Fußball: RWL Retro

Peter Vollmann: Vom Nattenberg aus in die weite Fußballwelt

trainer beim Pressegespräch
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Peter Vollmann heute als Sportdirektor des Zweitligisten Braunschweig.

Im Frühjahr 1981 war Rot-Weiß Lüdenscheid stolzer Fußball-Zweitligist, auch wenn es am Ende nicht zum Klassenerhalt reichte. Der damalige RWL-Verteidiger Peter Vollmann steckt heute als Sportdirektor von Eintracht Braunschweig wieder im Abstiegskampf.

Lüdenscheid – Vor 40 Jahren, am 15. März 1981, gab es in Lüdenscheid das einzige Liga-Gastspiel von Eintracht Braunschweig im Nattenberg-Stadion. 2:0 gewannen die Niedersachsen am 30. Spieltag der Saison in der 2. Bundesliga Nord bei Rot-Weiß Lüdenscheid, wurden am Ende der Spielzeit Tabellenzweiter hinter Werder Bremen.

So stieg der Deutsche Meister von 1967 wieder in die 1. Bundesliga auf, während es für Rot-Weiß auf Rang 20 des Klassements (unter 22 Mannschaften) zurück in die Oberliga ging.

Der 15. März 1981: Rot-Weiß Lüdenscheid - Eintracht Braunschweig 0:2

Am 30. Spieltag gastiert Eintracht Braunschweig im Lüdenscheider Nattenberg-Stadion. Im September 1980 hatte Rot-Weiß Lüdenscheid bei den Niedersachsen nach zwei späten Toren von Ede Wolf ein 3:3-Unentschieden erkämpft. Im Rückspiel am Nattenberg – dem einzigen Braunschweiger Liga-Gastspiel in der Bergstadt nach dem 3:5-Sieg der Eintracht in der DFB-Pokal-Hauptrunde 1974/75 – aber setzte es eine 0:2-Niederlage für RWL. Doppelter Torschütze vor 3100 Zuschauern für die von Uli Maslo trainierten Gäste war Ronny Worm. Worm hatte 1978 bei der Weltmeisterschaft in Argentinien zur deutschen Nationalmannschaft gehört – ein Topstürmer dieser Zeit. Er war nicht der einzige „große Name“ an diesem Nachmittag am Nattenberg. Geleitet wurde die Partie von der Schiedsrichter-Legende Walter Eschweiler (Euskirchen).

Peter Vollmann (63), der heute als Sportdirektor bei Eintracht Braunschweig für die sportliche Entwicklung des Zweitligisten die Mitverantwortung trägt, gehörte vor 40 Jahren als junger Spieler zum Zweitliga-Kader von Rot-Weiß Lüdenscheid. Sportredakteur Thomas Machatzke sprach mit Peter Vollmann über die Rot-Weißen vor 40 Jahren und seinen weiten Weg, den er seitdem durch die Fußballwelt angetreten hat.

Peter Vollmann: Vom Nattenberg aus in die weite Fußballwelt

Peter Vollmann, von Lüdenscheid aus haben Sie eine große Tour durch die große Fußballwelt gemacht. Wie geht es Ihnen heute?
Vielen Dank, es geht mir ganz gut. Ja, es ist eine große Tour gewesen – es waren auch außergewöhnliche Aufgaben dabei. Ein Jahr lang habe ich mal im Irak Trainer ausgebildet. In Südafrika und in Ghana bin ich gewesen. Da habe ich in der Tat schon die Welt kennengelernt.
Das klingt nach einem aufregenden Job – aber man steht auch immer unter Strom, weil man immer erfolgreich sein muss, oder?
Mir ist es zum Glück nach meiner Zeit in Aalen gelungen, von der Trainertätigkeit in die Management-Tätigkeit zu wechseln. Das ist eine sehr positive Situation für mich. Wenn man Trainer ist, muss man unheimlich viel Leidenschaft entwickeln für diesen Job. Wenn man spürt, dass die Leidenschaft nachlässt, dann wird es Zeit zu schauen. Dann ist es gut, wenn man Alternativen hat.
Die haben Sie gehabt...
Ja, die hatte ich zum Glück als Drittliga-Experte bei Magenta-Sport für eine Saison. Das hat mir unheimlich viel Spaß gemacht. Und dann konnte ich bei Eintracht Braunschweig als Sportdirektor anfangen. Wir sind ein Jahr später aufgestiegen in die 2. Bundesliga und ich wurde Geschäftsführer Sport. Man ist nah dran am Fußball, aber es gibt einen anderen Trainer. Mir tut das sehr gut, nicht mehr so an der Front zu sein. Hier regnet es gerade wie verrückt: Wenn ich jetzt auf dem Platz stehen müsste... Da sitze ich hier jetzt lieber auf meinem Stuhl. Das muss man auch zu schätzen wissen..

Wir kämpfen jetzt auf allen Ebenen ums Überleben!

Peter Vollmann über die schwierige Situation in Corona-Zeiten
Aber der sportliche Druck ist geblieben...
Wir kämpfen jetzt auf allen Ebenen ums Überleben – wirtschaftlich in dieser Corona-Situation, und sportlich in der Tabelle. Wir können es aus eigener Kraft schaffen. Wir haben am Anfang die Mannschaft umstrukturiert – 14 Spieler sind neu gegenüber dem Aufstiegskader. Zwischen 3. Liga und 2. Bundesliga ist der Unterschied riesig. Ich denke, dass wir durch die Wintertransfers merklich an Qualität gewonnen haben und vielleicht die Klasse halten können, dann wären wir mit zwei blauen Augen davongekommen im Abstiegskampf.
Damit wären wir beim Thema: Vor 40 Jahren hat Rot-Weiß Lüdenscheid auch in der 2. Bundesliga gekämpft, aber es war ja eigentlich von Beginn an wegen der Fünf-Jahres-Wertung und der Zusammenführung der beiden Zweitliga-Staffeln ein aussichtsloser Kampf, oder?
Ja, das kann man mit Sicherheit so sehen.
Was haben Sie für Erinnerungen an dieses Jahr? Sie kamen damals aus Marienheide…
Ja, mein Heimatverein war der SSV Marienheide. Ich bin über ein Kreisauswahlspiel nach Lüdenscheid gekommen. Klaus Eick hatte mich danach angesprochen. Für mich war das eine kleine Sensation. Ich kam mehr oder weniger aus einem Kreisliga-Klub – und dann wirst du von Klaus Eick (RWL-Fußball-Obmann und Dreh- und Angelpunkt aller Planungen, Anmerkung der Redaktion) angesprochen...
Sie haben sich Gedanken gemacht und es probiert...
Ja, am Anfang war der Tagesablauf so, dass ich noch einen halben Tag gearbeitet habe und nachmittags zum Training gefahren bin. Ich habe viel und auch gerne in der 2. Mannschaft gespielt, habe aber immer oben trainiert. Ich hing dazwischen, war aber froh, dass ich dabei sein konnte. Es war für mich eine tolle Sache, überhaupt bei Rot-Weiß im Zweitliga-Kader zu stehen. Ich bin auch zu dem einen oder anderen Einsatz gekommen, habe nicht so große Ansprüche gestellt, weil ich meine Qualitäten ziemlich genau einordnen konnte. Ich war nicht der Spieler, der immer in die erste Elf gehörte. Ich hatte einen Platz zwischen der ersten Elf und der Bank – und war damit auch nie unzufrieden.

Das Nattenberg-Stadion war noch ziemlich neu, da waren immer viele Zuschauer, und im Winter immer viel Schnee. Der Stellenwert von Rot-Weiß war sehr hoch im Sauerland!

Peter Vollmann übers Frühjahr 1981
Rot-Weiß war damals ein Leuchtturm...
Klar, das Nattenberg-Stadion war noch ziemlich neu, da waren immer viele Zuschauer, und im Winter immer viel Schnee. Der Stellenwert von Rot-Weiß war sehr hoch im Sauerland.
Ihr Trainer damals war Günter Luttrop...
Ich hatte mehrere Trainer bei RWL: Günter Luttrop, Gerd vom Bruch und Werner Schumacher. Ich erinnere mich immer gerne an diese Zeit. Mein Lebensmittelpunkt ist inzwischen in der Nähe von Münster, aber zum Beispiel mit Paul Scheermann telefoniere ich noch ab und zu.
Sie haben auch nach dem Abstieg noch weiter für Rot-Weiß gespielt.
Ja, ich habe vier Jahre für Lüdenscheid gespielt. In der Oberliga spielten wir gegen Mannschaften wie FC Gütersloh, DSC Wanne-Eickel, SuS Hüsten 09, Westfalia Herne oder SpVgg Erkenschwick – das waren auch gute Namen.
Nach ihrer aktiven Karriere, die Sie in Lindlar hatten ausklingen lassen, sind Sie als Trainer zum Nattenberg zurückgekommen. Wie kam es dazu?
Ich habe bei Helmut Witte als Co-Trainer angefangen. Das war im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, die auch über den Schulsport lief. Paul Scheermann hatte da geholfen. Es war eine lehrreiche Zeit. Irgendwann ist Helmut Witte dann ausgeschieden, und ich bin Cheftrainer geworden. Dann sind wir von der Verbands- in die Oberliga aufgestiegen.
Damit endet Ihre Geschichte am Nattenberg – 1995 ging es nach Wattenscheid und dann in die große Welt...
Wattenscheid war auch eine sehr lehrreiche Zeit. Da war ich bei den Profis Co-Trainer und habe die Amateure trainiert. Es folgten Preußen Münster und Eintracht Trier – die spielten in der Regionalliga. Den KFC Uerdingen habe ich nach dem Zweitliga-Abstieg als Tabellenletzter übernommen, da haben wir noch die Klasse gehalten. Mit Fortuna Köln wären wir fast in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Mit Braunschweig hat es dann 2002 mit dem Zweitliga-Aufstieg geklappt.
Das Stadionheft vom 15. März 1981 am Nattenberg.
Sie sagen, Ihr Lebensmittelpunkt ist Münster – seit wann bei so vielen sportlichen Stationen?
Anfangs ist die Familie noch mit, zum Beispiel in Trier, aber dann haben wir ein Haus in Billerbeck bei Münster gebaut. Ich war danach zweimal bei Holstein Kiel. Beim ersten Mal stand aber schon fest, dass Frank Neubarth Trainer werden würde, aber der wollte erst im Sommer übernehmen. Da habe ich das für vier Monate gemacht und sie vor dem Abstieg gerettet. Danach ging es erstmals ins Ausland nach Ghana. Dort habe ich zwei Erstliga-Vereine trainiert. Danach nochmal Kiel und dann 2010 Hansa Rostock. Mit Hansa haben wir im ersten Jahr den Aufstieg in die 2. Bundesliga geschafft und in der 2. Liga bin ich am 14. Spieltag entlassen worden.
40 Jahre Fußball, 30 als Trainer – da kommt einiges zusammen...
Ich habe mal alle Spiele zusammengerechnet, habe wohl mehr als 1000 Spiele gecoacht im In- und Ausland. Das ist eine ganze Menge.
Manchmal ist man der Aufstiegsheld, mal der Retter, und dann wieder der, der vor die Tür gesetzt wird. Anstrengend...
Stimmt. Nur bei der letzten Station in Aalen war es etwas ruhiger. Da habe ich gemerkt, dass die Leidenschaft nicht mehr so da ist. So war ich ein Jahr bei Magenta Sport als Experte: Ein überragendes Jahr, weil ich die Fernsehwelt sehr gut von innen kennengelernt habe. Ich hätte das gerne länger gemacht, aber dann kam das Angebot aus Braunschweig – das war ein guter Übergang: Vom Trainer zum Experten und zurück in den Verein. Für mich ist es optimal gelaufen. Dafür bin ich sehr dankbar!
Peter Vollmann, vielen Dank für das Gespräch!

RWL Retro: Ein Blick zurück ins Zweitliga-Abstiegsfrühjahr 1981

Das Frühjahr 2021 ist in Lüdenscheid geprägt vom sportlichen Lockdown. Nichts geht dieser Tage. Vor 40 Jahren, im Frühjahr 1981, kämpfte Rot-Weiß Lüdenscheid in der 2. Fußball-Bundesliga, die zur Saison 81/82 eingleisig werden sollte, um den Klassenerhalt. Es war ein aussichtsloser Kampf, denn für die Qualifikation für die eingleisige 2. Liga wurde eine Wertung mit Ergebnissen der vorherigen fünf Spielzeiten zu Rate gezogen. So lange waren die Rot-Weißen seinerzeit noch gar nicht dabei gewesen. In Erinnerung geblieben ist diese Zweitliga-Zeit dem Fußballfan aber natürlich trotzdem. RWL war der Stolz der Fußballregion in diesen Tagen, auch wenn es am Ende der Spielzeit 80/81 zurück in die Oberliga ging, die damals noch die dritthöchste Spielklasse war. Wir erinnern in einer Serie an die Protagonisten der Zweitliga-Tage. Im ersten Teil der Serie an RWL-Verteidiger Peter Vollmann, der heute Sportdirekter beim Zweitligisten Eintracht Braunschweig ist.

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