4. NRW-Landesturnfest

LVG: Fahnenträger ohne Fahne in Hamm

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Die Tänzerinnen der DJK Eintracht im Festzug.

Hamm – Sonniger Auftakt, aber abruptes Ende der Eröffnungsveranstaltung beim 4. NRW-Landesturnfest in Hamm: Die angekündigten Gewitter machen erst einmal einen Bogen um die Westfalenmetropole, und so ziehen die Teilnehmer des Turnfestes und der Special Olympics NRW gemeinsam bei strahlendem Sonnenschein vom Hammer Rathaus zur Pauluskirche, vor der die Bühne steht, die später am Abend von Guildo Horn gerockt werden soll. Noch vor Horn kommen dann aber auch die düsteren Wolken in Hamm an, die Blitze und der Regen... Keine Entzündung der Turnfestfackel, kein Guildo Horn, der Auftakt bietet ein Lichtspektakel am Himmel, allerdings eines, das sich keiner gewünscht hat.

Beim Fahnenumzug ist davon höchstens etwas zu ahnen. Das Wetter nähert sich ja von Westen... Fahnenumzüge gehören zum Auftakt eines jeden Turnfestes dazu. Sie sind eine Art Warm-up für das, was folgt. Die Reden zur Eröffnung, den Spaß und die Party auf dem Marktplatz. Und natürlich die Wettkämpfe, die am Donnerstag Fahrt aufnehmen werden. Aber Fahnenumzüge sind keine Massenveranstaltungen mehr. Auch in Hamm ist die Zahl der Sportler, die hinter einer Musikgruppe aus Hamm herlaufen und alte Fahnen in die Luft halten, längst nicht so groß wie in früheren Tagen. 

Aus dem Lenne-Volme-Turngau ist sie sogar verschwindend gering. Es haben sich im Vorfeld fünf Vereine für den Festzug angemeldet: der TSV Kierspe, der TuS Meinerzhagen, der TV Jahn Plettenberg, TuRa Eggenscheid und der TV Leifringhausen. Wer sich anmeldet, bekommt am Ende ein Fahnenband. Auch das gehört dazu, an der Fahne hängt mit jedem Band gewichtig die Vergangenheit. Stolz ist der Verein, bei dem keinen Fahnenband eines Turnfestes fehlt. Tatsächlich trägt allerdings nur Leo Naschilewski das vorbereitete Schild mit dem Schriftzug „TV Leifringhausen“ durch die Stadt. Der TVL-Vorsitzende hat so manchen Trendsport in seinem Verein und ist trotzdem, ohne ihm damit zu nahe zu treten, ein Traditionalist der Turnbewegung. 

Leo Naschilewski, Fahnenträger des TV Leifringhausen.

„Manchmal fragt man sich, wofür man das noch macht“, stellt Naschilewski mit Blick auf die Beteiligung am Zug fest. Und sein Blick sagt: Wo sind denn die, die ein Fahnenband haben, aber dafür nicht im Zug mitlaufen wollen? Der Lüdenscheider ist eigens für den Festzug und die Eröffnung angereist. Der TV Leifringhausen stellt in diesem Jahr drei Aktive, die aber nicht die komplette Turnfestdauer in Hamm verbringen. Sie reisen nur für den Wahlwettkampf am Freitag an. Auch für Naschilewski geht es noch am Abend zurück in die Bergstadt. 

So kommt der eine 80 Kilometer angefahren, weil ihm ein Turnfestzug wichtig ist, und das Fahnenband für seinen Verein auch. Andere sind da, aber das Interesse am Zug ist gering. Und dann ist da noch die Lennetalbrücke auf der A45. 45 Minuten Wartezeit zwischen Lüdenscheid-Nord und Schwerte-Westhofen, ein Unfall, Bergungsarbeiten. Die Aktiven des TSV Kierspe, die nach dem Umzug gut gelaunt am Marktplatz vor der Bühne feiern, haben drei Stunden gebraucht von Kierspe bis in die Hammer Friedensschule, in der sie ihr Quartier bezogen haben. Abfahrt 15 Uhr, Ankunft: zu spät für eine Teilnahme am Festzug. 

Auch der TuS Meinerzhagen, der TV Jahn Plettenberg und TuRa Eggenscheid fehlen auf dem Weg vom Rathaus zur Pauluskirche. Auch sie mögen im Stau gestanden haben. Karl-Heinz Macher aber fehlt aus einem anderen Grund: Macher, der die LVG-Fahne schon durch Frankfurt getragen hat, durch Leipzig, München und Berlin, durch Gütersloh und Siegen, der eine Art ewiger Fahnenträger des LVG zu sein scheint, erwartet den Festzug am Marktplatz. Er ist ein verhinderter Fahnenträger, weil die Fahne des Lenne-Volme-Turngaus es nicht rechtzeitig nach Hamm geschafft hat. 

Der TSV Kierspe bei der Eröffnungsfeier auf dem Marktplatz.

„Ich habe das beim Gau-turntag angesprochen“, sagt Macher, „doch unser Gauvorsitzender Thorsten Gödde kommt erst am Donnerstag, und die Plettenberger haben die Fahne wohl nicht mitbringen wollen. Auf jeden Fall ist sie nicht da.“ Es ist nicht die einzige Fahne, die an diesem schwül-warmen Sommerabend in der Stadt an der Lippe fehlt. Ganz alleine gehen muss Naschilewski („Ich bin doch extra gekommen, um Karl-Heinz zu unterstützen…“) nicht. 

Die jungen Tänzerinnen der DJK Eintracht Lüdenscheid haben das Eggenscheider Schild kurzfristig umgestaltet und DJK Eintracht Lüdenscheid darauf geschrieben. Sie haben sich nicht angemeldet, sie tragen kein Fahnenband, aber sie sind dabei, winken, tanzen, posieren mit einem Maskottchen im Bärenkostüm. Später am Abend stehen sie auf der Bühne, jedenfalls die Tänzerinnen der „NewGymTaKids1“: Zwischen Grußworten und dem Hauptact Guildo Horn entern sie diese Bühne und tanzen die „Reise ins Glück“. Vor großem Publikum, der Marktplatz ist rappelvoll mit gut gelaunten Sportlern. Es ist noch trocken. Das Gewitter kommt später und mit ihm der Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann, der den ersten Abend vorzeitig beenden wird. Die DJK-Tänzerinnen haben noch ihren Spaß und bekommen viel Applaus. Vielleicht ist das schon ihr Highlight gewesen für diese Turnfesttage in Hamm. Viel mehr kann eigentlich nicht mehr kommen…

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