz erwartet.

Märkischer Kreis / Lüdenscheid -  400 Flüchtlinge werden am Freitag auf Anfrage des Regierungspräsidiums an den Märkischen Kreis im Kreisgebiet Quartier beziehen.

Unabhängig davon, dass der Bund auch andere Bundesländer außer Bayern und Nordrhein-Westfalen in Sachen Flüchtlingsaufnahme stärker in die Pflicht nehmen müsste, sind die Flüchtlinge in der Stadt Lüdenscheid und auch im Märkischen Kreis nach wie vor herzlich willkommen.

400 Flüchtlinge werden am Freitag auf Anfrage des Regierungspräsidiums an den Märkischen Kreis im Kreisgebiet Quartier beziehen: Je 150 in der ehemaligen Förderschule in Halver an der Susannenhöhe und in der Kreissporthalle am Lüdenscheider Raithelplatz. Zudem sind in dieser Woche 160 Neuankömmlinge in der städtischen Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen Hermann-Gmeiner-Schule in der Rathmecke eingetroffen. Die ist damit nicht Ausweichquartier „für höchstens acht Wochen“ – wie einst verkündet – geblieben, sondern wird Dauereinrichtung: Zumindest bis Ende Februar sollen die beiden Unterkünfte in Lüdenscheid für Flüchtlinge genutzt werden und damit als Sportstätten für die Schüler (Raithelplatz) und Vereine ausfallen.

Kaum Zeiten für die Jugend-Fußballer

Klar ist, dass die Flüchtlingsunterbringung absolute Priorität vor den Bedürfnissen der sporttreibenden Alteingesessenen behalten wird. Ebenso klar aber auch, dass mögliche Reibungsverluste in Sachen Toleranz und „Welcome-Mentalität“ so klein wie möglich gehalten werden sollen und müssen.

Deshalb ist auch die Stadt Lüdenscheid bemüht, die Einschränkungen für die langjährigen Bürger in engen Grenzen zu halten, doch ist auch unabdingbar, dass es ganz ohne Einschränkungen nicht geht. So hatte Dierk Gelhausen vom Fachdienst Schule und Sport der Stadt schon bei der Erstbelegung der Turnhalle der Gmeiner-Schule für alle Vereinsnutzer zwar Ersatztrainingszeiten und -hallen einrichten können, aber gleichzeitig klargestellt: „Wenn es länger dauert, werden wir zumindest ab November ein Problem bekommen, weil dann nicht wie in den Vorjahren alle Wünsche von Jugendfußballern bis zum C-Juniorenalter nach Hallenzeiten erfüllt werden können.“Dieses Problem wird auf jeden Fall greifen, bleibt in erster Linie die Hoffnung auf einen milden Winter, dass die Jungfußballer so lange wie möglich auf die Plätze können.

Flüchtlingunterkunft Raithelplatz

Betroffen sind seit dieser Woche aber weitere Sportler als Nutzer der Kreishalle am Raithelplatz: In erster Linie gehen der HSG Lüdenscheid in der großen Halle zehn Trainingszeiten flöten, womit sich die Katze ein wenig in den Schwanz beißt: Denn gerade die HSG hatte im Nachwuchsbereich noch um Flüchtlinge als künftige Mitspieler geworben, verliert jetzt aber entsprechende Trainingszeiten.

„Natürlich ist es nicht einfach, die Handballer, die große Spielflächen benötigen, unterzubringen. Aber wir sind zuversichtlich, dass wir die Probleme kurzfristig halbwegs lösen können“, ist Gelhausen sicher, befriedigende, wenn auch nicht ideale Lösungen finden zu können, während einige Betriebssportler, aber auch der DFB-Stützpunkt Nattenberg (im Winter) kürzer treten müssen.

ARS-Gymnastikhalle als Rettungsanker

Zumindest Übergangslösungen bieten sich auch für die Gruppen an, vor allem der TSG Lüdenscheid, die die Gymnastikhalle am Raithelplatz nutzen. „Nach Renovierung steht die Gymnastikhalle der Reichwein-Gesamtschule wieder zur Verfügung, da müssten wir Platz für die Gruppen finden“, kann sich Dierk Gelhausen über einen Mangel an Arbeit nicht beklagen. Möglichst schon in der kommenden Woche will er die Alternativ-Belegungspläne der Öffentlichkeit präsentieren, die sicher bei der einen oder anderen Gruppierung auch „Beulen“ hinterlassen wird.

Klagen noch auf hohem Niveau

Bei diesen „Beulen“ wird allerdings auf hohem Niveau geklagt, denn in anderen Städten und Gemeinden mussten die Vereine sportartübergreifend viel enger zusammenrücken als Hierzulande: So teilen sich in Dortmund, wo gleich mehrere Großsporthallen als Flüchtlingsquartiere genutzt werden, Klubs mitunter sogar mit Konkurrenten die Zeiten und müssen die Vereine von gewohnten Spielzeiten abrücken.

Der Spielbetrieb wird seit dieser Woche auch im benachbarten Kreis Olpe beeinträchtigt, nachdem die Kreissporthalle für die Vereine gesperrt ist. So hat der Handballkreis Lenne-Sieg das Wochenendprogramm des TV Olpe bereits verlegt, bis Alternativspielorte gefunden sind. In Attendorn wird zudem die Rundturnhalle mit Flüchtlingen belegt – auch die SG Attendorn-Ennest steht damit bis auf Weiteres erst einmal ohne seine Trainings- und Spielstätte da. Der Spielbetrieb im Handballkreis wird damit massiv beeinträchtigt.

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