Sportpolitik

Nach der Flut: Verwaltung stellt Naturrasen für Winkhausen in Aussicht

Der Sportausschuss der Stadt Lüdenscheid begutachtete die Schäden in Winkhausen.
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Ortstermin direkt auf dem „Desaster“: Der Sportausschuss der Stadt Lüdenscheid begutachtete die Schäden in Winkhausen.

Wie hoch ist der finanzielle Schaden und wie schnell kann er behoben werden? Welche Perspektive kann die Politik vor allem den Kickern des „Hausherren“ TuRa Brügge geben? Dies waren am Donnerstag einige der wichtigsten Fragen, die im Lüdenscheider Sportausschuss zu klären waren.

Brügge - Das Gremium hatte sich zunächst genau dort getroffen, wo „das Desaster“, wie Ausschussvorsitzender Michael Meyer (CDU) es nannte, am deutlichsten wird: nämlich auf dem Kunstrasenplatz in Winkhausen selbst – besser: auf dem, was von ihm übrig geblieben ist. Nach der etwa einstündigen Ortsbesichtigung war denn auch klar: Der Schaden ist enorm. Auf 600 000 Euro bezifferte ihn ein Gutachter aus Osnabrück, der sich den Platz am 26. Juli genauer angesehen hatte – als einen von gleich zehn Anlagen, die er infolge der Jahrhundertflut unter die Lupe nahm. „Die Schadensbilder ähnelten sich dabei alle“, berichtete Dierk Gelhausen vom Fachdienst Schule und Sport. Der Belag wellte sich und löste sich vom Untergrund. Das Drainagesystem: ein Totalschaden – wenngleich die Entwässerung noch einigermaßen funktioniere und auch dafür gesorgt habe, dass die schlimmsten Verkrustungen, die zunächst sichtbar waren, fortgespült wurden. Inwieweit sich Schadstoffe im Platz abgesetzt haben, sei noch nicht endgültig geklärt, wie Thomas Meilwes vom Fachdienst Umwelt der Stadtverwaltung auf Anfrage von Andreas Stach (Bündnis 90/Die Grünen) ergänzte. Deshalb riet er bei der Benennung einer Schadenshöhe zur Vorsicht: In den genannten 600 000 Euro sei die Entsorgung des Platzes grundsätzlich zwar enthalten, unklar sei aber, ob Schadstoffe letztlich für noch höhere Kosten sorgen könnten. Entsorgung und Neubau sollen im besten Fall mithilfe von Fördermitteln bezahlt werden, die Land und Bund für die von der Flut betroffenen Kommunen zur Verfügung stellen wollen. Und NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach (CDU) habe das Geld bereits in Aussicht gestellt, sodass sich Fachbereichsleiter Matthias Reuver optimistisch zeigte, das Projekt finanzieren zu können.

Die Fußballer, allen voran die von TuRa Brügge, können indes nur fassungslos auf das schauen, was einst ihre sportliche Heimat war. Die Elementarschäden am 2001 erbauten Vereinsheim werde die Versicherung klaglos zahlen, sagte Rüdiger Ochel, Kassierer der TuRa, im Rahmen der Ortsbesichtigung. Doch das, was den Verein sportlich ausmacht, ist derzeit nicht nutzbar: Und wann die 2011 von der Stadt als Kunstrasenplatz erbaute Anlage wieder genutzt werden kann, ist weiterhin unklar. Bis dahin – und dafür sprach Rüdiger Ochel seinen Dank aus – werden die Winkhausen-Kicker auf andere Anlagen im Stadtgebiet ausweichen können. „Uns fehlt ganz einfach eine Perspektive!“, betonte Ochel.

Fest steht nun aber immerhin, welche Art des Neubaus sich die Verwaltung wünscht: Wie Matthias Reuver erklärte, soll die Wahl auf einen Naturrasen fallen, winterfest, mit bis zu 1000 Nutzungsstunden pro Jahr. Das, so räumte Dierk Gelhausen ein, sei zwar bedeutend weniger als ein weitaus intensiver, weil ganzjährig zu nutzender Kunstrasenplatz (circa 3000 Stunden). Doch sei Naturrasen bei erneut auftretenden Hochwasserereignissen weitaus kostengünstiger abzutragen und neu anzulegen, kurzum: nachhaltiger. Und: Man könne trotz dieser geringeren Stundenkontingente weiterhin allen Nutzern der Anlage gerecht werden. Genutzt wird der Platz normalerweise nicht nur von den Fußballern von TuRa Brügge, sondern auch von denen des FFC und von Portugues Lüdenscheid sowie des FC Maroc und des Fußballkreises. Die Pflege eines Naturrasens sei dabei nicht viel aufwendiger als die eines Kunstrasenplatzes. Wichtig sei jedoch eine bewusste Trainingssteuerung (etwa durch das Verschieben der Tore) und der Einsatz von Mährobotern.

Einen Beschluss fasste der Ausschuss am Donnerstag zwar nicht, doch zeigte sich das Gremium mehrheitlich mit den Plänen der Verwaltung einverstanden. Bedenken gegen einen Naturrasenplatz äußerte lediglich CDU-Ratsherr Mert Can Cetin, der für die Fußballer eine höhere Belastung und Wettbewerbsnachteile befürchtete, weil diese auf anderen Plätzen in der Regel auf Kunstrasen spielen müssten. Sein Parteikollege Michael Dregger konnte diese Sorge aber nicht nachvollziehen: „Wenn ein Naturrasenplatz gut gepflegt ist, unterscheidet sich das Spiel auf ihm nicht mehr von dem auf einem Kunstrasenplatz.“ Aber ja, so Dregger: Es sei durch den tieferen Boden etwas anstrengender.

TuRa-Kassierer Rüdiger Ochel indes machte keinen Hehl daraus, dass sein Verein einen Überflutungsschutz bevorzugt. Er erklärte den Ausschussmitgliedern, welchen Weg das Wasser am 14. Juli genommen habe – und wie es möglicherweise einzudämmen wäre. Und auch Michael Dregger wollte wissen, ob ein Hochwasserschutz nicht ebenfalls eine Lösung wäre. Doch Umwelt-Experte Thomas Meilwes dämpfte die Erwartungen in der anschließenden Sitzung des Ausschusses im Brügger Feuerwehrgerätehaus: „Die Untere Wasserbehörde würde einer Verengung des Wasserflusses, die dadurch entstehen würde, aller Voraussicht nach nicht zustimmen.“ Vielmehr setze die Behörde ganz bewusst auf eine Verlangsamung des Wasserstroms durch Ausweichen in die Fläche. Und das heißt in Winkhausen fortan wohl weiterhin: Flutung des Fußballplatzes – der dann aber aus Naturrasen bestehen dürfte.

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