Turnen 21

Nationale Titelkämpfe in Leipzig: Basis zwischen Hoffnung und Skepsis

Tanz-Formation
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Wenn das Multisportevent „Turnen 21“ im Mai tatsächlich in Leipzig steigen sollte, dann wollen die Gymnastik & Tanz-Formationen aus Meinerzhagen bei den Deutschen Meisterschaften auch ein Wörtchen mitsprechen.

Der Deutsche Turner-Bund plant als Ersatz fürs Deutsche Turnfest für die Zeit vom 13. bis 16. Mai die Veranstaltung „Turnen 21“, bei der Deutsche Meister in neun Sportarten ermittelt werden sollen. Auch der LVG könnte in Leipzig dabei sein.

Kreisgebiet – Als die Organisatoren sich der Pandemie beugten und im Oktober das Deutsche Turnfest 2021 in Leipzig absagten, da hatten bereits 18 184 Aktive aus 1039 Vereinen gemeldet. Das Gros davon muss nun auf das Jahr 2025 warten, wenn Leipzig sich erneut als Gastgeber für die Turnbewegung bereithält.

In der Zeit vom 13. bis zum 16. Mai 2021 indes soll in Leipzig trotzdem ein besonderes Turn-Event stattfinden. Viel kleiner, viel elitärer: Unter dem Namen „Turnen 21“ plant der Deutsche Turner-Bund die zentrale Ausrichtung von Deutschen Meisterschaften in neun Sportarten, die unter dem DTB-Dach zu Hause sind. Die Leipziger Messe und das Stadion des Friedens sollen die Schauplätze  für diese nationalen Titelkämpfe sein.

Im Lenne-Volme-Gau hat vor allem die Gymnastik & Tanz-Abteilung des TuS Meinerzhagen das Multisportevent im Blick: Wenn die Pandemie im Mai Wettkämpfe in der sächsischen Metropole zulassen sollte, dann werden wohl auch die Formation aus dem oberen Volmetal in den Messehallen aufs Parkett gehen.

Nationale Titelkämpfe in Leipzig: Basis zwischen Hoffnung und Skepsis

„Ich denke, dass es in Leipzig nur auf die Deutschen Meisterschaften in der Sparte Gymnastik & Tanz hinausläuft, nicht für die Kleingruppen und die Sparte DTB-Dance“, sagt Sinja Lipsewers. Die Erfolgstrainerin und Abteilungsleiterin des TuS hat gerade in ihrem Verein die Dinge neu sortieren müssen. Das Jahr 2020 war ein Jahr, in dem die Formationen des TuS gerade gut ein Drittel der Zeit in der Sporthalle trainieren konnten. Keine Wettkämpfe, dazu der durch personelle Veränderungen übliche Umbau von Formationen.

„Der wäre auch so passiert ohne Corona“, sagt Lipsewers. Sie selbst trainiert inzwischen gemeinsam mit Charlotte Laufer das  Across-Team. Ein großes Nachwuchsteam, aus dem mehrere Formationen in die Wettkämpfe gehen sollen. Unter anderem die in der Vergangenheit auf nationaler Ebene sehr erfolgreiche Formation „Beyond“, für die bei einer Deutschen Meisterschaft in Leipzig die Masters-Wettkämpfe Pflicht wären, für die Formationen „Around“ und „Into“ würde sich noch die Frage stellen, ob sie bei den Masters oder in der Challenge antreten würden. Die „Little Ladies“ wären fest für die Challenge gebucht. Dazukommen soll in der 18+-Klasse eine Formation, die sich aus Tänzerinnen der ehemaligen Erfolgsformationen „Between“ und „Up!“ zusammensetzt – der  Name dieses Teams ist allerdings noch offen.

Für Lipsewers, die daneben die Saison auch für die Sparte DTB-Dance und die Kleingruppen (hier startet noch ein „Between“-Team) plant, stellen sich indes andere Fragen: Deutsche Meisterschaften ohne eine Generalprobe – das wäre nicht optimal. Ein erster für Anfang Februar anberaumter Wettkampf in Bochum wird Corona-bedingt nicht stattfinden. Lipsewers hofft indes, dass es trotzdem noch vor Mai einen Landesentscheid in Westfalen gibt.

Natürlich würden wir eine Nominierung für die Meisterschaften auch ohne diesen Landesentscheid annehmen, aber ich hoffe ganz stark, dass es einen gibt. Nach so langer Zeit ist es schwer zu beurteilen, wo die Formationen stehen

Sinja Lipsewers (TuS Meinerzhagen)

„Natürlich würden wir eine Nominierung für die Meisterschaften, wenn die Wahl auf uns fallen sollte, auch ohne diesen Landesentscheid annehmen“, sagt die Meinerzhagenerin, „aber ich hoffe ganz stark, dass es einen gibt. Nach so langer Zeit ist es schwer zu beurteilen, wo die Formationen stehen.“ Ganz nebenbei wäre ein bisschen  Wettkampfpraxis auch eine sehr gute Idee.

Bevor es mit Wettkämpfen losgeht, müsste allerdings erst einmal das Training wieder losgehen – ein Termin ist derweil noch nicht absehbar. Deshalb ist der Blick auf das Event „Turnen 21“ bei den Turnern selbst auch kein intensiver. „Wettkämpfe im Mai?“, fragt Uwe Hütz, Turntrainer des TSV Kierspe, „das halte ich nach dieser langen Pause für illusorisch. Gerade beim Turnen wird man nach dieser langen Pause Zeit brauchen, um so vernünftig aufzutrainieren, dass das Verletzungsrisiko nicht zu groß ist. Selbst erfahrene Turner wird man da zu Beginn erst einmal bremsen müssen.“

Die Kiersper haben mit Steffen Berg, Tobias Langwald oder Sam Scholz starke Turner, die im Rahmen der Deutschen Mehrkampfmeisterschaft für einen Deutschen Achtkampf (vier Disziplinen Turnen, vier Disziplinen Leichtathletik) in Frage kämen. Ein realistischer Ansatz? Uwe Hütz glaubt das im Moment nicht. „Ich denke, wir sollten erst einmal richtig ins Training zurückkehren – und wenn wir mal wieder einen Winter gut durchtrainiert haben, dann kann man sich guten Gewissens Gedanken machen, die Aktiven wieder zu Wettkämpfen zu melden.“

Jahn-Mehrkämpfe folgen erst im Herbst an anderem Ort

Für die Mehrkämpferinnen und Mehrkämpfer des TV Jahn Plettenberg und des TuS Grünewald Lüdenscheid wird sich die Leipzig-Frage wohl eher nicht stellen, denn diese Vereine haben ihre Aktiven in der Vergangenheit vor allem in Jahn-Mehrkämpfen (ein Drittel Turnen, ein Drittel Leichtathletik, ein Drittel Schwimmen) an den Start geschickt.

Alle Wettkämpfe mit einem Schwimm-Anteil indes werden bei der Veranstaltung „Turnen 21“ nicht berücksichtigt. „Die Deutschen Meisterschaften in den Jahnkämpfen werden wohl erst wie üblich im September stattfinden“, sagt Gerhard Garske vom TuS Grünewald, „diese Wettkämpfe werden dann natürlich auch etwas zum Beispiel für die Waimann-Schwestern oder Wiebke Fritsch sein.“

Im Plettenberger Lager ist die Motivation, Wettkämpfe zu bestreiten, zwar grundsätzlich groß, so dass Trainer Jan Gleitze auch den Start von Jahnmehrkämpfern bei den Deutschen Mehrkämpfen für eine Option hielte. „Aber mir fehlt im Moment der Glaube daran, dass diese Wettkämpfe überhaupt stattfinden. Ich bin da sehr skeptisch“, sagt Gleitze, „erst mal müsste man frühzeitig wieder in die Halle kommen. Das sehe ich im Moment nicht.“

Bewährte Mehrkämpfer wie Pia Stemski, Jan Grewe, Julian Stremel, Carl Hesmer, Sam Ghaziani oder auch als Neuling Jannis Föste könnte sich Gleitze gut vorstellen bei nationalen Titelkämpfen, allein, um wieder ein Ziel zu haben im Training. Ein Ziel sei so wichtig. „Man spürt, wie träge die Leute werden“, sagt Gleitze. Leipzig wäre gut gegen diese Trägheit. Aber für realistisch hält er Leipzig und dieses Ziel nicht.

Neun Deutsche Meisterschaften an einem Ort

An den Veranstaltungsstätten Leipziger Messe und Stadion des Friedens sollen an dem Wochenende, an dem das Turnfest stattgefunden hätte, neun Deutsche Meisterschaften (Jugend bis Senioren) in folgenden Sportarten ausgetragen werden:
- Gerätturnen
- Rhytmische Sportgymnastik
- Trampolinturnen
- Aerobicturnen
- Deutsche Mehrkampfmeisterschaften (ohne Jahnkämpfe, Friesenkämpfe und schwimmerische Mehrkämpfe)
- Gymnastik & Tanz
- Rhönradturnen
- Rope Skipping
- Turn(er)jugend-Gruppenmeisterschaft/Turn(er)jugend-Gruppenwettkämpfe (ohne Disziplinen Schwimmen und Singen)

Zudem sind die Bundesfinals in den Wettbewerben Rendezvous der Besten und Tuju-Stars geplant.

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