Jugendfußball

Bessere Techniker braucht das Land

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Bei künftigen Jugendspielen bis zur U 10 kommt der Torwart eventuell nicht mehr zum Einsatz.

Kreisgebiet – Zu einem Fußballspiel gehören ein Ball, die Feldspieler, ein Schiedsrichter und ein Torwart – eigentlich eine ganz klare Sache, so war es immer, so wird es auch immer bleiben.

Oder doch nicht? Zur neuen Saison stellt der DFB ein flächendeckendes Konzept für den Jugendfußball vor. Ohne Torhüter zwischen den Pfosten. Doch Deutschland gilt als Land der Schlussmänner. 

Wie soll es Nachfolger von Maier, Kahn oder Neuer geben, wenn sie nicht in frühester Kindheit gefördert werden. Experten sehen das Spiel ohne Torwart kritisch. Bodo Illgner, Torhüter der Weltmeisterelf von 1990, schrieb in seiner Kolumne in der Fachzeitschrift „kicker“ am Montag: „Es ist schon ein Problem, wenn ein Torwart zwischen 6 und 10 Jahren, der eh noch nicht so oft trainiert, nicht mal seine Grundregeln bekommt oder vertieft.“

Durch die Regeländerungen (siehe Infokasten) möchte der DFB den Jugendfußballern mehr Ballkontakte ermöglichen und die Individualität der Kinder fördern. Diese wären eine drastische Veränderung zur bisherigen Spielweise. Allerdings ist auch klar, dass dies nur Vorschläge vonseiten des DFB sind. Der Kinderfußball liegt in der Hand der Vereine und der Landesverbände. Somit handelt es sich in erster Linie um eine Anregung. Klar ist aber auch, dass der DFB das Konzept nicht nur für die graue Theorie entworfen hat. Der Bayerische Fußballverband zum Beispiel hat diese Richtlinien bereits an seine Vereine ausgegeben.

Dräger mit bisherigen Konzept zufrieden

Im Märkischen Südkreis sieht man der Entwicklung entspannt entgegen. „Wir fahren mit unserer Kinderphilosophie bei den Mini-Kickern sehr gut“, erklärt Detlev Dräger, Vorsitzender des Kreisjugendausschusses (KJA). Bei der Kinderphilosophie versammeln sich mehrere Mannschaften an einem Spielort, damit den Kindern mindestens drei Spiele vor Ort garantiert werden. In einer Turnierform wird der Spieltag ausgetragen. Die Tore werden nicht mitgezählt, es zählt der Spaß am Spiel. Aber ein Torhüter steht im Gehäuse. „Das Spielkonzept ist bei den Vereinen sehr gut angenommen worden und auch die Eltern sind vollends zufrieden. Sie fahren ihre Kinder nicht für ein 20-minütiges Spiel durch die Gegend, sondern für mindestens drei Partien“, weiß Dräger um die Vorteile des Konzepts für die jüngsten Fußballer.

Ob es nun in der kommenden Zeit zu einer neuerlichen Änderung im Konzept des Jugendfußballs kommt, bleibt abzuwarten. „Frühestens bei der nächsten Tagung im September wird darüber debattiert. Und selbst dann gibt es noch einen langen Genehmigungsweg. Unser derzeitiges Konzept läuft prima. Es gibt keinen wirklichen Grund, alles wieder umzuschmeißen“, erklärt Dräger.

Ob durch eine Änderung der Regeln mehr technisch gut ausgebildete Hochgeschwindigkeitsspieler à la Leroy Sané oder Serge Gnabry aus Deutschland kommen, würde wohl nur die Zukunft zeigen können. Zudem ist dies in erster Linie die Arbeit der Nachwuchsleistungszentren. Wenn im Gegenzug dafür die Torhüter auf der Strecke bleiben, hätte das Konzept zu große Lücken. Zudem befürchtet Dräger, „dass die Leidtragenden immer die Vereine sind. Sei es um neue Tore oder andere Bälle zu besorgen und zu kaufen.“

Kosten müssten wieder die Vereine tragen

 In dieselbe Kerbe schlägt Frank Meisterjahn, Nachwuchs-Chef des Kreises Arnsberg: „Wir werden mehr verantwortliche Trainer und Betreuer brauchen. Zudem müssen Minitore angeschafft werden.“ Etwas Gutes kann Manuel Torreiro, Vorsitzender des KJA im Hochsauerlandkreis, dem neuen Konzept abgewinnen: „Positiv ist sicherlich, dass alle Kinder mehr Einsatzzeiten bekommen und fußballerisch beziehungsweise technisch mehr lernen.“ Durch die Spielform soll dem Dribbling im Spiel eine höhere Bedeutung zukommen. Mehr Ballaktionen bedeutet zudem, dass auch die die schwächeren Fußballer mehr ins Spiel einbezogen werden.

Genau aus diesem Grund wäre die Regeländerung laut Dr. Hans-Dieter Drewitz, DFB-Vizepräsident Jugend, dringend vonnöten: „Wir müssen verhindern, dass zu viele Kinder während eines Spiels außen vor bleiben. Alle sollen eingebunden werden. Wenn Kinder ausgegrenzt werden, weil sie den Ball nicht bekommen, hören sie nach dem Kinderfußball frustriert auf. Im Zwei-gegen-zwei oder im Drei-gegen-drei kann sich keiner verstecken, alle machen mit und entwickeln Spaß. Niemand wird vorzeitig ausgeschlossen. Darum geht es.“ Den Verzicht auf einen festen Torwart bis zur E-Jugend hält auch Drewitz für vertretbar. Ob nicht auch gerade aufgrund dieser Tatsache vielen Kindern die Lust am Spiel genommen wird, kann nur ermittelt werden. wenn aus der grauen Theorie auch Wirklichkeit werden sollte.

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