Fußball

Urgestein Hüsni Tahiri fühlt sich beim TSV Steinbach pudelwohl

Hüsni Tahiri hat seinen Vertrag als Co-Trainer um zwei Jahre verlängert.
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Der Plettenberger Hüsni Tahiri (Zweiter von rechts) gehört als Co-Trainer zum Trainerstab des Südwest-Regionalligisten TSV Steinbach Haiger. Sein Vertrag läuft bis 2023.

Den vereinbarten Gesprächstermin kann Hüsni Tahiri nicht ganz einhalten, ruft aber eine halbe Stunde später zurück. Der 38-Jährige meldet sich aus dem Trainingslager des TSV Steinbach Haiger, das in Bad Marienberg im Westerwald abgehalten wird. „Es gab noch eine Besprechung, die etwas länger gedauert hat“, erklärt Tahiri die leichte Verspätung.

Plettenberg - Co-Trainer ist der gebürtige Plettenberger beim hessischen Viertligisten, fest angestellt in einem professionell geführten Verein, der das Stadium des Emporkömmlings längst abgelegt hat und seit Jahren eine feste Größe in der Regionalliga Südwest ist.

Trainerjob nie der Plan

Einmal Trainer zu werden, hat sich Hüsni Tahiri lange nicht vorstellen können, inzwischen aber könnte es eine dauerhafte Aufgabe für ihn werden. „Es war gar nicht mein Plan, Trainer zu werden. Aber jetzt will ich nicht auf dem B-Schein sitzen bleiben, sondern mich peu à per weiterentwickeln – ohne Druck und ohne Stress“ sagt er, auch wenn Corona das Vorankommen bei den Lizenzen eingebremst hat.

„Eigentlich wollte ich nicht mehr soviel Fußball spielen, nur noch in der zweiten Mannschaft kicken, aber dann hat sich alles so ergeben“, erzählt er, der 2013 nach Steinbach kam, blieb und dort mittlerweile das Urgestein ist. Auf Bitte des Geschäftsführers unterstützte Tahiri in der Saison 2018/19 zunächst für drei Monate Interimstrainer Frank Döpper. Mit dessen Nachfolger Adrian Alipour versteht er sich prächtig, Tahiris Aufgabenbereich ist seither immer größer geworden.

Dass er nun die zehn Jahre beim TSV Steinbach voll machen darf – sofern im Trainergeschäft nichts dazwischen kommt – erfüllt Hüsni Tahiri mit Stolz. „Als Spieler hat es hier schon mega Spaß gemacht, habe ich mich immer wohlgefühlt. Die Wertschätzung, die mir entgegengebracht wurde, stand für mich immer ganz oben.“

Erwartungshaltung

Die Entwicklung des Vereins hat Hüsni Tahiri begleitet, den Ausbau der Strukturen, um erfolgsorientiert in der mit etlichen Hochkarätern besetzten Regionalliga Südwest an der Spitze mitmischen zu können. „Der Verein entwickelt sich, ist ambitioniert“, weiß Tahiri, „dadurch wurde aber auch die Erwartungshaltung bei den Fans immer größer.“ Als der TSV Steinbach in die Saison 20/21 glänzend startete, zeitweise an der Tabellenspitze stand, träumten die Fans in Haiger schon von der 3. Liga. Doch viele Verletzungen ließen den Traum nicht wahr werden. Aus Personalnot musste sogar Hüsni Tahiri am 8. Mai gegen Absteiger Stadtallendorf noch einmal aushelfen. „Die vielen Verletzten waren nicht 1:1 zu ersetzen – wir waren nicht auf jeder Position doppelt gut besetzt“, weiß Tahiri.

Am Ende stieg der SC Freiburg mit seiner zweiten Mannschaft souverän auf, Steinbach wurde ein Jahr nach der Vizemeisterschaft Fünfter – umringt von den Ex-Bundesligisten Kickers Offenbach, SSV Ulm und FC Homburg, dem früheren Zweitligisten FSV Frankfurt und dem SV Elversberg aus dem Saarland, der „es jedes Jahr mit einem großen Etat versucht, aufzusteigen“, so Tahiri, und erneut scheiterte.

Bundesligaatmosphäre

„Wir wollen auch in der neuen Saison eine gute Rolle spielen“, sagt Hüsni Tahiri vier Wochen vor dem Saisonstart, der die Steinbacher zum Auftakt am 14. August nach Kassel führen wird, zum KSV Hessen, einem weiteren Traditionsverein. „Wenn man in Offenbach oder in Kassel ins Stadion kommt, herrscht dort Bundesligaatmosphäre“, sagt Tahiri, der es einst bei den Sportfreunden Siegen auf einen Zweitligaeinsatz brachte, ehe ihn schwere Verletzungen zurückwarfen.

Was er am TSV Steinbach so schätzt, ist „die gewisse Lockerheit. Hier ist man immer schnell beim Du, das Familiäre war immer vorhanden. Und deshalb fühle ich mich auch aktuell so pudelwohl hier. Das gilt auch für meine Frau, die nach dem Umzug von Plettenberg nach Haiger hier ja niemanden kannte, Mein Sohn kommt jetzt in den Kindergarten, meine Tochter ist sieben Monate alt – wir haben eine größere Wohnung bekommen. Ich erfahre viel Anerkennung von den Leuten hier. Ich möchte das noch lange genießen.“

Priorität hat für Hüsni Tahiri eindeutig die Arbeit im Trainerstab des TSV. „Spielen in der zweiten Mannschaft, dort die jungen Spieler in der Verbandsliga führen – das kann ich nur noch, wenn es zeitlich passt.“ Unlängst war Tahiri beim Testspiel der Steinbacher Zweiten beim SV Ottfingen dabei, erzielte dort nach seiner Einwechslung zwei Treffer zum 7:0-Endstand. Am Dienstag, 27. Juli, spielte der TSV II beim Westfalenligisten FSV Gerlingen.

Videoanalyse

In seiner Rolle als Co-Trainer will Hüsni Tahiri „viel lernen. Ich sauge viel auf, will versuchen, Lösungen gegen verschiedene Spielsysteme zu kreieren.“ Die Analyse des nächsten Gegners, das Erkennen dessen individueller Stärken und Schwächen ist eine seiner Hauptaufgaben. „Anschauen muss ich mir die Spiele dafür nicht“, greift Tahiri auf Videomaterial zurück, schneidet die wichtigsten Momente heraus. Neben Tahiri ist auch Sascha Rausch (35) als Co-Trainer im Einsatz und unterstützt Chefcoach Adrian Alipour (42). Hinzu kommen zwei Betreuer, zwei Physiotherapeuten und zwei Fitness- und Athletiktrainer – professionelle Strukturen rund um einen 25-köpfigen Spielerkader.

Nicht nur Glück

Nach Ende des Pendelns zwischen Plettenberg und Haiger sind die Verbindungen Hüsni Tahiris in die Heimatstadt weniger geworden. „Die Coronazeit hat viele Kontakte kaputtgemacht. Das ist schade, aber ich bin keinem deswegen böse“, sagt Tahiri. Umso mehr freut er sich, wenn sich alte Weggefährten wie sein Ex-Trainer in Plettenberg und Siegen, Uwe Helmes, bei ihm meldet. Mit dessen Sohn Patrick, Trainer bei Alemannia Aachen, tauscht er sich hin und wieder über Spieler aus.

Gefreut hat sich Hüsni Tahiri auch, als ihn sein Bruder Arben über Facetime anrief und ihm gemeinsam mit BVB-Coach Edin Terzic den von den Dortmundern gewonnenen DFB-Pokal präsentierte. „Ich war ja damals auch in Oestrich dabei, als Arben und Terzic unter Oliver Ruhnert in der ersten Mannschaft gespielt haben. Ich finde es schön, dass Edin es bis zum BVB-Cheftrainer gebracht hat, obwohl er selbst nur bis zur Oberliga gespielt hat.“

Strammes Programm

So weit im Fußball zu kommen, das ist für Hüsni Tahiri „nicht nur Glück. Man muss viel einfordern, manchmal nervig sei, aber auch über eine gewisse Empathie verfügen.“ Eigenschaften, die er selbst im Trainingslager des TSV Steinbach einbringt. „6 Uhr Waldlauf, 11 Uhr und 16 Uhr Teamtraining – die Jungs müssen um 19 Uhr platt sein und nur noch Magnesium fressen wollen, wie Uwe Helmes immer gesagt hat. Das Programm wollen wir so durchziehen, dann fahren wir wieder etwas zurück“, erläutert Tahiri den Plan, der am Samstag auch einen Test gegen die SG Westerburg beinhaltete, der mit 8:1 gewonnen wurde.

Zurück nach Plettenberg: Dass es dort einen Derbytag gegeben hat, davon hat Hüsni Tahiri gelesen. Er verfolgt das Fußballgeschehen hierzulande, nicht nur in der Vier-Täler-Stadt, auch beim RSV Meinerzhagen, für den er 2003/04 in der Landesliga gespielt hat. Dass die Entwicklung beim RSV nicht ungebremst weiter nach oben gehen würde, hat er befürchtet. „Die Strukturen müssen immer mitwachsen. Du brauchst so viel für die Regionalliga“, hat Tahiri in Steinbach seit 2013 miterlebt. Dort wappnet man sich inzwischen für einen Aufstieg in die 3. Liga, der mittelfristig das erklärte sportliche Ziel des TSV bleibt. So produzieren die Hessen im „Grünen“ Stadion am Haarwasen in Haiger inzwischen über Photovoltaikanlagen ihren eigenen Strom, wollen auch eigenes Wasser aus dem Boden fördern. „Hier entwickelt sich viel, es läuft, und irgendwann werden wir dahin kommen, wo wir hinwollen“, sagt Hüsni Tahiri zum Abschluss des Gesprächs. Den Weg dorthin will er gern mitgehen – zumindest die nächsten zwei Jahre.

Karl Wagner und Hüsni Tahiri treffen sich immer noch regelmäßig.

Freundschaft seit der B-Jugend: Karl Wagner (83) hält Kontakt aufrecht

„Als er zum ersten Mal im Schleddestadion neben der Trainerbank stand und meinen Namen rief, habe ich mich noch gefragt: Wer ist der Mann, der mit Krawatte und Anzug auf den Sportplatz geht?“, erinnert sich Hüsni Tahiri an den Moment, als er in Oestrich auf Karl Wagner aufmerksam wurde. Damals war der Plettenberger als B-Junior vom Stammverein TuS zu den Sportfreunden gewechselt. Und Wagner, auf vielen Sportplätzen zu Hause, war ihm quasi nachgereist und wollte den weiteren Weg des Talents verfolgen.

„Danach hat er mich oft in seinem alten Passat mitgenommen, der immer wie ein Polizeiauto aussah und es hat sich eine Freundschaft entwickelt.“ Ob in Oestrich, beim RSV Meinerzhagen, zurück in Plettenberg beim SC, wo Hüsni Tahiri zum Landesliga-Aufstiegsteam 2005 zählte – Wagner war oft dabei und begleitete den Weg des talentierten Mittelfeldspielers auch in dessen Jahren bei den Sportfreunden Siegen. Seit 2010 ist der Fußballer mit albanischen Wurzeln in Hessen unterwegs: erst in Hadamar, kurzzeitig in Waldgirmes, seit 2013 in Steinbach.

Tahiri: „Karl ruft mich jede Woche an. Das ist Wahnsinn, wie er die Freundschaft pflegt. Ich habe großen Respekt davor, wie er auch mit fast 84 Jahren immer noch den Kontakt aufrecht erhält. Er ist fast meine einzige ständige Verbindung nach Plettenberg.“

Der in Eiringhausen lebende Wagner hat das Autofahren schon vor Jahren dran gegeben, reist seitdem mit der Bahn durch NRW, aber auch mal spontan nach Hamburg, um dort einen Kaffee zur trinken. In Erinnerung ist den beiden Freunden besonders der erste Besuch Wagners bei einem Regionalligaspiel des TSV Steinbach geblieben. Es war der 26. August 2015. „Ich bin mit dem ICE über Frankfurt nach Freiburg gefahren und habe mir eine Taxe zum Stadion genommen“, erinnert sich Karl Wagner. Steinbach lag 0:2 zurück und drehte das Spiel beim SC Freiburg II nach der Pause zum 3:2. „Das war unser erster Auswärtssieg in der Regionalliga“, sagt Hüsni Tahiri, der nach der Siegesfeier dafür sorgte, dass Karl Wagner mit dem Mannschaftsbus zurück nach Steinbach fahren durfte.

Prägende Erlebnisse einer Freundschaft, zu denen auch das Zusammentreffen mit der schweizer Schiedsrichterlegende Urs Meier im Dortmunder Fußballmuseum zählte.

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