Fußball

Paul Scheermann wechselte für 20000 Mark Ablöse zu RWL

Fußballer im Zweikampf
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Paul Scheermann in Aktion: Hier bestreitet er einen Zweikampf mit dem 2019 verstorbenen Manfred Burgsmüller, damals in Diensten von Borussia Dortmund.

Paul Scheermann spielte zu Zweitligazeiten bei RW Lüdenscheid, beendete nach dem Abstieg seine aktive Karriere.

Lüdenscheid – Es sind beeindruckende Zahlen für den Zeitraum von 1972 bis 1981: 39 Pflichtspiele (9 Tore) für den Erstligisten 1. FC Köln, danach insgesamt 269 Einsätze (22 Tore) in der Regionalliga (damals zweithöchste Spielklasse) sowie 2. Liga Süd und Nord für RW Oberhausen, Röchling Völklingen und final RW Lüdenscheid – in knapp zehn Jahren hat Paul Scheermann als Angreifer, Mittelfeldspieler und schließlich Libero im Profibereich viel erlebt. Marc Kusche sprach mit dem heute 72-jährigen gebürtigen Finnentroper, der seit 1977 in der Bergstadt heimisch geworden ist.

Paul Scheermann, das Wichtigste in diesen Zeiten vorweg: Wie geht es Ihnen gesundheitlich?
Natürlich hat die Karriere mit zahlreichen Verletzungen und Operationen ihre Spuren hinterlassen, aber ich kann und will nicht klagen. Ich habe mich im Herbst letzten Jahres mit dem Corona-Virus infiziert, auch meine Frau und unsere drei Töchter angesteckt, aber wir sind alle ohne große Nebenwirkungen durchgekommen. Am Freitag bin ich das zweite Mal geimpft worden, am Samstag geht es für acht Tage in den Urlaub nach Borkum, wo ich hoffentlich miterleben kann, dass mein Herzensverein 1. FC Köln noch den Erstliga-Klassenerhalt schafft.
Apropos 1. FC Köln: Es war Ihre erste Profistation, wie kam es dazu?
Ich habe 1969 ein Sportstudium an der Sporthochschule in Köln begonnen, wo ich dann Gero Bisanz kennengelernt habe, der dort als Dozent arbeitete und dazu die FC-Amateure trainierte. Ich habe bis dahin noch bei der SpVg Finnentrop in der Bezirksliga gekickt, in der Saison 69/70 viele Tore erzielt. Bei den FC-Amateuren habe ich anschließend mittrainiert, 70/71 eine gute Serie gespielt und bin dann zu den Profis gewechselt.
Haben Sie noch Erinnerungen an Ihren ersten Profivertrag?
Aber natürlich: 7500 Mark Handgeld, 1200 Mark Grundgehalt, 500 Mark Auflaufprämie, 700 Mark Siegprämie. Und da ich in meinem ersten Jahr 24 Einsätze hatte und wir als Vierter sehr erfolgreich waren, kamen rund 50 000 Mark zusammen. Das war für mich viel Geld, bei gestandenen Spielern wie Wolfgang Overath ging es natürlich um ganz andere Summen.
Die Saison 72/73 war dann gar noch erfolgreicher...
Für den Verein mit der Vizemeisterschaft und dem Erreichen des DFB-Pokalfinals sicherlich, für mich persönlich aber nicht so. Ich hatte eine Meniskus-OP, die mich arg zurückgeworfen hat. So kam ich letztlich nur auf acht Einsätze, das legendäre Pokalfinale gegen Mönchengladbach mit dem unglaublichen Gladbacher Siegtor von Günter Netzer habe ich von der Ersatzbank verfolgt.
Danach ging es dann eine Liga tiefer...
Das Angebot von RW Oberhausen 1974 habe ich angenommen, weil ich mein Studium in Köln abschließen wollte, und daher einen Verein gesucht habe, der noch halbwegs in der Nähe ist. Als ich mit dem Studium fertig war, ging es 1975 ins Saarland nach Völklingen, wo ich nebenbei für Mitarbeiter des Eisenwerks Völklinger Hütte Sport angeboten habe. Der Verein Röchling Völklingen hat dann aber aus wirtschaftlichen Gründen 1977 die Lizenz zurückgegeben, und so begann das Kapitel Rot-Weiß Lüdenscheid.

Als Ablöse hat RWL 20 000 Mark gezahlt, was in meinen Augen gegenüber anderen Neuzugängen so viel nicht war.

Paul Scheermann
Und zwar wie?
Ich hatte schon vor meiner Zeit in Köln losen Kontakt mit Heinz Claus, der damals noch Obmann beim RSV Höh war. Wir haben dann wieder Kontakt gehabt, inzwischen war er Vorstandsmitglied bei RWL. Meine Prämisse war im Zuge eines Wechsels, dass ich die Möglichkeit bekomme, in den Schuldienst übernommen zu werden, was letztlich auch am Geschwister-Scholl-Gymnasium geklappt hat mit Sport und später auch Erdkunde. Und bevor Sie fragen: Als Ablöse hat RWL 20 000 Mark gezahlt, was in meinen Augen gegenüber anderen Neuzugängen so viel nicht war.
Letztlich haben Sie alle vier Spielzeiten von RWL in der 2. Liga mitgewirkt, was ist besonders hängen geblieben?
Ach, da gibt es so viel, das würde Bücher füllen. Sportlich lief es mal gut, mal schlechter, man hat viele verschiedene Charaktere kennengelernt, das hat geprägt. Viele Freundschaften sind entstanden, die man heute noch in unregelmäßigen Abständen pflegt. Übrigens auch mit ehemaligen Kollegen aus meinen vorangegangenen Vereinen. Auch Anekdoten gibt es im Überfluss, die, das gebe ich gerne zu, auch nicht immer jugendfrei oder für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Gern erinnere ich mich aber an ein Trainingslager in Herzogenaurach. wo für uns Spieler Alkohol absolut tabu war. Mein Zimmerkollege Bernd Schäfer und ich haben uns einen Abend aber übers Zimmertelefon an der Bar einen Schlaftrunk bestellt – und wer hat uns den gebracht? Unser damaliger Trainer Klaus Hilpert kam mit einem Tablett und sagte mit süffisantem Lächeln ‘Prost’. Nicht immer einfach war es, auch den Schuldienst, damals auch noch am Samstag, mit Auswärtsspielen unter einen Hut zu kriegen. Nicht nur einmal bin ich der Mannschaft nachgereist, unter anderem zu einem Spiel in Herford mit einem kleinen Flugzeug von Meinerzhagen aus.
Mit dem Abstieg 1981 endete dann auch ihre aktive Karriere...
Der Körper machte einfach nicht mehr mit, und so war, wenn auch schweren Herzens, mit 32 Jahren Schluss. Zumindest bei den Altherren habe ich dann aber noch weiter gekickt.
Und es folgten ja auch noch weitere Tätigkeiten bei RWL...
Ich habe ein Jahr die A-Jugend trainiert, 1985/86 noch die ‘Erste“, ehe Reiner Hollmann als Spielertrainer übernommen hat. Sportlich lief es zu dieser Zeit nicht gut, es gab viele Anfeindungen gegen meine Person, die mich hart getroffen haben, sodass ich zurückgetreten bin. Als Sportlicher Leiter bin ich dann zu Ober- und Verbandsligazeiten noch bis 1997 tätig gewesen, habe mich gemeinsam mit Obmann Klaus Eick um Spielerverpflichtungen und alles, was sonst noch so dazugehört, gekümmert. Nach dem Steuerskandal 1996 sind dann aber viele unschöne Dinge passiert, auf die ich jedoch nicht eingehen werde. Fakt ist, dass ich ein Jahr später aufgehört habe, mit dem Verein regelrecht gebrochen und meine Mitgliedschaft gekündigt habe.
Wie verfolgen Sie den Verein seitdem?
Ohne großen Emotion, auch Spiele schaue ich mir nur ganz selten an. Nichtsdestotrotz würde ich mich freuen, wenn es wieder nach oben geht, der Landesliga-Aufstieg war ja ein erster Schritt.
Und womit vertreiben Sie sich heute die Zeit?
Ich bin 2013 pensioniert worden, reise viel. Und im Rahmen dessen, was die Gelenke und Knie noch möglich machen, gehören Radfahren und Skilaufen auch zu meinen Hobbys.
Paul Scheermann, vielen Dank für das Gespräch!

Kapitel 2. Liga endet in Köln mit 0:3-Niederlage und einem Eigentor

Im Sportpark Höhenberg ging für die Rot-Weißen am 30. Mai 1981 die Spielzeit zu Ende. Was zu diesem Zeitpunkt keiner ahnen konnte: Es sollte auch das letzte Kapitel in der Zweitliga-Historie von RWL gewesen sein.

Zu Gast war die Mannschaft von Trainer Günter Luttrop (ohne Paul Scheermann, der sich eine Woche zuvor verletzt hatte) an diesem Samstagnachmittag im Kölner Sportpark Höhenberg, musste sich am finalen 42. Spieltag beim SC Viktoria 04 Köln mit 0:3 geschlagen geben. Nach einer noch torlosen ersten Halbzeit durften die Heimfans unter den 1000 Zuschauern am Ende noch einen klaren Sieg bejubeln, wobei der Endstand aus einem Eigentor von Lüdenscheids Gerhard Busch in der Schlussminute resultierte. Der Sieg half den Domstädtern allerdings nicht mehr, denn als Elfter stiegen sie ebenso ab wie die Nattenberg-Kicker, die im Abschlussklassement der 22 Teams Rang 20 belegten Ku

Viktoria Köln: Holubeck – Ochmann, Albert, Aussem, Großmann (63. Jonik) – Offermanns, Joachimsmeier, Witt, Segler – Künkel, Brücken (70. Cremer) – Trainer: Ernst-Günter Habig

RW Lüdenscheid: Giese – Oehler, Busch, Vollmann, Wischniewski – Wrede, Alfes, Holtkamp (63. Gärtner), Petkovic – Hadifar, Helmes – Trainer: Günter Luttrop

Schiedsrichter: Paul Nolte (Alfeld)

Tore: 1:0 (50.) Ochmann, 2:0 (86.) Witt, 3:0 (90./Eigentor) Busch

Zuschauer: 1000

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