Finanziell und logistisch eine echte Herausforderung

+
Auch Handball-Drittligist SG Schalksmühle-Halver muss sich mit der Mindestlohn-Problematik auseinandersetzen. Kreisläufer Malte Müller (links) wird künftig seine „Arbeitszeit“ genau dokumentieren müssen.

Kreisgebiet -  Das neue Jahr – es ist für die Sportvereine mit Hoffnungen und Wünschen verbunden, aber auch mit Neuerungen. Der Mindestlohn ist auch für die Vereine ein Thema, allen voran für die, die in attraktiven Klassen den Aufwand ihrer Protagonisten mit Geldzahlungen entschädigen. Auch für Vereine im märkischen Südkreis.

Von Thomas Machatzke und Christian Müller

Bei Handball-Drittligist SG Schalksmühle-Halver ist das Thema nicht mit dem 1. Januar vom Himmel gefallen. Mark Wallmann, Geschäftsführer der SGSH-Spielbetriebs-GmbH, beschäftigt sich schon geraume Zeit mit dem Mindestlohn für seine Handballer. Es ist ein Thema, auf das der Geschäftsführer gerne verzichten würde.

„Wir haben mit mehreren Steuerbüros gesprochen und Informationen eingeholt – es gibt auch Lösungen“, sagt er, „aber es ist eben auch kompliziert. Meiner Meinung nach ist die Rechtslage da nicht ganz eindeutig. Es gibt noch Diskussionsbedarf. Da müssten auch von der Regierung und den Behörden noch Dinge geklärt werden.“

FSV und KSC sehen sich nicht betroffen

So, wie die SGSH die Dinge aktuell einschätzt, ist das neue Gesetz allerdings nicht nur finanziell, sondern auch logistisch eine große Herausforderung für den Verein. „Wir dürfen nicht vergessen, dass wir uns hier im ehrenamtlichen Bereich bewegen“, sagt Wallmann, „durch den Mindestlohn muss nun wirklich alles dokumentiert werden. Die Fahrt zum Training, die Dauer des Trainings, die Auswärtsfahrten – und alles muss unterschrieben vorliegen. Der Aufwand für die ehrenamtlichen Kräfte im Verein ist enorm.“

In dieser Woche hat das Steuerbüro Schmale aus Halver zu einer Informationsveranstaltung geladen, an der Wallmann auf jeden Fall teilnehmen will. Auch wenn sich die SGSH mit dem Thema ausführlich beschäftigt hat, ist man damit letztlich noch nicht am Ende. Inwieweit auch die HSV Plettenberg/Werdohl, als Verbandsligist ein weiterer höherklassig aktiver Verein im Kreis, vom Mindestlohngesetz betroffen ist, blieb gestern offen. Der HSV-Vorsitzende Alexander Griessl war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Auch Fußballclubs bundesweit bereitet der Mindestlohn Kopfzerbrechen. „Bei mir haben sich schon einige Geschäftsführer und Manager gemeldet und haben sich nach dem Thema Mindestlohn erkundigt. Es herrscht eine gewisse Verunsicherung in der Branche“, bestätigte Rainer Koch, Vizepräsident des DFB und Chef des Bayrischen Landesverbandes, im Gespräch mit der DPA. Der Jurist ist beim DFB für die Amateure zuständig und erklärte das Dilemma: „Einige Vereine, deren Verträge mit Spielern und Trainern betroffen sind, werden es schwer haben, die nötigen Budgets für die Bezahlung des Mindestlohns zu finanzieren.“

Gehört das Duschen zur „Arbeitszeit“?

Viele sogenannte Vertragsspieler im Amateurbereich sind mit einem 250-Euro-Kontrakt ausgestattet, was bedeutet, dass sie bisher mindestens 250 Euro bekommen haben. Für diesen Minimalbetrag dürfen sie laut Mindestlohngesetz nur 29 Stunden im Monat arbeiten. Dies wiederum sei durch Trainingseinheiten in der Woche und die Fahrten zu Auswärtsspielen nicht umsetzbar.

Während sich einige Vereine wie zum Beispiel Bezirksliga-Spitzenreiter Kiersper SC ebenso wie auch die Regionalliga-Basketballer der Baskets Lüdenscheid von der Mindestlohn-Thematik nicht betroffen sehen, gibt es auch im unteren Leistungsbereich Verantwortliche, die sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Thomas Dinter, Vorsitzender von Landesligist FSV Werdohl, hat die Problematik mit dem Wirtschaftsprüfer seines Klubs erörtert. Nach Einschätzung des Unternehmens müssen die Werdohler auf das neue Gesetz nicht reagieren, weil die Spieler der FSV keinen steuerpflichtigen Arbeitslohn erhalten und keine entsprechenden Verträge besitzen.

Michael Dregger, Vorstandssprecher von Fußball-Bezirksligist Rot-Weiß Lüdenscheid, hat sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Er sagt: „Vom Grundsatz her betrifft es alle. Die Konsequenz wird sein, dass es im höheren Amateurbereich nicht so weitergehen kann wie bisher.“ Dregger hat zuletzt auch den Kreissportbund MK um Hilfe gebeten – und vermisst weiterhin klare Aussagen zu wichtigen Eckpunkten.

Zuständig ist nun auch der Zoll

Für Dregger stellen sich viele Fragen: Nach seiner Ansicht fallen Zahlungen bis 200 Euro nicht unters Mindestlohngesetz, dafür aber alle anderen. „Man muss das Pferd von hinten aufzäumen“, sagt er und rechnet vor: „Wenn eine Mannschaft zum Beispiel dreimal pro Woche trainiert, dazu am Wochenende ein Spiel hat, dann kann man – wenn man das Umziehen und Duschen sowie bei Auswärtsspielen die Anreise einrechnet – von etwa zehn Stunden pro Wochen, ergo 40 Stunden im Monat ausgehen. Das wären bei einem Mindestlohn von 8,50 Euro 340 Euro im Monat. Dazu kämen dann aber auch noch die Beiträge für die Berufsgenossenschaft – man läge also bei etwa 700 Euro.“

Für Dregger ist der Sprung zwischen dem Spieler, der bis zu 200 Euro bekommt (plus Lohnsteuer fallen hier für den Verein etwa 250 Euro an), und dem „Mini-Jobber mit Mindestlohn“ damit in Zukunft ein immenser. Zumal sich weitere Fragen ergeben: Zählen zum Beispiel Umziehen und Duschen tatsächlich zur „Arbeitszeit“? Und: Wie ist mit Schwankungen in der „Arbeitszeit“ zwischen den Monaten umzugehen? In der Vorbereitung im Sommer zum Beispiel ist die zeitliche Belastung in einer Handball- oder Fußballmannschaft mit täglichem Training, Trainingslagern und teilweise mehreren Testspielen pro Woche eine deutliche höhere. So könnte es in Zukunft sein, dass der Verein dem Trainer raten muss, vielleicht die eine oder andere Einheit wegzulassen, weil ansonsten die „Arbeitsstunden“ für den ausgehandelten „Lohn“ zu viele sein werden...

Dregger verweist noch auf einen weiteren Aspekt: „Der Verein hat in Zukunft nun drei Behörden als Ansprechpartner“, sagt er, „bisher waren dies die Sozialversicherung und das Finanzamt – für den Mindestlohn aber ist der Zoll zuständig. So können die Vereine nun von drei Stellen geprüft werden.“ Dazu müsse man auch wissen, wie der Zoll mit denjenigen umzugehen gedenkt, die mit bis zu 200 Euro bezahlt werden. Erkennt er dies an? So oder so sieht Dregger genau wie SGSH-Geschäftsführer Mark Wallmann einen deutlich erhöhten Aufwand auf die Vereine zukommen. „Alles muss in einer Sieben-Tage-Frist dokumentiert werden. Am besten“, sagt der RWL-Vorstandssprecher, „schafft man sich wieder eine Stechuhr an...“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare