Abschied nach neun Jahren

Der Kapitän geht jetzt doch von Bord

[Update, 15.40 Uhr] Iserlohn - Jetzt also doch. Vor gut zwei Wochen hatte Michael Wolf noch betont, die Entscheidung für einen Wechsel nach München sei nicht gefallen er rede auch mit den Roosters. Seit Montagmorgen steht nun aber doch fest. Der Kapitän der Iserlohn Roosters geht von Bord und wechselt an die Isar.

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Michael Wolf ist kein Mensch, der in der Öffentlichkeit mit Emotionen hausieren geht. Einblicke in sein Seelenleben, hat er nur seinen engsten Freunden zugestanden. Deshalb waren die glasigen Augen, die in Augenblicken des Pressegesprächs zum Abschied vom Seilersee aufblitzen, bezeichnend.

„Natürlich tut es weh. Die Entscheidung ist mir unglaublich schwer gefallen und hat mir persönlich sehr weh getan. Ich habe neun Jahre meines Lebens in diesem Verein verbracht, hier ist meine zweite Heimat, mein sportliches Leben – das kann man nicht einfach austauschen“, so der Nationalmannschaftskapitän.

Mit 33 Jahren sucht er die Nähe zur echten Heimat - für die Familie - und die sportliche Herausforderung für sich selbst. Der Füssener hat immer gesagt, mit 35 spätestens will er seine Karriere beenden, die verbleibenden zwei Jahre wird er jetzt in München beim EHC Red Bull verbringen. „Es bietet mir eine neue sportliche Herausforderung, die ich gern noch einmal annehmen möchte!“

Im Klartext, er möchte noch einmal eine Meisterschaft gewinnen und wo, wenn nicht beim Ligakrösus der DEL, könnte er dieses Ziel Wahrheit werden lassen. „Wenn er Fußballer gewesen wäre, dann hätte er sicherlich viel früher schon die Entscheidung getroffen, nach Spanien oder Italien zu gehen, um seine Karriere zu veredeln“, betont Roosters-Clubchef Wolfgang Brück, der nach der Anfrage Wolfs, ob man den gemeinsamen Vertrag ein Jahr früher als geplant beenden könne, aus rein menschlichen Erwägungen seine Zustimmung gegeben hat.

„Wir haben Michael Wolf sehr viel zu verdanken. Er hat neun Jahre auf und abseits des Eises alles für uns gegeben und da ist man so einem ehrlichen, aufrichtigen und guten Menschen auch verpflichtet, ihm rein menschlich alle Möglichkeiten zu eröffnen.“ Details über die finanziellen Rahmendaten des Transfers wollte Brück nicht nennen.

Man habe zudem eine Regelung gefunden, die allen Seiten gerecht werde, dennoch habe mehr die menschliche als die wirtschaftliche Seite bei der Entscheidung im Mittelpunkt gestanden. „Michael Wolf ist ein Spieler, der jede Mannschaft besser machen kann und wir alle wussten, dass es irgendwann ein Jahr eins nach Michael geben würde“, erklärt Brück, der den Auflösungsvertrag exakt vor sechs Tagen unterschrieben hat. Entgegen allen Medienberichten hätten alle Seiten erst sehr kurzfristig eine Übereinkunft getroffen.

Schon während der vergangenen Saison hatte es immer wieder Gerüchte über einen Abschieds Wolfs gegeben, erste Gespräche seitens Red Bull München aber habe man definitiv erst nach der Saison geführt. Als sich dann auch die Rahmenbedingungen besser haben absehen lassen. Erst nach der Verpflichtung von Don Jackson als Cheftrainer in München, sei es konkreter geworden. Dass er sich bei der Beschreibung der zeitlichen Abläufe so besondere Mühe gibt hat natürlich auch mit der Angst zu tun, dass ihm mancher vorwerfen könne, den Roosters nicht die Treue gehalten zu haben.

„Aber wenn mir einer diesen Vorwurf macht, dass ich mich nicht mit diesem Verein identifiziere, dann würde ich mich wirklich sehr ärgern“, betont der Ex-Rooster. Die Roosters selbst wissen, dass sie den ´deutschen ‘ Topspieler Wolf nicht so einfach ersetzen können, sondern die Last auf mehreren Schultern verteilen müssen. Das wird möglich, weil das Topverdiener-Gehalt, das der Neu-Bulle bekommen hat, nun breiter investiert werden kann.

„So ein Spieler ist nicht eins zu eins ersetzbar“, stellt auch Manager Karsten Mende klar, der Wolf 2003 entdeckte und ihn in die DEL zu den Roosters holte, wo er in den vergangenen Jahren der beste deutsche Spieler war. Deshalb bemüht er sich insbesondere um mehr Tiefe im Kader und wird die Außenstürmerposition in der ersten Reihe mit einem Ausländer besetzen. Auf die Frage, ob es den Roosters jemals möglich sein wird, noch einmal einen so herausragenden Spieler wie Wolf langfristig an den Club zu binden und so dessen persönlichen Aufstieg mitzuerleben, sagt Mende ehrlich: „Nein!“ Er hat recht, das Phänomen Michael Wolf, wird es am Seilersee auch aufgrund der Rahmenbedingungen wohl nie wieder geben. - MiHei

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