Ein Rohdiamant

Marko Friedrich gilt als große Sturmhoffnung

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Technisch und läuferisch in der Komfortklasse: Marko Friedrich wechselte von Zweitligist Ravensburg zum IEC.

Iserlohn - Manches erinnert an das Jahr 2005, als Karsten Mende den ersten großen Schachzug seiner Karriere einfädelte und einen Mann namens Michael Wolf unter Vertrag nahm. Zugegeben, diesmal gehörte ihm die neue Entdeckung der Eishockeyszene nicht allein. Doch während sich andere Clubmanager die Zähne ausbissen, machte der ehemalige Nationalspieler aus dem Sauerland den Deal perfekt: Das Toptalent Marko Friedrich unterzeichnete am Seilersee.

Es gibt nicht wenige, die hoffen, dass der 23-jährige in wenigen Jahren eine ähnliche Rolle spielen könnte, wie Wolf sie sich erarbeitet hat. „Wenn man auf Scoutingtour unterwegs ist, dann beobachtet man natürlich die technischen und läuferischen Möglichkeiten eines Spielers, aber das ist nicht genug. Trainingseindrücke, Motivation, Intensität, all das spielt auch eine Rolle – und davon hat Marko wirklich eine Menge“, sagt Mende.

Mende reiste regelmäßig nach Ravensburg

Spätestens, als er das erkannt hatte, begann er das Talent zu umwerben, reiste regelmäßig nach Ravensburg und führte viele Gespräche, die wohl den Unterschied gemacht haben. Der Roosters-Manager soll der einzige gewesen sein, der persönlich und nicht über Agenten Interesse ausrichten ließ. „Den richtigen Zeitpunkt zu finden, diesen Karriereschritt zu machen, war nicht einfach, wir haben uns lange beraten“, erzählt Friedrich.

Keine Entscheidung ohne den Vater

„Wir“ heißt im Fall des jungen Mannes aus Roth: keine Entscheidung ohne seinen Vater. Der ehemalige Bundesligaspieler aus Nürnberg ist der wichtigste Karriere-Entwickler. Auch seinem Einfluss war es zu verdanken, dass die Roosters im Frühjahr vergangenen Jahres zwar einen unterschriebenen Vertrag bekamen, aber keinen neuen Spieler. „Mein Vater, mein Agent und ich waren der Überzeugung, dass es besser ist, noch ein Jahr in der zweiten Liga zu spielen, dort viel Eiszeit zu bekommen und Erfahrungen in entscheidenden Spielsituationen zu sammeln. Heute kann ich sagen, es war kein Fehler!“

Im dritten Zweitligajahr ein Leistungsträger

In seinem dritten kompletten Jahr bei den Towerstars gehörte der Youngster zu den Leistungsträgern, stand in Überzahl, Unterzahl, Verlängerungen und allen anderen Spiel entscheidenden Momenten auf dem Eis. „Deshalb ist es natürlich schwer, jetzt in Iserlohn wieder ganz unten anzufangen und in der vierten Reihe zu spielen. Ich akzeptiere das, denn ich sehe ja selbst, wie gut die anderen Jungs hier sind“, sagt Marko.

Ein Anfang mit Tränen

Begonnen hat seine Karriere nahe seiner Geburtsstadt Roth. Mit fünf Jahren ging es zum ersten Mal in Nürnberg aufs Eis, gezwungenermaßen. Sein Vater wollte es so, Marko eigentlich nicht. Nicht selten gab es vor dem Training Tränen, heute ist er froh, dass ihm diese Tür geöffnet wurde. „Eines aber hat sich bis heute nicht verändert. Immer, wenn ich schlecht spiele, bekomme ich von ihm die Mütze voll. Dann steht er hinter dem Stadion und erteilt mir eine Ansage.“

Der Weg scheint richtig zu sein

Die Emotionalität dieser Momente kennt Friedrich lange genug, aber er weiß: Sein Vater will ihm nur helfen. Der Weg scheint der richtige zu sein. „Marko ist ein junger Spieler, der sich sehr schnell in die Mannschaft eingefügt hat, der jetzt unser System verinnerlichen muss und uns ganz viel Tiefe auf der Mittelstürmerposition geben kann“, betont sein Teamkapitän Mike York. Er hat in der NHL viele Talente groß werden sehen und glaubt, dass Friedrich sich aufgrund seiner hervorragenden technischen Möglichkeiten durchsetzen wird.

Nicht allein auf das Talent verlassen

Der Youngster selbst glaubt nicht daran, sich trotz des Lobes auf sein Talent allein verlassen zu können. „Erfolgreich Eishockey zu spielen bedeutet vor allem auch, hart zu arbeiten, da muss man sich keinen Illusionen hingeben. Der Gretzky hatte auch unglaubliches Talent. Der größte Eishockeyspieler aller Zeiten ist er aber deshalb geworden, weil er mehr gearbeitet hat als alle anderen“, so Friedrich. Er hat das Prinzip durchschaut.

BWL-Studium als zweites Standbein

Allerdings gilt der Wille, mehr zu tun als alle anderen, nicht nur für seine sportliche Karriere, sondern auch für seine persönliche Perspektive. „Ich studiere neben dem Sport noch BWL und versuche, mir so ein zweites Standbein aufzubauen.“

Konzentration gilt der neuen Saison

Erstmal aber gilt die ganze Konzentration der neuen Saison am Seilersee. „Er war an seinen ersten Tagen schon ziemlich nervös“, grinst Cheftrainer Jari Pasanen. Dabei sei das gar nicht nötig gewesen. „Ehrlich gesagt habe ich kaum schlafen oder etwas essen können“, äußert sich Friedrich. Schon nach fünf Wochen aber hat er allen gezeigt, dass er seine neue Mannschaft besser machen kann. Deshalb muss er entgegen einer Pressemitteilung vom Kooperationspartner aus Bietigheim auch nicht befürchten, irgendwann in dieser Saison in die zweite Liga abgeschoben zu werden.

Mit Langwieder auf der Alexanderhöhe

Dass man ihm am Seilersee alle Möglichkeiten geben wird, dürfte klar sein, schließlich haben sich beide Seiten für drei Jahre aneinander gebunden. Viele Geschichten über Iserlohn und die Roosters kennt er schon. Erzählt hat sie ihm Ex-Verteidiger Stefan Langwieder, Mitspieler in Ravensburg und guter Kumpel. Gemeinsam haben beide auf der Alexanderhöhe schon das Schützenfest unsicher gemacht.

"Er kann ein ganz großer Spieler werden"

Und auch Langwieder sagt: „Er kann ein ganz großer Spieler werden! Vielleicht wirklich einer wie der Michi Wolf.“ Diese Meinung hat auch Uli Liebsch, der ehemalige Roosters-Trainer und Ex-Coach von Friedrich in Ravensburg, schon kundgetan. Nur einer scheint dessen Talent nicht entdeckt zu haben. Ex-Nationalspieler Peter Draisaitl. Auch der trainierte Friedrich schon und verpasste ihm seinen Spitznamen: „Schnetz“ oder „Schnetzky“, der schlechte Gretzky.

Zum Radio MK-Beitrag über Marko Friedrich

Mit der legendären „99“ mag man ihn noch wirklich nicht vergleichen. Trotzdem gilt: Mit Friedrich haben die Roosters einen ungeschliffenen Rohdiamanten. Jetzt gilt es nur, darauf zu achten, dass er bei all dem Druck und den auf ihn gerichteten Augen nicht zerbricht. Aber wenn das einer hinbekommt, dann wohl Karsten Mende... - von Mirko Heintz

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