Turnen

Madeleine Owen: Karriereende mitten im Lockdown

Turnerin am Sprung
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Madeleine Owen am Sprung: Fast zwei Jahrzehnte turnte sie erfolgreich, unter anderem gewann sie zweimal den Landescup und 14mal die Lüdenscheider Stadtmeisterschaft.

Madeleine Owen beendet nach fast zwei Jahrzehnten im Leistungsturnen ihre Karriere. Mitten im Corona-Lockdown. Eine schwere Knieverletzung ist Schuld daran.

Lüdenscheid – Es ist nicht die Art von Abschied, die sich ein Sportler wünscht. Keiner wie jener von Nina Gringmuth zum Beispiel, die beim Landesturnfest in Gütersloh 2008 noch eine letzte Bodenkür auf die Fläche zauberte und dann ihren STV-Teamkolleginnen in die Arme fiel. Geschafft, mit ein paar Tränen in den Augen, aber glücklich. Eine von den Teamkolleginnen damals war die 14-jährige Madeleine Owen.

Owen bleibt nun ein ähnliches Finale ihrer erfolgreichen Karriere verwehrt. Die Lüdenscheiderin beendet ihre Laufbahn mitten im Corona-Lockdown – ohne Wettkampf, ohne emotionalen Abschied, ein Tränchen wird aber auch sie verdrücken müssen nach zwei Jahrzehnten ganz im Zeichen des Turnsports. Eineinhalb Jahre nach ihrem Sportunfall am letzten Wettkampftag der Turn-Saison 2019, nach dem Riss des hinteren Kreuzbandes und dem Riss des Innen- und Außenmeniskus – nach zwei Operationen und langen Reha-Maßnahmen hat sich der erhoffte Erfolg bis jetzt nicht eingestellt. Womöglich droht Owen gar noch eine dritte Operation. Und so hat sich die 26-Jährige schweren Herzens zu dieser Entscheidung durchgerungen.

Karriereende mitten im Lockdown

„Die Entscheidung ist mir verdammt schwergefallen“, sagt Madeleine Owen traurig, „wer mich kennt, der weiß, dass Turnen für mich eine sehr große Leidenschaft ist. Es ist schon ärgerlich, wenn man seine Karriere so beenden muss. Das hätte ich mir anders gewünscht.“

Eigentlich wollte Owen nach ihrem Wechsel vom VfL Kamen zur KTV Ravensberg im Jahr 2018 noch einmal richtig durchstarten. Sie trainierte seinerzeit im Turnzentrum an der Harpener Heide in Bochum, hatte neue Elemente für die Wettkämpfe vorbereitet. Doch dann machte der Unfall im Juni 2019 alles zunichte.

Mit dem Turnen begonnen hatte Madeleine Owen im Jahr 2000 beim TuS Bierbaum, doch schon ein Jahr später zog es sie zum Schalksmühler TV. Es war ein goldenes Jahrzehnt für die Riege von Klaus-Peter Wiebusch, der mit Owen und Turnerinnen wie Melanie Wiebusch, Celine Machelett, Marie Eicker, Jenny Kraege oder auch Nina Gringmuth der Aufstieg von der Landesliga 2 bis in die Oberliga gelang. Ein Durchmarsch durch mehrere Klassen, den Owen heute noch als eines der „ganz besonderen Ereignisse“ in ihrer Laufbahn bezeichnet.

2012 nach Kamen, 2018 nach Ravensberg

Im Jahr 2012 zog Owen weiter zum VfL Kamen. Es sollte eine ungemein erfolgreiche Zeit in Kamen werden – mit dem VfL gewann sie zweimal den Landescup und stieg in die NRW-Liga auf. Bis 2017 blieb sie dem VfL treu, bei dem dann allerdings die Riege mehr und mehr ausblutete. Owen zog weiter nach Ostwestfalen zur KTV Ravensberg („Die KTV ist einfach eine mega Truppe…“) und turnte hier noch weiter in der Oberliga. Bis zu ihrer schweren Verletzung.

Neben ihren Erfolgen in der Mannschaft (allein elfmal Platz eins) blickt Owen auch auf eine imposante Einzelbilanz zurück: Mit 14 Siegen in Folge bei den Lüdenscheider Stadtmeisterschaften löste sie Simone Halbe (ehemals Bergfeld) als Rekord-Titelträgerin ab. Ihre größten Erfolge waren aber ohne Zweifel zwei Siege beim WTB-Landescup. 29 Einzelsiege im Turnen feierte Madeleine Owen, dazu zwei zweite und sechs dritte Plätze.

Madeleine Owen mit Petra Rosenbach bei der Ehrung zur Sportlerin des Jahres in Lüdenscheid im Jahr 2014.

Owen indes turnte nicht nur – über die Deutschen Mehrkämpfe, die beim Schalksmühler TV seinerzeit hoch im Kurs standen, kam die Lüdenscheiderin auch zur Leichtathletik. Beim Deutschen Sechskampf in der Jugend und später beim Deutschen Achtkampf waren je zur Hälfte Turn- und Leichtathletik-Disziplinen zu absolvieren. Owen holte sich zwei NRW-Meistertitel im Mehrkampf, wurde zweimal Zweite und einmal Dritte. Auf nationaler Ebene schrammte sie bei der Deutschen Mehrkampfmeisterschaft zweimal als Vierte ganz knapp an den Medaillenrängen vorbei.

Die Entscheidung ist mir verdammt schwergefallen. Wer mich kennt, der weiß, dass Turnen für mich eine sehr große Leidenschaft ist. Es ist schon ärgerlich, wenn man seine Karriere so beenden muss.

Madeleine Owen (Turnerin)

Dazu erkämpfte Owen für die LG Halver-Schalksmühle (bis 2011) und die LG Lüdenscheid 2012 bis 2018) 54 Treppchenplätze bei Leichtathletik-Wettkämpfen in der Region – 25 Siege, 20 zweite und neun dritte Plätze.

Vorbei: Nach 20 Jahren ist nun Schluss mit dem Turnen und der Leichtathletik für die 26-jährige Technische Zeichnerin. Nicht frei gewählt, was den Abschied umso schmerzhafter macht. Dankbar zurück schaut Owen gleichwohl auf eine lange, erfolgreiche Karriere, die viele schöne Momente bereitgehalten hat – nur den erhofften schönen, emotionalen Schlusspunkt nicht.

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