Fußball

„Das ist wie Fahrradfahren...“

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In Erwartung des Freistoßes: Sven Kortmann (rechts) ist beim TuS Grünenbaum in fünf Jahren zu einem prägenden Spielertyp geworden.

Es war das letzte Kreisliga A-Spiel des TuS Grünenbaum vor dem Lockdown. Im Altenaer Reineckestadion lief die 65. Minute, als TuS-Torhüter Sven Kortmann Gesprächsbedarf hatte und Referee Kacper Koziorz heranwinkte. „Schiri, zwei Fragen“, begann die Unterhaltung, „wie lange ist noch zu spielen? Und: Können wir das Flutlicht anmachen? Ich bin alt und sehe nicht mehr so gut...“

Was der Lüdenscheider Unparteiische, der mit seinen Assistenten Christian Liedtke und Mustafa Tekir die Partie zwischen dem VfB Altena und der Kreisch-Elf leitete, in diesem Moment gedacht hat, ist nicht überliefert. Das Licht blieb aus, doch Sven Kortmann war wieder da. Nach eineinhalb Jahren Pause, im zarten Alter von 48 Jahren. Oder, um es mit den Worten von Grünenbaum-Kapitän Felix Höngen zu sagen: „Beim Comeback vom Comeback vom Comeback.“

Rückblick: Der TuS Grünenbaum und der Plettenberger finden vor gut fünf Jahren zueinander. Im Sommer 2015 hat die Kreisch-Elf in Weißtal vor mehr als 1000 Zuschauern in der Relegation zur Bezirksliga den Aufstieg perfekt gemacht. Nachdem die Feierlichkeiten am Kreisch vorbei sind und die Vorbereitung beinahe beendet ist, manifestiert sich im Halveraner Norden ein Torhüterproblem. Stammkeeper Henry Gelhart hatte seine Karriere beendet, die Nachfolger zünden nicht wie gewünscht.

„Eine Woche vor Saisonstart kam der Anruf von Niko Douros“, erinnert sich Kortmann, „er hat mich gefragt, ob ich mir mit 43 vorstellen könnte, noch mal in der Bezirksliga zu spielen.“ Die spontane Antwort des Keepers ist typisch „Korti“, wie sie ihn im Fußball-Kreis alle nennen. „’Du bist bekloppt,’ habe ich ihm gesagt“, schmunzelt Kortmann, dem die Strecke nach Halver eigentlich zu weit war. Aber Douros lässt nicht locker, bietet an, das Gros der Zeit als Fahrer zu fungieren. Und so landet der erfahrene Keeper, der zuvor lange Jahre – oftmals höherklassig – beim SC Plettenberg, TuS Neuenrade, TuS Plettenberg, Rot-Weiß Lennestadt und SV Affeln das Tor gehütet hatte, am Kreisch.

Dort ist der selbstständige Kaufmann, der in Plettenberg Geschäftsführer einer Dreherei ist, längst heimisch geworden. „Das sind viele tolle Charaktere, die ich lieben gelernt habe“, sagt Kortmann, der den Kontakt zum Kreisch auch bei seinen Zwischenstopps als Keeper des TuS Herscheid (Saison 17/18) und als Co- und Torwarttrainer des TuS Plettenberg (bis zur Winterpause 18/19) aufrecht hält. Am 26. Mai 2019, inzwischen zwecks Unterstützung im Abstiegskampf wieder zurück in Grünenbaum, hütet er dennoch vorerst zum letzten Mal das TuS-Tor. Zu Null. Doch der 3:0-Erfolg über den Geisecker SV reicht der Douros-Elf nicht zum Klassenerhalt. Ein einziger Punkt fehlt den „Grünen“ am Ende. Oder, um es mit Sven Kortmann zu sagen: „Ich hätte ein Spiel mehr machen müssen.“ Anderen würde man das als Überheblichkeit auslegen. Sven Kortmann nicht. Denn er hat Recht. (Zu) viele Spiele gibt es in dieser Saison, in denen der TuS das Torhüterduell ohne Kortmann nicht gewinnt.

Doch das ist Vergangenheit. Fortan tritt der Torhüter-Routinier kürzer, trainiert ab und an bei den Altherren in Affeln. Doch sein Spielerpass bleibt am Kreisch. Das ist gut so. Längst beeinflusst die Corona-Pandemie den heimischen Sport. Als Stammkeeper Jan-Philipp Winter quarantänebedingt ausfällt, zieht Niko Douros wieder die „Karte Kortmann“. Der inzwischen 48-Jährige zögert nicht lange, hält Rücksprache mit seiner Frau („Sie hat gesagt: Mach mal, dann habe ich meine Ruhe...“) und sagt zu. „Torwart zu sein, ist wie Fahrradfahren. Das verlernt man nicht.“

„Korti ist 100 Prozent zuverlässig – auf und abseits des Platzes“, sagt Grünenbaums Teambetreuer Tom Herberg. Wenn es dazu eines Beweises bedurft hätte, dann wird der in Altena geliefert. Am Ende heißt es 1:1-Remis. Ein Ergebnis, mit dem der TuS Grünenbaum leben kann. Die zweiten 45 Minuten spielt Sven Kortmann zu Null. Wieder einmal.

Und obwohl „Korti“ in seiner Karriere, die unterm Strich ein gutes Vierteljahrhundert in der Bezirks- und Landesliga beinhaltet, von wirklich schweren Verletzungen verschont geblieben ist, hinterlässt das Spiel Spuren. „Drei Tage habe ich was davon“, schmunzelt der Keeper und lässt doch keinen Zweifel daran, dass er wieder zur Verfügung steht, wenn er gebraucht wird am Kreisch. Irgendwann. Egal, in welchem Alter.

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