Immer mehr aggressive Zuschauer im Kreis Arnsberg

+
Michael Ternes

ARNSBERG/WERDOHL -  Pöbelnde Zuschauer, ausrastende Trainer, gestresste Schiedsrichter – solche Bilder sieht Michael Ternes immer öfter auf den Fußballplätzen der heimischen Ligen. Der Vorsitzende des Fußballausschusses im Kreis Arnsberg hat beobachtet, dass die Unruhe auf und neben dem Spielfeld wächst.

Das schlägt sich auch in der Statistik nieder.

An den elf Spieltagen der bisherigen Saison zogen die Schiedsrichter in den fünf Arnsberger Kreisligen 28 rote und 44 gelb-rote Karten. Damit sprachen die Referees insgesamt zwar einen Platzverweis weniger aus als zum gleichen Zeitpunkt der vergangenen Spielzeit. Trotzdem hat Ternes beobachtet, dass die „Frustrationsgrenze“ gesunken sei.

Beleg für die These des Funktionärs ist eine andere Zahl. So wurden in der laufenden Saison im Kreis bereits 13 Eintragungen im Spielbericht vorgenommen. In zwei Fällen vermerkte der Schiedsrichter, dass er von Zuschauern bedroht worden sei. Fünfmal wurden Trainer, dreimal andere Mannschaftsbetreuer nach Fehlverhalten hinter die Bande verwiesen. Dreimal fielen Spieler nach einer gelb-roten Karte durch Beleidigungen gegen den Unparteiischen auf.

Nach elf Runden im vergangenen Spieljahr stand Ternes’ Angaben zufolge lediglich ein Eintrag im Spielbericht zu Buche. Einen Teil der Verantwortung für diesen enormen Anstieg tragen für Ternes neben den betroffenen Aktiven und Trainern auch die Zuschauer. „Es fällt auf, dass von außen immer mehr Unruhe hereingetragen wird. Man hat den Eindruck, einige kommen sonntags nur zu den Spielen, um ihren Frust von zuhause abzulassen“, sagt Ternes.

Darum will er die Vereine bitten, stärker von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen, Störenfriede aus dem Publikum notfalls der Sportanlage zu verweisen. Theoretisch habe der Fußball-Kreis die Handhabe, bei entsprechenden Vorfällen die Klubs mit Geldstrafen zu belegen. „Aber das wollen wir nicht“, stellt Ternes klar.

Georg Heimes, sein Amtskollege aus dem Kreis Lüdenscheid, hat ebenfalls vermehrt Zuschauer wahrgenommen, die mit Beleidigungen versuchen, den Schiedsrichter oder Akteure des Gegners zu beeinflussen – auch wenn er von Eskalationen wie Spielabbrüchen aus den Arnsberger Kreisligen nicht berichten konnte. Zahlen zu Platzverweisen oder Eintragungen im Spielbericht konnte Heimes zwar nicht nennen, dennoch erklärt er: „Der Respekt ist verloren gegangen. Man gesteht den Unparteiischen keine Fehler mehr zu.“

Dass die Vereine ihr Hausrecht stärker durchsetzen, hält Heimes für unrealistisch. „Natürlich müssten die Klubs da stärker durchgreifen, aber sie tun es nicht. Denn diese Schreihälse bringen schließlich auch Eintrittsgeld in die Vereine – und da sagt keiner was.“

Manchmal werden Aggressionen auch durch Fehlentscheidungen der Unparteiischen ausgelöst. Ternes mahnt bei allen Beteiligten Nachsicht an. „Wenn man in der Kreisliga C Fußball spielt, kann man auch nur einen C-Liga-Schiedsrichter erwarten“, unterstreicht Ternes.

Einen Strafenkatalog für Zuschauer gibt es nicht – für zu engagierte Trainer hingegen schon. Laut Ternes hat der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen (FLVW) festgesetzt, dass ein Coach 30 Euro zahlen muss, wenn er hinter die Bande geschickt wird.

Im Wiederholungsfall werden 45 Euro fällig, ab dann verdoppelt sich der Betrag bei jedem weiteren Verweis. Im Kreis Lüdenscheid, so Heimes, greift eine interne Regelung. Dort wird der erste Verweis mit 50 und der zweite mit 100 Euro geahndet. Beim dritten Mal geht der Fall vor die Kreisspruchkammer.

von Christian Müller

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare