Der Dauerbrenner im Reineckestadion

„Einmal VfB, immer VfB“

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Der direkte Wiederaufstieg der Burgstädter in der Saison 17/18 als B-Liga-„Vize“ war zugleich auch der sportliche Höhepunkt für Nick Westerwell.

Fußballer, die mehr als ein Jahrzehnt für ein und den selben Verein auflaufen, sie werden seltener. Bei Nick Westerwell sieht das anders aus. Wesentlich anders sogar. In diesem Jahr macht der 31-Jährige, der in seiner Laufbahn noch nie den Verein gewechselt hat, ein Vierteljahrhundert voll beim VfB Altena. „Einmal VfB, immer VfB“, sagt Westerwell, „und den Verein wechseln werde ich jetzt auch nicht mehr.“

Altena -  Wer kennt sie nicht, diese Gesten, wenn sich Spieler, egal ob Profi oder Amateur, nach einem Torerfolg mehrfach auf die linke Seite der Brust klopfen oder vor den Fans das auf dem Trikot aufgedruckte oder eingenähte Vereinslogo küssen und signalisieren: „Das ist mein Verein!“ Nicht selten sind diese Spieler ein paar Spielzeiten – wenn überhaupt in diesem schnelllebigen Geschäft – nicht mehr da, sondern klopfen längst anderswo auf Vereinswappen. Und nicht selten wechseln sie dorthin, wo am Monatsende der Umschlag ein wenig dicker ist als beim vorherigen Verein.

„Ich kann total verstehen, wenn Spieler wechseln, wenn sie ein Angebot von einem höherklassigen Verein haben. Was ich nicht verstehen kann, das ist ein Wechsel zu einem Verein, der in der gleichen Liga spielt, nur weil man irgendwo zehn Euro mehr bekommt“, sagt Westerwell. Nach dem Altenaer, der nur unweit des Reineckestadions wohnt, streckte „vor ein paar Jahren“ der eine oder andere höherklassig spielende Klub die Fühler aus, Westerwell aber sagte ab und blieb bei „seinem“ VfB. „Ich fühle mich hier einfach wohl, hier sind meine Freunde, ich bin in dieser Stadt groß geworden. Und sonntags haben wir beim VfB mehr Zuschauer als so mancher Bezirks- oder Landesligist“, sagt Nick Westerwell.

Im Alter von sechs Jahren nahm ihn sein Vater Klaus, der seit Jahren Vorsitzender der Blau-Weißen ist, mit zum VfB. Sohn Nick gefiel’s – und er blieb bis heute. „Ich habe alle Jugendmannschaften durchlaufen und bin mit 17 Jahren hoch zur 1. Mannschaft, für die ich seitdem spiele. Meine Eltern haben mich jahrelang begleitet – und machen es immer noch“, sagt der 31-Jährige, der im Juni seine Miriam heiratete und seit zwei Monaten stolzer Familienvater ist. „Wir haben einen Sohn. Für Nachwuchs beim VfB ist also gesorgt“, sagt Nick Westerwell – und kann sich ein Lachen nicht verkneifen.

Weil ihm seine Frau den Rücken freihält, wird Nick Westerwell seine Laufbahn beim VfB noch fortsetzen. „Zwei, drei Jahre gehen noch“, sagt der 31-jährige Verteidiger, dessen Stärke das Kopfballspiel ist. Und was sind die Schwächen? „Meine Schwächen“, sagt Nick Westerwell erst nachdenklich, dann lachend, „meine Schwäche ist mittlerweile die Geschwindigkeit.“ Die Fußballschuhe an den berühmten Nagel hängen möchte der Defensiveckpfeiler nicht, wenn er nach besagten weiteren zwei, drei Jahren aus dem A-Liga-Kader des VfB ausscheiden wird. „Ich werde dann bei unseren Altherren weitermachen“, sagt Nick Westerwell, der in nun 25 Jahren bei den Blau-Weißen so manche Höhen und Tiefen erlebt hat.

Sportlicher Tiefpunkt war für den 31-Jährigen der Abstieg aus dem Lüdenscheider Kreisoberhaus, als sich die Burgstädter nach einer völlig verkorksten Saison 16/17 noch in die Relegation retten konnten, am Dickenberg dann aber vor und 700 Zuschauern gegen den damaligen B-Liga-Vizemeister SC Lüdenscheid II mit 1:4 unterlegen waren. „Ich war damals Kapitän. Und es war für mich ganz klar, dass ich mit der Mannschaft zurück wollte in die A-Liga. Und das hat ja auch direkt geklappt“, blickt Nick Westerwell in den Rückspiegel. Der direkte Wiederaufstieg der Burgstädter in der Saison 17/18 als B-Liga-„Vize“ war zugleich auch der sportliche Höhepunkt für Kapitän Westerwell. „Der Wiederaufstieg am Schützenfestwochenende in Altena – das war unbeschreiblich“, so der VfB-Dauerbrenner.

Dass es in der laufenden Spielzeit – trotz namhafter Verstärkungen im Sommer – noch nicht rund läuft beim VfB, das wurmt den dienstältesten Akteur im Team natürlich sehr. „Wir stehen momentan schlechter da, als wir sind. Ich habe noch keinen Gegner gesehen, der uns an die Wand gespielt hat. Aus meiner Sicht gehören wir uns im obere Tabellendrittel“, sagt der 31-Jährige. Es ist also einmal mehr Zeit beim VfB, die Ärmel hochzukrempeln. Nick Westerwell wird genau das tun. So wie in den vergangenen 25 Jahren auch...

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