Deutsche Junioren-Meisterschaft

Motocross: Lüdenscheider Julius Riepegerste startet durch

Motocross-Fahrer im schnee
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Julius Riepegerste und seine 250er-Honda im Sauerländer Schnee: Der 16-jährige Lüdenscheider will in diesem Jahr seine Premiere bei der Deutschen Junioren-Meisterschaft feiern. Die Saison beginnt am 1. Mai in Kamp-Lintfort.

Für den 16-jährigen Lüdenscheider Julius Riepegerste wird das Jahr 2021 ein besonderes Rennsportjahr: Er startet auf seiner Honda erstmals bei der Deutschen Junioren-Meisterschaft im Motocross.

Lüdenscheid – „Nach Rügen habe ich schon immer mal gewollt“, sagt Jan Riepegerste und lacht. Nun sollte es am zweiten Juni-Wochenende klappen, denn dann macht die Deutsche Junioren-Meisterschaft der 250-Kubikzentimeter-Klasse im Motocross Station auf der flächengrößten und bevölkerungsreichsten Insel Deutschlands. Und da Julius Riepegerste in diesem Jahr seine Premiere in dieser starken nationalen Rennserie feiert, wird Vater Jan wohl auch mitreisen zum sandigen Ring am Rugard in Bergen auf Rügen.

Am Samstag hat der Verband die fünf Termine für die Deutsche Meisterschaft der Junioren veröffentlicht, und damit dürfen die Planungen auch in Lüdenscheid bei Familie Riepegerste konkreter werden. Der 16-Jährige Julius hat erst vor wenigen Tagen seine Berufung in den ADAC-Förderkader im Briefkasten gehabt.

Nun soll der DM-Start der nächste Schritt sein, wobei das Hauptaugenmerk weiterhin auf dem MX-Cup des ADAC Nordrhein liegt, denn zum einen hat Riepegerste durch seine Mitgliedschaft im Förderkader die Pflicht, eine ADAC-Motocross-Serie zu fahren 2021. Zum anderen will er beim MX-Cup vorne ein Wörtchen mitsprechen in der 250er-Klasse. Das geht natürlich am besten, wenn er dort auch viele Rennen absolviert.

Motocross: Lüdenscheider Julius Riepegerste startet durch

Gleichwohl steigt natürlich vor allem die Vorfreude auf das Neue, die nächste Herausforderung, den nächsten echten Prüfstein. In der 250-ccm-Klasse bei den Deutschen Junioren-Meisterschaften sind die Fahrer zwischen 16 und 23 Jahre alt. Mit Ausnahmegenehmigung fährt auch mal der eine oder andere 15-Jährige mit. Julius Riepegerste wird somit zu den Youngstern zählen, zu den Rookies. Ein Nachteil?

„Die älteren Fahrer kennen die Strecken meistens schon, das ist auf jeden Fall ein Vorteil“, sagt Julius Riepegerste, „sie sind erfahrener. Aber vielleicht denkt man auch mehr, je älter man ist.“ Ohne Druck, dafür mit einer Portion Unbekümmertheit will Riepegerste bei den besten Fahrern des Landes gut mitfahren und überraschen. 40 Starter werden in der Klasse sein. Wenn es ihm gelingt, im ersten Jahr unter die „Top 30“ zu fahren, wäre der Lüdenscheider schon zufrieden.

2019 war Riepegerstes Jahr, in der 85-ccm-Klasse feierte er den Gesamtsieg beim MX-Cup des ADAC-Nordrhein. Danach stieg er um, vom Zweitakter mit 85ccm Hubraum direkt auf einen Viertakter mit 250 Kubikzentimetern. Das Gros der Gleichaltrigen machte erst den Schritt auf Maschinen mit 125 Kubikzentimetern Hubraum, Julius Riepegerste entschied sich anders. „Ich hatte keine Lust mehr auf Zweitakter“, sagt der Youngster. „deshalb habe ich diese Klasse übersprungen.“ Dass Viertakt-Maschinen eine andere Leistungscharakteristik haben als Zweitakter, erklärt Vater Jan Riepegerste.

Ich hatte keine Lust mehr auf Zweitakte. Deshalb habe ich diese Klasse übersprungen.

Julius Riepegerste (Motocross-Talent)

Es geht nicht allein um die Pferdestärken. 2020 durfte sich Julius Riepegerste an seine neue Honda, die er wieder von Motorrad Waldmann vorbereitet bekommen hat, gewöhnen – allerdings bedingt durch die Pandemie natürlich bei deutlich weniger Praxis-Herausforderungen als erhofft. Fünf Rennen sind es am Ende im ganzen Jahr gewesen, der MX-Cup war komplett abgesagt worden. Wenn man so möchte, war es ein verlorenes Jahr für den gesamten Motocross-Nachwuchs, nicht nur für Riepegerste.

Im Training ist der Schüler, der 2022 in Ostendorf sein Abitur machen will, dafür fleißig gewesen. Groß geworden bei den Motorsportfreunden Kräwinklerbrücke am Hahnenberg zwischen Halver und Radevormwald, ist Riepegerste inzwischen auch Mitglied beim Verein MSC Grevenbroich. Die dortige Motocross-Strecke ist zwar sehr sandig, doch dafür ist sie praktisch ganzjährig geöffnet – und das mehrmals pro Woche. Am Hahnenberg darf nur samstags trainiert werden, und wenn das Wetter nicht mitspielt, nicht einmal dann.

Training indes ist wichtig. Die Rennen bei den Deutschen Meisterschaften dauern 20 Minuten plus zwei Rennrunden – 20 Minuten Vollgas mit Körperkontakt zu den direkten Rivalen in einem vollbesetzten, starken Feld. Da kommt es auch darauf an, wie viele Reserven am Ende noch mobilisiert werden können. „Der ganz Körper ist auf Spannung“, sagt Jan Riepegerste, „eine gut trainierte Muskulatur ist da die beste Versicherung gegen Verletzungen.“

Trainingseinheiten auch im Arnsberger Wald

Deshalb nehmen die Riepegerstes auch gerne mal unter der Woche die Eineinhalb-Stunde-Anreise zum Training am Niederrhein in Kauf. „In Grevenbroich ist das Trainingsangebot unglaublich, und das Wetter eigentlich nie richtig schlecht“, sagt Jan Riepegerste. Vor allem findet Julius Riepegerste dort eigentlich immer Konkurrenten, mit denen er sich im Training „batteln“ kann. Eine weitere Rennstrecke, die nicht ganz so weit entfernt, aber auch sehr schön ist, gibt es in Voßwinkel im Arnsberger Wald. Auch hier hat Riepegerste schon so manche Trainingseinheit absolviert.

Vater Jan, der noch immer bei den Veteranen mitfährt, ist in der Regel kein so guter Partner mehr für eine gute „Battle“. Sohn Julius nimmt ihm im Normalfall schon einige Sekunden ab auf der Runde. Aber ein guter Ratgeber ist der Vater mit seiner Erfahrung dann doch. „Wir fahren meistens drei Turns im Training – und zwischendurch sprechen wir: Wo hat er zu früh gesessen? Wo zu früh gebremst?“, sagt Jan Riepegerste. Es gibt immer Verbesserungspotenzial.

Ex-Teamweltmeister Marcus Schiffer als Ratgeber

Bis kurz vor Weihnachten ist Training möglich gewesen. Der Trainingsstand war richtig gut gewesen. Nun liegt durch den Lockdown alles auf Eis. Riepegerste absolviert bei Marius Lenders, einem Trainer aus Duisburg, ein auf die Anforderungen im Motocross-Sport abgestimmtes Online-Fitness-Training. 120 Minuten auf dem Ergometer und mit Workouts. Das ist gut, aber es ersetzt nicht die Runden auf der Honda. Das geplante Trainingslager in Italien hat man bereits gestrichen. Auch die Einheiten bei Ex-Teamweltmeister Marcus Schiffer, der mit seiner Rennerfahrung ein wichtiger Ratgeber ist, ruhen aktuell.

Diese Probleme haben indes alle Fahrer. Wenn die Pandemie den Saisonstart Anfang Mai und danach ein relativ normales Rennjahr zulassen sollte, will auch Julius Riepegerste nicht klagen. Das Jahr in der Deutschen Junioren-Meisterschaft soll ein Lehrjahr werden für ihn. Im MX-Cup will er in der MX2-Jugend-Klasse (15 bis 18 Jahre) zu den Bundesendläufen. Und daneben will er beim MX-Cup sonntags auch noch die LK2-Serie fahren. Der 16-Jährige ist bereit und hochmotiviert, seinen Viertakter in die Rennschlachten zu führen. Egal, ob auf den bekannten NRW-Strecken, in Rheinland-Pfalz, Zwickau oder im Juni auf Rügen.

Die Termine der Motocross-Saison für Julius Riepegerste

Deutsche Junioren-Meisterschaft (250 ccm-Klasse): 1. Mai: Kamp-Lintfort – 12. Juni: Rügen – 11. Juli Schweighausen (Rheinland-Pfalz) – 29. August: Hennweiler (Rheinland-Pfalz) – 17. Oktober: Thurm (Sachsen)

MX-Cup des ADAC Nordrhein: 1./2. Mai: MSC Euskirchen-Euenheim – 29./30. Mai: BSC Bielstein – 5./6. Juni: MSC Grenzland – 19./20. Juni: MSF Kräwinklerbrücke (Radevormwald) – 26./27. Juni: MSC Niedergrafschaft –17./18. Juli: MSC Reil – 14./15. August: MSC Sechshelden (in Kooperation mit dem Hessencup) – 18./19. September MCC Weilerswist. Dazu kommt ein Rennwochenende beim MSC Grevenbroich, Termin steht noch nicht fest

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