Tennis: Junge Trainerin übt in Rönkhausen an vier Abenden mit dem Nachwuchs

Neuer Schwung nach langer Flaute

Tennis boomt - zumindest in Rönkhausen.
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Auch alle Kinder, die eigentlich gar kein Training hatten, versammelten sich zum Fototermin – Trainerin Hannah Fleing (Bildmitte auf der Linie) hat ihre Gruppen im Griff. Und in so schöner Umgebung macht das Training einfach Spaß.

Erst ist da lange nichts, und dann auf einmal ganz viel – es herrscht wieder junges Leben auf der idyllisch im Glingebachtal gelegenen Tennisanlage des TV Rönkhausen. An vier Abenden in der Woche trainieren dort nicht mehr allein sportliche Herren ab 40 aufwärts, sondern reichlich Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sieben und 17 Jahren, geht es fröhlich und lebhaft auf den drei Plätzen zu.

Rönkhausen - Möglich gemacht hat dies eine junge Trainerin, die das letzte Talent gewesen zu sein schien, das die 1972 gegründete Tennis-Abteilung des TVR hervorgebracht hat: die 20-jährige Hannah Fleing.

Rückblende: Zu Zeiten des Tennisbooms in Deutschland galt der TV Rönkhausen als kleine Talentschmiede. Gerade bei Kindern und Jugendlichen waren die Erfolge, insbesondere in den 90er Jahren, groß. Der TVR-Nachwuchs stellte Top-Mannschaften im Kreis Olpe-Siegen-Wittgenstein und im Bezirk Südwestfalen. Das D-Jugendteam holte 1997 sogar die Südwestfalenmeisterschaft.

Kontinuierlicher Mitgliederrückgang

Doch das Abflauen des Booms ging auch an Rönkhausen nicht spurlos vorüber. Seit dem Jahr 2000 verzeichnet der Tennissport einen kontinuierlichen Rückgang an Mitgliedern. „Besonders besorgniserregend sind für unsere Tennisabteilung die Zahlen des Nachwuchses“ sagt Abteilungsleiter Andreas Vollmers. Dabei hat man sich oft bemüht: „Es wurden mehrere Versuche unternommen, um Erwachsene, Jugendliche und im Besonderen Kinder für unseren Sport zu begeistern. Es wurden Tenniscamps und Schnupperkurse veranstaltet. Selbst die Idee, Kindern über die OGS (Offene Ganztagsschule) den Tennissport wieder näher zu bringen, brachten keinen Erfolg“, erinnert sich Vollmers. Resultat: Seit 2010 übten fast keine Kinder und Jugendlichen den Sport aus.

Rühmliche Ausnahme war Hannah Fleing, die über ein Tennisprojekt mit der Grundschule in den Verein fand, sich schnell als sehr talentiert erwies und sich durch das Training mit Sebastian Vollmers, Überbleibsel der 97er D-Jugend und mit zahlreichen Titeln gekrönter südwestfälischer Spitzenspieler, rasch verbesserte.

Projekt: Youngsters on Court

Das, was Hannah Fleing damals erlernte und auf den weiteren Stationen ihrer Tennis-Laufbahn in Finnentrop und beim TC Milstenau in Attendorn verfeinerte, gibt sie nun selbst an den Nachwuchs weiter. Und das kam so: Gemäß dem Motto „Das Spiel ist erst verloren, wenn der letzte Punkt gespielt ist“, beschloss der Abteilungsvorstand ein neues Projekt in Angriff zu nehmen, „Youngsters on Court“. „Diese Maßnahme beruhte darauf, dass wir eine Person aus unserem Verein finden, die tennis-technisch unserem Nachwuchs den Einstieg in diesen doch so multiplen Sport näherbringen kann. Nach einigen Gesprächen hatten wir das Glück, Hannah Fleing zu finden, die sich dieser Aufgabe sportlich und fachlich gewachsen fühlte“, hoffte Andreas Vollmers, nun das große Los gezogen zu haben – und wurde nicht enttäuscht.

Eine der Übungen für die Mittwochs-Mädchengruppe: Den Ball von der Netzkante runtertropfen lassen und dann den Punkt ausspielen.

Denn nachdem im Dorf fleißig die Werbetrommel gerührt worden war, meldeten sich im Frühjahr 2020 vier Jungen im Alter von zehn bis 13 Jahren verbindlich für das Sommertraining an. Zwar drohten durch die erste Welle der Corona-Pandemie alle gut gemeinten Ansätze zu scheitern, doch man ließ nicht locker. Am 1. Juni 2020 betrat Hannah Fleing mit der Vierer-Jungengruppe die Plätze. 14 Tage später formierte sich eine Gruppe Mädchen neu hinzu. Nach einigen Schnuppertrainingseinheiten wurde der Zuspruch noch größer. Im August befanden sich schon fünf Gruppen mit insgesamt 21 Kindern im Training. Alle Kinder meldeten sich schließlich auch für das Wintertraining in der „Players Lounge“ bei Mariola und Michael Joschko in Finnentrop (ehemalige Metten-Tennishalle) an. Aufgrund der zweiten Pandemiewelle dauerte das Wintertraining jedoch nur wenige Wochen.

Nach dem Lockdown kommen alle zurück

Es folgte wieder banges Warten, ob im Frühjahr alle Kinder wiederkommen, aber siehe da: „Anfang Mai 2021 wurde das Training auf den Ascheplätzen des TVR fortgesetzt. Alle fünf Gruppen waren ungebrochen wieder an Bord“, freute sich Andreas Vollmers. Montags bis donnerstags wird nun je 90 Minuten unter Übungsleiterin Hannah Fleing trainiert, teilweise mit Unterstützung von Andreas Vollmers.

„Die Motivation der Kinder ist groß“, sagt Hannah Fleing, die beim Neustart allerdings „nicht ganz bei Null“ wieder anfangen musste. „Tennis ist Übungssache, da muss man viel Zeit reinstecken“, weiß sie. Noch ist der Rönkhauser Nachwuchs weit davon entfernt, sich am Mannschaftsspielbetrieb zu beteiligen, Ziel in naher Zukunft ist es zunächst, „den Youngsters die Möglichkeit zu geben, den Sport miteinander und ohne Anleitung auszuüben“, so Andreas Vollmers. Ab einer gewissen Spielstärke sollen dann Matches „Just for Fun“ folgen, der Mannschaftssport ist das Fernziel. Vollmers: „Dies erfordert in erster Linie Freude am Spiel und Ausdauer beim Erlernen von Technik und Taktik.“

Hannah Fleing hat definitiv schon jetzt viel erreicht und gibt sich optimistisch: „Einige lernen schnell. Wenn wir so konstant weitertrainieren, wird es klappen.“ Und auf die Frage, warum ein derartiger Aufschwung erst jetzt möglich wurde, antwortet sie selbstbewusst: „Eine musste es in Schwung bringen.“

Zur Person: Hannah Fleing

Die 20-jährige Hannah Fleing befindet sich bei Thyssenkrupp in Finnentrop in der Ausbildung zur Industriekauffrau. Ihre eigenen Tennisambitionen hat sie nach der Übernahme des Trainerjobs beim TV Rönkhausen, für den sie zunächst ein einwöchiges Basismodul belegte und dann den Trainerschein in Olpe erwarb, etwas zurückgeschraubt.

Nach zahlreichen Turniererfolgen schon im Kindesalter für den TV Rönkhausen, den TC Finnentrop-Bamenohl und später für den TC Milstenau, zu dem sie im Alter von 14 Jahren wechselte, spielte sie für den Attendorner Verein in der Damen-Südwestfalenliga, nimmt aktuell aber nicht aktiv am Mannschaftsspielbetrieb teil. Stattdessen steht sie von Montag bis Donnerstag ab 17 Uhr in Rönkhausen als Trainerin auf der Anlage.

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