Pferdesport

Selbst Einzelunterricht ist verboten

Reiten Springen in der Grünenbecke
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Ein Stück Normalität boten im September das Spring- und das Dressurturnier des LRFV Meinerzhagen. Obendrein waren die Veranstaltungen eine wichtige Einnahmequelle für den Verein.

Meinerzhagen – Vor zweieinhalb Wochen hatten sich Nordrhein-Westfalens Reiter noch gefreut: Auf Nachfrage hatte die Düsseldorfer Staatskanzlei mitgeteilt, dass Einzelunterricht im Freien erlaubt sei. Zwei Tage später folgte jedoch die Rolle rückwärts: Das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales (MAGS) griff ein und informierte den Pferdesportverband Westfalen darüber, dass entgegen der ersten Information Reitunterricht NRW-weit gemäß Corona-Schutzverordnung unzulässig ist.

Eine Regelung, zu der Jeannette Schmidt eine klare Meinung hat. „Das ist Schwachsinn“, sagt die Sportwartin des Ländlichen Reit- und Fahrvereins (LRFV) Meinerzhagen. Ihre sehr nachvollziehbare Argumentation: Beim Einzelunterricht im Freien stelle die Einhaltung des geforderten Mindestabstands zwischen Reiterin bzw. Reiter und Trainerin bzw. Trainer schließlich kein Problem dar. Zumal Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Lehrer und Schüler, die aus räumlicher Distanz resultieren, ohnehin nicht zu befürchten sind: „Die Verständigung über Headsets ist schon seit geraumer Zeit gang und gäbe und funktioniert bestens“, betont Jeannette Schmidt.

Nur „Bewegung aus Tierschutzgründen“ ist zulässig

Letztlich bleibt den Reiterinnen und Reitern indes nur, die Faust in der Tasche zu ballen. Der Unterricht liegt brach, erlaubt sind einzig Betreuung und Bewegung eines Pferdes durch eine Einzelperson. „Bewegung aus Tierschutzgründen“, wie es offiziell heißt, ist dabei auch in einer Reithalle zulässig. Wie viele Pferde und Reiter sich gleichzeitig in einer Halle aufhalten dürfen, hängt von deren Größe ab. In Meinerzhagen sind maximal vier Paare erlaubt.

Die genannten Vorgaben sind nicht allein unschön für die Sportler. „Die Tiere müssen nicht nur bewegt werden“, sagt Jeannette Schmidt, „Sportpferde sind es vielmehr auch gewohnt, gefordert zu werden.“ Das sprichwörtliche Scharren mit den Hufen ist im konkreten Fall weitaus mehr als eine bloße Redewendung. Vom Verbot nicht verschont ist der Schulpferdebetrieb mit dem neu erbauten Ponystall. In diesem Bereich hatte der Ländliche Reit- und Fahrverein in den vergangenen Jahren ebenso intensiv wie erfolgreich Aufbauarbeit geleistet. Nun ist auch da erst einmal Pause...

Zeitfenster von zwei Stunden

Unabhängig vom eingeschränkten Unterrichts- und Trainingsbetrieb müssen die rund 30 Pferde, die auf der Anlage des LRFV Meinerzhagen in der Grünenbecke untergebracht sind, natürlich weiter versorgt werden. Damit ein Corona-konformer Ablauf gewährleistet ist, erhält jeder Pferdehalter ein Zeitfenster von zwei Stunden, in denen er sich um sein Tier kümmern kann. Wie hinlänglich aus anderen Lebensbereichen bekannt, wird das alles selbstverständlich in einer Anwesenheitsliste festgehalten.

Einnahmen aus Turnieren haben geholfen

Im Rückblick auf das seinem Ende entgegengehende Jahr sind die Verantwortlichen des Meinerzhagener Vereins vor allem über eines froh – nämlich darüber, dass im Sommer das Spring- und das Dressurturnier stattfinden konnten. „Wir hatten das Glück, terminlich gewissermaßen eine Lücke zwischen den Lockdowns erwischt zu haben“, stellt Jeannette Schmidt fest. Die Veranstaltungen wurden unter entsprechenden Corona-Auflagen durchgeführt, auch dank guten Wetters war der Besucherzuspruch fast ähnlich gut wie gewohnt. Dieses willkommene Stück Normalität war auch für die Vereinskasse des LRFV wichtig: „Die Einnahmen aus den Turnieren haben uns sehr geholfen“, so Schmidt.

Ungewisse Zukunft bereitet Sorgen

Doch wie allerorten sorgt auch in der Grünenbecke der Blick in die ungewisse Zukunft für Sorgen. „Reitsport ist nicht billig, und man wird sehen müssen, wie gut jeder einzelne Pferdebesitzer die Corona-Krise finanziell übersteht“, benennt Jeannette Schmidt einen perspektivisch wichtigen Aspekt. Die bange Frage, was noch kommen wird, eint in diesen Tagen branchenübergreifend fraglos alle Sportvereine...

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