„Die Vereine haben ganz andere Probleme“

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Eine Portion Pommes mit Ketchup gehört zum Sport dazu. Doch die „rote Soße“ enthält auch Gewürzextrakte, unter anderem ausweisungspflichtigen Sellerie.

Kreisgebiet - Die Kuchentheke oder die Frikadellen im Brötchen gehören zum Alltag der Sportvereine im Kreis. Der Verkauf von Speisen stellt für viele Vereine eine wichtige Einnahmequelle dar. Eine neue Verordnung der EU soll nun die Abgabe von Lebensmitteln genauer regulieren – davon ist auch das Catering der Sportvereine betroffen.

Von Martin Meyer

Die am 13. Dezember 2014 in Kraft getretene sogenannte Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV-EU-Verodung Nr. 1169/ 2011) schreibt vor, dass auf bestimmte Inhaltsstoffe in Speisen und Getränken hingewiesen werden muss. Die Verordnung listet insgesamt 14 Zutaten auf, die Allergien oder Unverträglichkeiten auslösen können. Hierzu zählen unter anderem glutenhaltiges Getreide, Eier und Milch.

Ob beim Sommerfest oder in der Halbzeitpause – die Deklarationspflicht für diese Inhaltsstoffe trifft alle Vereine, selbst wenn die Speisen nur an Mitglieder abgegeben werden. Ziel der Verordnung ist es, den Verbraucherschutz zu verbessern und damit Menschen, die von Allergien oder Unverträglichkeiten betroffen sind, zu schützen.

Bei Verstößen droht ein Bußgeld, dessen Höhe sich nach dem gewerblichen Erfolg der jeweiligen Veranstaltung richtet, heißt es seitens des Kreisgesundheitsamtes, das für die Lebensmittelüberwachung zuständig ist.

„Unsere oberste Priorität liegt aber im gewerblichen Bereich. Wir haben nicht die Kapazitäten, um jeden Kuchenstand zu kontrollieren. Außerdem wollen wir solche Veranstalten nicht kaputt-regulieren“, sagt eine Kreis-Sprecherin.

In der Praxis soll nun auf Grundlage einer nationalen Durchführungsverordnung durch Schilder auf den Lebensmitteln auf die Zutaten hingewiesen werden. „Wir haben zu diesem Thema Informationsmaterial an die Vereine geschickt. Doch bislang hat noch kein Sportverein bei uns nachgefragt oder eine Rückmeldung gegeben“, sagt Sebastian Pahlke, Geschäftsführer des Kreissportbundes Märkischer Kreis.

Die neue EU-Verordnung sieht Pahlke kritisch: „Sportvereine müssen sich als öffentliche Organisationen auch an Gesetze halten. Dennoch sollte man auch die Kirche im Dorf lassen. Es müssen Ermessensspielräume geschaffen und die Umsetzbarkeit der Verordnung geprüft werden.“

Leere Vereinskassen oder der Mangel an ehrenamtlichen Helfern – das seien die wichtigeren Aufgaben, mit denen sich die Sportvereine auseinander setzen müssen, sagt Pahlke: „Die Vereine haben ganz andere Probleme. Sie müssen eher die Mütter finden, die sich freiwillig sonntags drei Stunden hinter den Kuchenstand stellen, als sich Gedanken über die Auflistung der Inhaltsstoffe zu machen. Da ist eine gewisse Verärgerung auf Seiten der Sportler über diese Verordnung verständlich.“

Keine Bauchschmerzen beim LTV 61

Ohne Bauchschmerzen nimmt man hingegen die Verordnung aus Brüssel beim Lüdenscheider Turnverein von 1861 auf, der am nächsten Wochenende einer der Ausrichter des 26. RWE-Wintercups ist.

„Ich sehe da keine Probleme, diese Vorschriften umzusetzen“, sagt Thomas Gabel, Leiter der Fußballabteilung und Vertreter des Vereinsbeirats. „Unsere Cateringmitarbeiter haben alle ein Gesundheitszeugnis und sind im Umgang mit Lebensmitteln geschult“, sagt Gabel weiter und verweist auf eine Sitzung des LTV 61, bei der in der kommenden Woche das Thema in der Tagesordnung stehen soll. Danach sollen entsprechende Zutatenlisten erstellt und gebenenfalls die Mitarbeiter entsprechend geschult werden.

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