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Mit Emotionen, Vukas und Hecker zum Sieg gegen den Spitzenreiter

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Von: Thomas Machatzke

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Handball jubeelt
Fünf Tore und ausgelassener Jubel: Philipp Dommermuth. © Thomas Machatzke

Handball-Drittligist SGSH Dragons hat eine Woche nach der ersten Saisonniederlage in Longerich die Tabellenspitze der Staffel D zurückerobert: Im Gipfeltreffen brachte das Schmetz-Team der HSG Krefeld beim 32:26 (16:12) die erste Niederlage bei. Die 400 Fans an der Mühlenstraße waren am Ende eines denkwürdigen Abends restlos begeistert vom Auftritt der SGSH.

Halver - Gästetrainer Maik Pallach, der selbst mal als Kreisläufer der Rot-Weißen an der Mühlenstraße auf Torejagd gegangen ist, nannte es später im Foyer einen Sieg von Emotionalität und Leidenschaft über individuelle Qualität. „Absolut verdient“, stellte Pallach fest, „wenn auch am Ende zu hoch.“

Mit all dem hatte Pallach recht, es war aber auch ein Sieg der Mannschaft, die an diesem Abend die besseren Antworten gefunden hatte auf die Herausforderungen des Augenblicks. Vor allem dann, wenn es brenzlig geworden war. Und der Mannschaft, die die Spieler des Abends in ihren Reihen gehabt hatte. 

Allen voran Ante Vukas. Gegen ein beileibe nicht schlechtes HSG-Torwartduo Bartmann/Hasenforther das Torwartduell so eindrucksvoll zu gewinnen - das wäre schon so etwas ganz Besonderes gewesen. Bei Vukas kam noch etwas dazu: Er war nach dem Tod seines Vaters (Beerdigung am vergangenen Samstag) erst Mitte der Woche aus Kroatien zurückgekehrt. Ein Mensch im emotionalen Ausnahmezustand, der in seinem Torwarttrikot mit der Nummer 16 die Kraft fand zu dieser ganz besonders bemerkenswerten Leistung, vor der alle nur den Hut ziehen konnten.

Mit Emotionen, Vukas und Hecker zurück an die Tabellenspitze der 3. Liga

Zweiter Vater des Sieges in einem auch mental so starken Kollektiv war Fabian Hecker. Als die Partie auf den letzten Metern doch noch verloren zu gehen drohte, da war es der lange Linkshänder, der im Alleingang die kurze Offensivblockade im SGSH-Spiel löste und sein Team - natürlich in Co-Produktion mit Vukas - endgültig auf die Siegerstraße brachte.

Die Siegerstraße, die SGSH schien sie bereits in der ersten Hälfte gefunden zu haben. Mit viel, viel Leidenschaft im Abwehrspiel und guten Lösungen (vor allem immer wieder über Kreisläufer Dommermuth) im Angriff. Dem hatte die HSG lange Zeit nur einen entfesselten Merten Krings und Bartmanns Paraden entgegenzusetzen. Nach dem 4:4 hatte die SGSH aber erstmals ein 7:4 vorgelegt, bald gar ein 14:8. Zur Pause hieß es 16:12. Das sah gut aus.

Handballer beim Jubel
Matchwinner in der Schlussphase, siebenfacher Torschütze: Fabian Hecker. © Thomas Machatzke

Doch es blieben 30 Minuten - und dies im Wissen, dass der Gast mehr nachzupacken hatte. Dazu versuchte Maik Pallach die Situation nun mit dem siebten Feldspieler zu lösen. Bis zum 21:17 (39.) hielt die SGSH-Führung, dann aber bröckelte sie doch, weil der für Bartmann gekommene Hasenforther einige ganz starke Paraden zeigte. Beim 21:20 (43., Juric) waren die Eagles wieder dran. 

Beim 23:21 verwarf Tobias Schetters gegen Hasenforther einen Siebenmeter - zweimal angetäuscht, zwei Bewegungen des Torwarts, und dann schlug der Ball im Gesicht des Ex-Gummersbachers ein. Die Referees Gleb Sakovski und Christian Schneider berieten sich und zeigten Schetters die Rote Karte (46:46). „1000prozentig die falsche Entscheidung“, echauffierte sich SGSH-Trainer Mark Schmetz noch nach dem Spiel „der Torwart hat sich ganz klar bewegt...“ Die Meinung wurde allgemein geteilt. Doch das half der SGSH in diesem Augenblick nicht.

Rote Karte beim Handball
Rote Karte nach Kopftreffer beim Siebenmeter: Tobias Schetters. „1000prozentig die falsche Entscheidung“, nahm ihn Mark Schmetz in Schutz. © Thomas Machatzke

Die HSG glich in Überzahl zum 23:23 aus, das Momentum war nun klar beim Spitzenreiter. Doch dann kam alles anders. Schmetz nahm eine Auszeit (49:04), beorderte Florian Diehl nach langer Verletzungspause auf die linke Außenbahn und als Schetters-Ersatz auf die Halbposition in der Abwehr.

Zudem wurde nun nur noch konsequent für Fabian Hecker gespielt - und gegen den sah Lasse Hasenforther kein Land. Bis zum 28:25 (55.) erzielte Hecker vier der nächsten fünf SGSH-Tore. Auf der anderen Seite des Feldes hielt Vukas einen Ball nach dem anderen gegen einen Gast, der nun bei schwindender Zeit mitunter den Kopf verlor, vor allem Merten Krings suchte nun häufig viel zu unvorbereitet (und erfolglos) den Abschluss.

Jubelnde Handballer
Moritz Frenzel bedankt sich beim Helden des Abends, Ante Vukas. © Thomas Machatzke

So baute die SGSH am Ende gegen die offene Manndeckung des Favoriten den Vorsprung noch bis zum 32:26-Endstand aus, feierte jeden Treffer ausgelassen und wurde mit Standing ovations gefeiert. Und das Wort zum Sonntag sprach der Trainer ein paar Minuten später: „Überragender Abend, überragendes Spiel“, stellte Mark Schmetz fest, „Hut ab davor, was die Mannschaft heute geleistet hat…“

Beste SGSH-Werfer: Hecker (7), Schetters (7/3), Dommermuth (5) - beste HSG-Werfer: Schulz (6/2), Krings (5), Obranovic (4)

Trainer beim Handball in Rage
In der Schlussphase im Clinch mit dem Kampfgericht: Gästecoach Maik Pallach. © Thomas Machatzke

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