"Dinge aus dem Ruder geraten"

Derby-Nachspiel vor der Verbandsspruchkammer

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Dustin Langenberg lieferte sich mit Ayoub Alaiz ein Schlüsselduell auf der Außenbahn. Nur zweimal binnen 90 Minuten hatte der FSV-Rechtsverteidiger das Nachsehen, doch der BSV-Flügelflitzer scheiterte erst am Außennetz, dann an Keeper Grete. - Foto: Herholz

WERDOHL - Nach Spielschluss sammelte Schiedsrichter Björn Backhaus seine Assistenten Mario Tiller und Dominik Roßdeutscher in der Nähe des Mittelkreises um sich, wartete gemeinsam mit ihnen, bis die Mannschaften den Platz verlassen hatten, und beobachtete die Entwicklung am Spielfeldrand. Dann wandte er sich an Uli Sauerborn, den Sportlichen Leiter der FSV Werdohl, denn ohne Ordnerschutz wollte das Gespann nicht den kurzen Weg in die Kabine antreten.

Aus guten Grund: Aufgebrachte Anhänger und Spieler des BSV Menden ritten lautstarke Verbalattacken, die zum Teil weit unter der Gürtellinie lagen. „Dass die Dinge so aus dem Ruder geraten, das hat es am Riesei noch nicht gegeben“, sagt Uli Sauerborn, der gemeinsam mit dem Physiotherapeuten Sven Schlabach und Co-Trainer Benjamin Moch dem Schiedsrichter-Trio den Weg in Richtung Kabine bahnte.

„Dass Zuschauer mit einem Bündel Geldscheinen in der Hand wedeln und der Schiedsrichter dermaßen beleidigt wird, das war unterste Schublade. Das tut mir leid für den Schiedsrichter. Das hat er in keinster Weise verdient, auch wenn umstrittene Entscheidungen dabei gewesen sind“, sagt Uli Sauerborn.

Lesen Sie den Spielbericht:

FSV Werdohl - BSV Menden 2:1

Dabei betont er aber: „Die Schiedsrichter sind sicher in die Kabine gekommen. Für die Verbalausbrüche der Gästefans können wir als Verein nichts, und wir können nicht wie in der Bundesliga einen Gang freischaufeln. Uns als Verein kann man keinen Vorwurf machen, bis auf die Tatsache, dass wir keine Ordnerbinden hatten.“

Anders sieht es für den BSV aus: Denn Schiedsrichter Backhaus trug im Spielbericht ein, dass sein Gespann nur mit Hilfe des Ordnungsdienstes in die Kabine gelangte. Auch dass er von einer „Gruppe von zehn bis 15 Zuschauern, die klar als Anhänger des Gastvereins“ zu identifizieren waren, „massiv beleidigt und körperlich bedroht“ wurde, hat er vermerkt. Die Mendener dürfen sich auf jeden Fall auf ein Derby-Nachspiel vor der Verbandsspruchkammer (VSK) einstellen.

Hier wartet jetzt Arbeit auf den Glaser.

Am Montag machte Staffelleiter Ernst Moos die Unterlagen fertig, Dienstag schickt er sie an die VSK. Erfahrungsgemäß werde der Fall dann spätestens in 14 Tagen verhandelt, so Moos. Im Mittelpunkt des Interesses wird dann aber wohl das Fehlverhalten des BSV-Trainers stehen. Denn: „Der Verein hat zwar auch gegenüber seinen Zuschauern eine Sorgfaltspflicht, aber normalerweise ist es für die Kammer immer schwierig, die schuldigen Personen zu identifizieren“, sagt Moos.

„Man muss abwarten, was die Kammer sagt“, meint Moos, der im Sommer auf dem Staffeltag seine Vereine noch ausdrücklich gelobt hatte, weil in der vergangenen Spielzeit nur eine Partie vor der VSK gelandet war. Das Spiel der FSV Werdohl gegen Menden vom Sonntag ist dagegen bereits Fall Nummer drei in der laufenden Saison.

BSV-Trainer Mark Elbracht muss sich für seine Schiedsrichterkritik vor der Verbandsspruchkammer rechtfertigen. - Foto: Herholz

Erst in der vergangenen Woche hatte Moos das Derby zwischen dem SV Ottfingen und RW Hünsborn wegen des „Zündens von Feuerwerkskörpern und Rauchbomben vor, während und nach dem Spiel“ an die VSK abgegeben.

Umso größeren Wert legt Uli Sauerborn als Sportlicher Leiter der FSV darauf, dass seine Mannschaft jetzt nicht in ein schlechtes Licht gerückt wird. „Wir lagen in der vergangenen Saison in der Fair-Play-Wertung ganz vorn, und in dieser Saison haben wir bisher nur eine Rote Karte wegen des Fehlverhaltens eines einzelnen Spieler und das haben wir aufgearbeitet“, betont Sauerborn

Auch in der Außendarstellung gegenüber der Stadt bemühen sich die Fußballer, klar Stellung zu beziehen. Deswegen hat die FSV Werdohl am Sonntag noch die Polizei gerufen. „Leider war Menden schon weg, als die Polizei eintraf. Deswegen konnten wir nur eine Anzeige gegen Unbekannt stellen“, sagt Sauerborn, der allerdings davon ausgeht, „dass die Stadt Werdohl die Rechnung für die Tür direkt an den BSV Menden schicken kann. Uns ging es darum, der Stadt zu signalisieren, dass wir bemüht sind, die Gebäude zu schützen.“

Den BSV-Trainer Mark Elbracht nimmt Uli Sauerborn übrigens ausdrücklich in Schutz, auch wenn dieser sich selbst kurz vor der Pause nicht im Zaum hatte. „Ich hatte das Gefühl, dass sich der Trainer des BSV über diese Dinge sehr geärgert hat“, sagt Sauerborn, zumal die Mendener eine starke Mannschaft haben.

„Sie haben eine gute Entwicklung gemacht und stehen nicht umsonst soweit oben“, meint Sauerborn. Für einen Punktgewinn am Riesei hat es trotzdem nicht gelangt, weil die FSV vor allem in der Defensivbewegung wieder stark agierte. 

von Stefan Herholz

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